Doping-Skandal Eine Spirale ohne Ende
Wie Insulin beim Dopen hilft und andere Fragen zur Leistungsoptimierung
Warum ist Epo beliebt? Wie gefährlich ist es?
Der Erfolg hat drei Gründe: Erstens steigert Erythropoietin (Epo) die Ausdauer effektiver als andere Substanzen. Es regt die Bildung von roten Blutkörperchen an. Das erhöht die Sauerstoffkapazität des Bluts massiv. Zweitens ist das gentechnische Präparat aus der Therapie von Nieren- und Krebskranken fast identisch mit dem natürlichen Hormon. Deshalb war Epo lange nicht nachweisbar. Drittens: Kontrolliert eingesetzt ist Epo relativ sicher. Die Zähigkeit – der Hämatokrit – des Bluts nimmt zwar zu, aber unter medizinischer Kontrolle ist die Gefahr von Thrombosen oder einem Infarkt nicht wesentlich erhöht.
Was unterscheidet Blut- von Epodoping?
Der Effekt ist etwa der Gleiche: Die Zahl der roten Blutkörperchen wird erhöht, das Blut kann mehr Sauerstoff transportieren. Mit Epo geht das per Injektion. Blutdoping ist aufwendiger: Man benötigt angereichertes Blut. Das kann Fremdblut sein, sogar Tierblut wurde schon benutzt, meist aber spendet der Sportler sich die roten Blutkörperchen selbst. Bis zu ein Liter Blut wird abgezapft, oft nach einem Höhentraining. Vor dem Tag X bekommen die Sportler ihr Blut oder die daraus gewonnenen Erythrozyten zurück. Doping mit Eigenblut ist nicht nachweisbar.
Stellen Eigenblut, Hormone und Insuline das noch größere Problem als Epo dar?
Körpereigenes und gentechnisch hergestelltes Epo unterscheiden sich chemisch nur minimal, aber dieser winzige Unterschied – ein Zuckeranhängsel des Moleküls – kann mit einem neuen Test aufgespürt werden. Eigenblut, Wachstumshormone und Insulin dagegen stellen die Analytik weiter vor kaum lösbare Aufgaben: Für die beiden letzteren werden wohl erst 2008 Routinetests verfügbar sein. Allerdings wird es bald neue Epo-Produkte auf dem Markt geben, die nicht nachweisbar sind. Doping bleibt ein Thema.
Zuckerkranke brauchen Insulin. Warum benutzen es auch Sportler?
Je mehr Zucker (Glukose) ein Athlet im Wettkampf freisetzen kann, desto größer wird seine Leistung sein. Freier Zucker im Blut ist allerdings auch gefährlich, ab einer gewissen Konzentration schädigt er Nerven, Organe und Gefäße. Insulin spielt eine zentrale Rolle in der Regulation des Blutzuckers, es veranlasst Muskeln und Leber, nicht benötigte Glukose aus dem Blut zu speichern. Ausdauersportler können ihre Zuckerspeicher daher auf das bis zu Zwölffache aufstocken, wenn sie sich parallel Insulin und Glukoselösung spritzen. Darüber hinaus hat Insulin als Hormon auch anabole Wirkungen, es konsolidiert unter anderem den Muskelzuwachs durch Wachstumshormone oder die klassischen Anabolika.
Kann man Präparate beliebig kombinieren?
Nein! Die verbotenen Substanzen sind fast ausnahmslos Medikamente. Nahezu jedes Medikament wechselwirkt mit anderen Stoffen. Eine Substanz kann die Effekte bestimmter Präparate aufheben, sie verstärken oder gar lebensgefährliche Reaktionen auslösen.
Braucht man fürs Doping einen Arzt? Es heißt, dass sich viele Sportler selbst dopen.
Im Amateurbereich hat eigenmächtiges Doping, vor allem im Kraftsport, schon zu schweren Komplikationen geführt, zum Teil mit tödlichem Ausgang. Substanzen wurden wahllos miteinander kombiniert und in falschen Mengen eingesetzt. Wer effektiv dopen will, kommt ohne Arzt nicht weit. Im Minimum muss der Plan für das Doping mit Fachkenntnis erstellt werden, die Applikation können nach einer entsprechenden Einweisung auch Pfleger oder die Sportler selbst übernehmen.
Gibt es schon Gendoping?
Eher unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Die Idee kommt aus der Gentherapie, einem Forschungsfeld der Medizin, das auch für Doping interessant sein könnte. Bislang hatte die Forschung aber noch wenig Erfolg zu vermelden – stattdessen kam es im Rahmen von Studien wiederholt zu tödlichen Zwischenfällen. Gendoping wäre daher mit so extremen Risiken behaftet, dass es sinnvoller erscheint, sich vorläufig auf klassische Methoden zu verlassen.
Ist systematisches Doping im Fußball möglich?
Ja. Zwar kommt es dort nicht allein auf die physische Leistungsfähigkeit der Spieler an – wer keine Tore schießen kann, dem hilft es wenig, wenn er wie ein Wiesel auf dem Spielfeld herumrennt. Aber Spieler, die ihr Talent auch in der 90. Minute noch körperlich umsetzen, kann jedes Team sehr gut gebrauchen.
Wie führt der Bund den Kampf gegen Doping?
Der Etat der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) kommt überwiegend aus dem Bundeshaushalt – 1,4 Millionen Euro. Damit gibt Deutschland weniger für den Kampf gegen Doping aus als die Schweiz oder Finnland.
Wann gibt es ein Anti-Doping-Gesetz?
Im Juli soll es den Bundestag passieren. Vielen Kritikern geht es nicht weit genug. Blutdoping zum Beispiel soll straffrei bleiben. Und Sportler, die mit Dopingmitteln erwischt werden, haben nur etwas zu befürchten, wenn es sich um »nicht geringe Mengen« handelt. Den Besitz einer einzigen Medikamentenschachtel unter Strafe zu stellen, sei schwierig, heißt es im Bundesinnenministerium: Wann ist ein Medikament notwendig, wo beginnt der Missbrauch?
- Datum 10.07.2008 - 10:59 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 31.05.2007 Nr. 23
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