Es ist schon sehr merkwürdig, wenn sich zwei Deutsche im Ausland treffen, noch dazu, wenn sie als Fußballer gegeneinander antreten. Während des Spiels konzentriert man sich nur darauf, für den eigenen Verein das Optimale rauszuholen, da spielen freundschaftliche Gefühle keine Rolle. Man gibt alles, um zu gewinnen. Mit Inter Mailand haben wir dieses Spiel gegen den AS Rom klar mit 3:0 gewonnen. Man sieht das auf dem Foto ja auch: Rudi war richtig sauer und schwer zu trösten, weil seine Mannschaft verloren und er kein Tor erzielt hatte.

Mit Rudi Völler hatte die Sache noch eine ganz spezielle Komponente: Wir waren ja in der Nationalmannschaft Partner im Sturm. Wir wussten um die Stärken und Schwächen des anderen und wir haben darüber auch mit den Trainern unserer Vereine gesprochen. Sobald wir in der Nationalmannschaft zusammentrafen, verstanden wir uns blind.

Das Spiel auf dem Foto fand in einer für uns sehr bedeutenden Saison statt, 1989/90. Bei diesem Trikottausch am 1. Oktober 1989 ahnten wir allerdings noch nicht, dass uns drei wichtige Dinge einmal sehr berühren würden: Kaum sechs Wochen später fiel in Deutschland die Mauer, nicht einmal ein Jahr später wurden wir gemeinsam in Italien mit Deutschland Weltmeister, und schließlich wurde ich Rudis Nachfolger als Nationaltrainer. Hätte man uns das damals gesagt, wir hätten denjenigen für komplett verrückt erklärt!

Wie viel Zeit seit der Aufnahme des Bildes vergangen ist, sieht man auch daran, dass sich die Unterhemdenmode seither doch etwas weiterentwickelt hat. Ja, und das Haar, das trug man damals wohl so.

Eines aber ist uns beiden geblieben: die Liebe zu Italien. Wer einmal dort gelebt hat, weiß, wovon ich spreche.