Doping-Skandal Rezepte für den SiegSeite 3/3

Fährten zu verfolgen hat Schäfer genug. Im selben Gebäudetrakt des Freiburger Klinikums konnten die Sportmediziner sich bei ihren Kollegen in der Nephrologie über die Risiken und Nebenwirkungen von Epo und anderen Peptidhormonen erkundigen – dort helfen diese Substanzen täglich, Patientenleben zu retten. Die Onkologen nebenan kennen reichlich zellfördernde und zellhemmende Wirkstoffe, darunter potenzielle Dopingmittel. Manche Medikamente für die Chemotherapie bremsen den Appetit, eine erwünschte Nebenwirkung für Radfahrer, die beim Nahen der Rennsaison hastig ihren Winterspeck loswerden wollen.

Zudem will Schäfer klären, woher die geständigen Dopingärzte ihre Medikamente bezogen. Etwa auch aus der Apotheke des Klinikums? Und flossen Gelder der Universität und Drittmittel in Doping? Immerhin sponsert die Telekom nicht nur ihr Radteam, sondern hat auch die Freiburger Sportmedizin direkt mit einer Stiftung unterstützt. Die Universität will die sportmedizinische Forschung ihres Klinikums von einer externen Kommission evaluieren lassen, deren Besetzung die Deutsche Forschungsgemeinschaft bestimmen soll.

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Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass in Freiburg systematische Dopingforschung betrieben wurde. Die wissenschaftliche Pionierarbeit zur leistungssteigernden Wirkung von Epo, an der sich der gesamte Berufsradsport orientiert, wurde in Italien gemacht, von Ärzten wie Francesco Conconi und Michele Ferrari.

In der Freiburger Sportmedizin zeigen sich jetzt die typischen Muster von Skandaleindämmung: Man distanziert sich von den gefallenen Kollegen. So verlangt der Arzt Olaf Schumacher eine »differenzierte Betrachtung« des Skandals. Er zieht seine Habilitationsschrift über ein Antidopingthema aus dem Regal und betont, dass er selbst keine Profis, sondern nur Nachwuchs- und Bahnradfahrer betreue, bei denen Doping »sinnlos« sei. Dennoch ist auch er nun öffentlich unter Verdacht geraten, Epo-Doping zumindest gedeckt zu haben. 2004 zeigte sein Schützling Christian Lademann, ein ehemaliger Bahnweltmeister, auffällige Blutwerte.

Wenn die Freiburger Uni-Ärzte das chemische Tuning ihrer Radsportschützlinge derart intensiv betrieben haben, fällt der Verdacht auch auf andere Sportarten. Die Freiburger Sportmedizin betreute Wintersportler, Tennisprofis, Leichtathleten und den Fußballverein SC Freiburg. Athleten verschiedenster Disziplinen sind jetzt davon betroffen, dass die Universitätsleitung die Betreuung von Kadersportlern stoppte. Aber es gibt keine Hinweise, dass in anderen Sportarten so exzessiv gedopt wird wie im Radsport. Im Tennis und Fußball sind bisher nur Einzelfälle von Medikamentenmissbrauch bekannt.

Die Berufsradfahrer sind eine verschworene Gemeinschaft, mit einem starren Ehrenkodex. Wenn während des Rennens einer von ihnen urinieren muss, wird gewartet. Sogar als Armstrong und Ullrich sich am Berg um den Tour-Sieg duellierten: Als der eine hinfiel, wartete der andere. Die Zimmergemeinschaften während der Rundfahrten gleichen fast langjährigen Ehen. Man redet über alles, auch über Doping, untereinander. Nach außen deckt das Kollektiv der Schweigenden noch immer chemischen Betrug, aber allmählich beginnt es zu bröckeln. Erst wenn Ehrensache wird, die Betrüger bloßzustellen, hat der Radsport eine Chance, sich zu reinigen. Die Fahrer selbst haben es in der Hand.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 31.05.2007 um 11:37 Uhr

    wobei Doping in allen Sportarten präsent ist. Mit Außnahmen von Schach und Curling, etwa.
    Nebenbei: schon damals, zu DDR Zeiten, nannte mans Deutsche Doping Republik... Unter Anderem.

  1. sind die Medienvertreter und die breite Öffentlichkeit.

    Natürlich hat niemand das systematische Doping bemerkt. Es ist ganz normal, wenn Radsportler 5 Stunden mit mehr als 40 km/h über anspruchsvollste Strecken fahren. Es ist ganz normal wenn Jugendliche bei Olympischen Spielen akrobatischste Kunststücke an allen möglichen Geräten vorführen. Es ist ganz normal, wenn Knochenbrüche aller Art binnen kürzester Frist ausheilen und die betroffenen Gelenke Höchstbelastungen ausgesetzt werden. Es ist normal, daß Sportjournalisten die Publikumslieblinge hochjubeln und im Fallen nachtreten. Es ist normal, daß abgehalfterte Politiker in Sportverbänden das Licht der Öffentlichkeit suchen, um die letzten Strahlen der Prominenz zu erhaschen.

    Panem et circenses ist normal. Das wussten schon die alten Römer.

    Aber, ob der Innenminister, der den Lagernachbau von Heiligendamm zu vertreten hat, gedopt ist - danach fragt keiner.

    korfstroem

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