Die Zeiten sind hart, das treibt die Menschen zueinander - sie helfen sich, wo sie nur können. An diesem Satz stimmt nur der erste Teil außer im Fernsehen. Dort wird geholfen, dass es eine reine Freude ist.

Kein Tag vergeht, an dem nicht auf einem Sender gezeigt wird, wie Menschen unterstützt werden. Am hilfsbereitesten zeigt sich der Privatsender RTL: Der richtet Wohnungen hübsch ein (Einsatz in vier Wänden) - schult im Umgang mit Geld (Raus aus den Schulden) - erzieht die Kinder (Die Super Nanny) - vermittelt Lebenspartner (Schwiegertochter gesucht). Die Zuschauer wollen das tatsächlich sehen, und viele wollen seit einem Monat auch Helfer mit Herz sehen, mit der Moderatorin Vera Int-Veen: in der sogenannten Zielgruppe erreicht die Sendung Quoten von über 17 Prozent. Worum geht es da eigentlich?

Es geht, kurz gesagt, um alles: In jeder Folge besucht Int-Veen Familien, die einmal glücklich waren, aber durch Unfall, Feuer oder Tod nicht mehr wissen, wie es weitergeht, und lindert das Leid. Und weil dieses Konzept so erfolgreich ist, startete RTL2 vor drei Wochen die gleiche Sendung: Dort heißt Helfer mit Herz nun Engel im Einsatz und Vera Int-Veen heißt Verona Pooth, und die besucht Familien, die einmal glücklich waren, aber durch Unfall, Feuer oder Tod nicht mehr wissen, wie es weitergeht, und lindert das Leid. Hat das Privatfernsehen endlich ein neues Erfolgsformat gefunden? Nein, die Idee ist alt, heißt Help TV und kommt aus England.

Und wenn man jetzt einmal die berechtigte Kritik beiseite lässt, dass mit dem Leid anderer Leute Quote gemacht wird, dann verwundert vor allem eine Sache: Warum schauen sich Menschen eine Sendung an, deren Ende immer gleich ist? Funktionierte Fernsehen nicht einmal anders?

Schalteten wir früher nicht ein und schauten vor allem deshalb weiter , weil wir wissen wollten, wie es ausgeht?

Wahrscheinlich sind die Zeiten wirklich hart. Zu hart für Überraschungen. Aber wer lindert das Leid der Fernsehzuschauer?