Islam Raus aus der FabrikSeite 3/3
Es gibt Moscheeprojekte, die dubios finanziert werden. Es gibt welche, hinter denen undurchsichtige Gruppen stehen. Und es gibt welche, die nicht ins städtische Umfeld passen. Die Ehrenfelder Moschee aber kombiniert die Symbolik von Herkunft und Ankunft, deutscher Moderne und islamischer Tradition auf neue Weise. Sie kann ein Magnet fürs Viertel werden.
So scheinen es die politischen Parteien in Köln zu sehen, die sich alle hinter das Projekt gestellt haben – wenn auch die CDU durchaus mit Bauchschmerzen. Die rechtsextreme Bürgerbewegung Pro Köln, gegründet von einschlägigen NPDlern und Republikanern, versucht den Konsens für ihre volksnahe Profilierung zu nutzen. Mit mäßigem Erfolg: Ein Bürgerbegehren scheiterte, weil sich mehr als 7000 der von Pro Köln abgegebenen 23.000 Unterschriften gegen die Moschee als Fälschungen herausstellten.
Die etablierten Parteien müssen sich, da hat Giordano recht, den Vorwurf gefallen lassen, berechtigte Bedenken der Anwohner nicht aufgenommen zu haben, um den fragilen Moschee-Kompromiss nicht zu gefährden. Sie haben die Rechtsradikalen damit erst ins Spiel gebracht. Auch der Bauherr ist zu zögerlich mit den Kölnern ins Gespräch getreten. Warum bloß? Denn Ditib ist nicht irgendein kleiner Moscheeverein, sondern der bundesweite Dachverband von 870 Moscheen. Ditib vertritt einen moderaten Islam und ist eng mit der türkischen Religionsbehörde verbunden. In der Schäubleschen Islamkonferenz gilt Ditib als Pfeiler der Vernunft.
Bekir Alboga, Giordanos Sparringspartner bei dem Streitgespräch, ist Gesicht und Stimme der Organisation. Schon in der Mannheimer Moschee hat Alboga sich einen guten Namen gemacht, indem er als Imam das Gotteshaus für den interreligiösen Dialog öffnete. Der 44-jährige Gastarbeitersohn, der 1980 nach Deutschland kam, engagiert sich seit Jahren gegen häusliche Gewalt, Zwangsheirat und Ehrenmorde. Er lehnt die Burka als unislamisch ab. Alboga vertritt einen auf fromme Innerlichkeit setzenden Sufismus und ist eine treibende Kraft bei der Öffnung der Ditib für die deutsche Öffentlichkeit. Seit Jahren spricht er sich klar und hart gegen Terror im Namen Allahs aus. Bekir Alboga, ein Deutschtürke, der in Heidelberg Islamwissenschaft studierte, hat es nicht verdient, von Ralph Giordano heruntergemacht zu werden, er komme wohl aus »einem Kulturkreis, dem die kritische Methode völlig unbekannt ist«.
Es gibt nicht so viele Verbündete bei der Reformierung und Beheimatung des Islams in Deutschland, dass man einen Modernisierer wie Bekir Alboga derart vor den Kopf stoßen sollte.
- Datum 12.06.2007 - 05:11 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 31.05.2007 Nr. 23
- Kommentare 3
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Afia : Sehr geehrter Herr Lau, erst heute las ich Ihren Kommentar zu den Auseinandersrzungen um den Moschee-Bau in Köln und den Äußerungen von Ralf Giordano.Ich bin Ihnen sehr dankbar für das, was Sie geschrieben haben und möchte es am liebsten an Herrn Giordano weiterleiten,denn es ist mir kaum möglich, ihm sachlich zu antworten.Er war mal eine moralische Instanz für mich...Wir brauchen viele Menschen wie Sie, die die Chance haben, gehört zu werden.Die Medien müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein,mitzuhelfen,dass der Islam nicht immer weiter zum Feindbild stilisiert wird- so, wie Sie es in Ihrem Kommmentar gemacht haben. Danke
Rita Sasse
Den überdimensionierten Moscheebau in Ehrenfeld mit den Synagogen des 19. Jahrhunderts und deren stilistischen Merkwürdigkeiten gutzuheißen ist etwas unglücklich- die Juden in Deutschland hätten aufgrund der ständigen Anfeindungen gegen sie allen Grund gehabt, die "Integration zu verweigern"- sie haben es nicht getan, ganz im Gegenteil. Und der Islam? Erstaunlich, wie man eine giganteske Moschee als Zeichen der Integrationsbereitschaft sehen kann, wenn gleichzeitig vor allem die Frauen und Kinder muslimischer Familien kaum deutsch können, sich Parallelgesellschaften auftun, und man zwar wegen jedem Mist beleidigt ist, aber Statements gegen Ehrenmorde wenn, dann nur halbherzig kommmen und immer gleich einen wiederrum beleidigten Unterton haben. Das Bauen einer Moschee ist kein Zeichen von Integrationsbereitschaft. Da gäbe es vieles, was geeigneter und glaubwürdiger wäre. Zum Beispiel eine Teilnahme an der Trauerfeier für Hatun Sürücü. Oder: die Moschee wird von der Ditib gebaut- wieso setzen sich die in Deutschland lebenden Gläubigen der Ditib-Gemeinden nicht dafür ein, daß Christen in der Türkei wirklich gleichberechtigt werden? Den christlichen Kirchen werden dort überall Steine in den Weg gelegt. Und sich dann wundern, wenn hier Widerstand gegen Moscheen wächst?
Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt.- Thomas Mann
Der Autor schrieb, dass die Erlaubnis zum Bau einer Moschee vorrangig eine Frage der Religionsfreiheit sei.
Diese Erkenntnis ist falsch. Der Islam ist weitaus mehr als nur eine Religion. Er ist auch Politik sowie Gesetz (Scharia).
Die Religionsfreiheit des Grundgesetzes basiert auf einem Verständnis, bei der Staat und Kirche getrennt sind. Früher war dies auch in unserem Land anders, gab es doch das Kirchenrecht. Islamische Länder sind heute noch auf diesem Stand. Beides gleichzusetzen ist ein gravierender Fehler, Herr Lau.
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