Gerade haben wir uns daran gewöhnt, dass der Frühling ganz und gar in Yves-Klein-Blau gekleidet ist, da wird schon die Kolorierung des Sommers ausgerufen: Fuchsia irgendwo zwischen Himbeere und Dunkelviolett. Ihren Namen hat die Farbe einem eher unglamourösen Gewächs entliehen, das zur Gattung der Nachtkerzengewächse zählt. Sie wird auch Hollywood Cerise genannt. So hieß ein Buntstift, der in den fünfziger Jahren in den USA verkauft wurde. Nun begegnet uns dieser Ton nicht mehr nur bei Balkonpflanzen und Malwerkzeugen, sondern in Verbindung mit Satin oder Seide, etwa bei einem neuen Mini-Corsagen-Kleid von Dolce & - Gabbana.

Fuchsia sei kühl und satt und voller Energie, schwärmen angelsächsische Modemagazine. Sie können ja nicht wissen, was es bedeutet, in Deutschland eine Farbe zu tragen, die stark an das Magenta einer Telefongesellschaft erinnert. Wenn ich in Fuchsia vor die Tür trete muss ich dann nassen Schwämmen ausweichen, die radsportbegeisterte Passanten mir entgegenschleudern, weil sie annehmen, ich gehörte zum Team T-Mobile? So etwas bedenken Designer nicht. Sie denken sich lieber die wildesten Farbkombinationen aus, als wollten sie der modernen Frau einen Fruchtsalat überwerfen: Fuchsia mit Zitronengelb, Fuchsia mit Kirschrot, gesehen zum Beispiel bei Prada. Fast jede Mischung ist erlaubt.

Für alle, denen dazu der Mut fehlt, empfehlen sich subtilere Arten, Fuchsia anzuziehen. Man betrachte die Fuchsia-Gürtel und Fuchsia-Plateausandalen. Dazu lassen sich gut Pudertöne tragen, oder man zeigt viel nackte Haut. Zur Not hilft auch ein fuchsiafarbenes Johannisbeereis als Accessoire.

Nur mit dem viel zu harten Schwarz sollte man die Modefarbe nie kombinieren. Aber wer braucht noch Schwarz? Schließlich war diese Nichtfarbe etwas für Leute, die nicht auffallen wollen. Sie sind diesen Sommer mit Fuchsia allemal besser bedient. Entsprechend dosiert, entfaltet der kühle Ton eine Strahlkraft, hinter die man sich unauffällig zurückziehen kann. Hier funktioniert Mode nicht als Akzentuierung und Nuancierung. Wer ein Outfit in brüllendem Fuchsia zur Schau trägt, wird kaum noch als Person wahrgenommen, eher schon als Kleidungsstück mit Fleischbeilage im besseren Fall. Wer Pech hat, wird auf hartnäckige Dopingvorwürfe angesprochen. Es haben eben viele Menschen noch immer nicht verinnerlicht, dass Jan Ullrich längst nicht mehr für die Telekom fährt.

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