Eigentlich hätten sich sämtliche französischen Fernsehstationen um das ungewöhnliche Gipfeltreffen reißen müssen. Doch alle winkten ab, nur der Bezahlsender Canal Plus zeigte Interesse am Koalitionsmanöver, das die sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal mit Zentrumsführer François Bayrou kurz vor der Stichwahl startete. Dass am Ende auch der Privatkanal einen Rückzieher machte, hatte einen triftigen Grund: Die Kampagnenzentrale von Nicolas Sarkozy, so berichtet Le Monde, habe bei allen wichtigen Sendern gegen die Publizität für die Nebenbuhler interveniert. Am Ende übertrug nur eine kleine Station die historische Begegnung. Das Wahlergebnis eine Woche später ist bekannt.

Selbstverständlich dementieren Sender und Sarkozys Mannschaft jede Einflussnahme. Und vermutlich hätte auch eine massenwirksamere Präsentation des Minigipfels nichts am Erdrutschsieg des neuen Staatspräsidenten geändert. Doch der Protest gegen die »Einschüchterungen und Drohungen« (Bayrou) durch Sarkozys »medial-finanzielles Netzwerk« (Royal) hat auch nach der Wahl nichts von seiner Schärfe verloren.

Jüngstes Beispiel: Direkt nach seiner Wahl verbrachte der neue Präsident einen Luxusurlaub auf einer Yacht vor Malta, den ihm der bretonische Industriemilliardär Vincent Bolloré spendiert hatte.

Entgegen der öffentlichen Empörung gab das Meinungsforschungsinstitut CSA Entwarnung: 65 Prozent der Franzosen fänden nichts Skandalöses an dieser Einladung. In der Tat war die Spritztour des frisch Gekürten Ansichtssache aber kaum die Tatsache, dass das Umfrageinstitut CSA zum Bolloré-Imperium gehört und in dieser heiklen Angelegenheit vielleicht nicht ganz unbefangen war.

»Nie verfügte ein Politiker über einen derartigen Fundus von medialen Beziehungen und Sympathien«, urteilte das linke Wochenmagazin Marianne kurz vor der Wahl über Sarkozy und die Medienmagnaten und bekam dafür gleich eine Kostprobe, wie der Angesprochene auf solche Kritik reagiert. » Ich weiß, was ich im Élysée bald mache«, erklärte der Kandidat in kleiner Runde: »Ich werde mich persönlich um Jean-François Kahn kümmern.« Kahn ist Herausgeber von Marianne. In seiner Redaktion reagiert man derweil gelassen. » Um uns machen wir uns keine Sorgen«, sagt Marianne-Chef Maurice Szafran. » Uns beunruhigt eher die Art der Berichterstattung anderer Medien über den Wahlkampf das erinnert an die Sowjetunion 1950.«

Ob als Trauzeugen oder Freunde Sarkozy kennt die Medienmanager

Die breite mediale Hingabe an den Präsidenten ist in Frankreich ein Novum. De Gaulle wurde regelmäßig niedergeschrieben, auch Mitterrand hatte dauernd die Hersant-Presse (Le Figaro) gegen sich, und Chirac stand vollends unter Beschuss von linken wie rechten Medien. Anders ergeht es Sarkozy, der selbstbewusst verkündet: »Ein Journalist, der mich kritisiert, ist ein Journalist, der mich nicht kennt.« Doch schon lange wecken die Gefälligkeiten zwischen Präsident und Pressefürsten den Argwohn vieler Franzosen. Mal sind es Aufmerksamkeiten wie beim Journal du Dimanche, das jüngst einen Bericht darüber kippte, dass Sarkozys Ehefrau Cécilia sich bei der Stichwahl enthielt. Mal sind es Personalopfer wie 2006 der Sturz des Paris-Match-Chefredakteurs Alain Genestar, der mit einer Titelgeschichte über einen Seitensprung Cécilia Sarkozys zwar einen Auflagenrekord von 900000 Exemplaren erzielte, aber dennoch »aus wirtschaftlichen Gründen« gefeuert wurde.