Interview Die harte Blonde
Rocksängerin Courtney Love über Drogenabstürze, Kurt Cobains Asche und ihr neues Leben in Hollywood
Frau Love, wie geht es Ihnen?
Oh, ich versuche gerade, den richtigen Floristen zu finden. Schauen Sie sich um, ich liebe Blumen. Aber Blumen sind so teuer in Los Angeles. Mein Manager sagt immer: Du bist verrückt. Du kannst nicht so viel Geld für Blumen ausgeben wie Elton John! Aber ich muss Rosen und Orchideen um mich haben.
Man hört, Sie seien jetzt Buddhistin.
Ja, das stimmt. Dort drüben steht mein Buddha-Altar. Jeden Abend und jeden Morgen singe ich eine Stunde lang meine Gebete. Ich habe auch schon mal vier Stunden geschafft, mit kleinen Zigarettenpausen. Rauchen ist mein letztes Laster.
Sie wurden 2005 von einem Gericht in eine Entziehungsklinik eingewiesen und waren fast pleite. Was war passiert?
Ich war vier Jahre lang auf Drogen. Als ich aufwachte, hatte man mir fast mein ganzes Vermögen geklaut. Irgendwelche Leute kauften sich mit meinem Geld Grundstücke in seltsamen Kleinstädten, und eines Abends wurden an meiner Gartentür 800000 Dollar übergeben. Das FBI hat ermittelt, und ein paar Leute, die sich mal meine Freunde nannten, sitzen jetzt im Gefängnis.
Da wären Sie auch fast gelandet.
Ja. Sie haben mich nach David Lettermans Show verhaftet, weil die Polizisten wahrscheinlich meinen Auftritt gesehen haben.
Sie haben David Letterman Ihre Brüste gezeigt.
Ja, aber am Ende haben sie mich nicht deswegen verklagt, sondern weil ich auf meinem eigenen Grundstück betrunken rumgepöbelt habe. Ich musste in zwei Jahren bestimmt dreißigmal vor Gericht erscheinen, wegen nichts. Sie wollten ein Exempel statuieren, genau wie jetzt bei Paris Hilton. Es war ein Horror. Die Verhandlungen wurden im Fernsehen übertragen, ich war damals fett, auf Drogen und saß dort wie ein Freak. Zum Glück hatte ich einen fantastischen Anwalt. Er sagte: Ich mag es nicht, Leute zu verteidigen, die schuldig sind, also hör auf mit dem Zeug. Und ich hörte auf. Komischerweise verstehe ich mich am besten mit älteren Männern. Sie sorgen dafür, dass ich gesund lebe und meine Finanzen in Ordnung bringe. Verdammt, das sage ich, während ich mir heute meine 26. Zigarette anzünde!
Sie wollen wirklich nie wieder Drogen anfassen?
Ich bin jetzt über 40, Sie können mir glauben, ich bin durch damit. Neulich kamen ein paar sehr berühmte Leute nachts zu mir zu Besuch und setzten sich in mein Wohnzimmer. Ich sagte: Ihr könnt trinken, aber Koks ist verboten. Sie haben trotzdem gekokst. Ich musste sie rausschmeißen. Es ist der Raum, in dem ich Yoga mache und Songs schreibe. Es ist ein weihevoller Raum für mich, es ist keine verdammte Fixerstube. Ich habe mich in meinen Pyjama geschmissen, in meine Pantoffeln, bis sie endlich gemerkt haben: Oh, du willst, dass wir abhauen?
Kann man den Drogen in L.A. aus dem Weg gehen?
Sie machen Witze, das ist praktisch unmöglich. Die Leute nehmen Drogen sogar in den Luxushotels, überall. Man sieht den Leuten in dieser Stadt nicht an, wie viele Drogen sie nehmen. Die Oberfläche bleibt intakt. Bei mir war das anders. Deshalb war ich wahrscheinlich auch für viele so interessant.
Arbeitstitel Ihres neuen Albums ist „How Dirty Girls Get Clean“, wie schmutzige Mädchen sauber werden. Haben Sie ein paar Tipps?
Nun, in jedem Fall sollte man nicht für 30 Tage in den Entzug gehen, sondern für 90 Tage. Eine verdammt lange Zeit, aber alles darunter bringt nichts. Ich war drei Monate lang in einem Haus, wo jeden Tag mein Therapeut vorbeikam.
Wie haben Sie sich die Zeit vertrieben?
- Datum 04.06.2007 - 11:54 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin LEBEN, 31.05.2007 Nr. 23
- Kommentare 2
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Sie wollten immer das Mädchen sein, das das größten Kuchenstück kriegt.
Ansonsten aber ein tolles Interview. Muss doch seltsam sein, im selben Haus mit Kurt Cobains Asche zu sitzen...
Danke für den Hinweis. Wir haben den Fehler berichtigt.
Redaktion ZEITmagazin LEBEN
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