Ihr Griff zur Packungsbeilage war richtig – da sollte nämlich drinstehen, ob die Einnahme des Mittels mit Milch oder Fruchtsäften die Wirkung verändert. Der generelle Ratschlag "Keine Milch mit Antibiotika" ist nämlich nicht besonders sinnvoll. Interessanterweise findet man diese Warnung sehr häufig im deutschsprachigen Internet, aber selten im englischsprachigen – da führt die Kombination von antibiotics und milk meist zu Seiten, die vor Rückständen in der Kuhmilch warnen.

Weil ich im Netz die entsprechende Warnung einer Mitarbeiterin des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte gelesen hatte, habe ich bei diesem Institut nachgefragt. Und dort steht man "einer generellen Warnung vor der gleichzeitigen Einnahme von Antibiotika mit Milchprodukten eher kritisch gegenüber", wie Pressesprecher Thomas Grüger sagt. Er schätzt, dass sich weniger als 15 Prozent der oralen Antiinfektiva schlecht mit Milch vertragen (das Wort "Antibiotikum" meidet der Profi). Betroffen sind Tetrazykline (wie Doxycyclin und Minocyclin) und einige Fluorchinolone (insbesondere Ciprofloxacin und Norfloxacin).

Diese Stoffe bilden mit den Kalziumionen in der Milch Komplexe, quasi kleine Kügelchen, die zu dick sind, um die Darmwand zu durchdringen. Statt ins Blut zu gelangen, wird die Arznei verdaut und wirkt dann nicht. Ganz auf Milchprodukte muss man bei diesen Medikamenten nicht verzichten – es reicht, wenn etwa zwei Stunden zwischen Milch- und Medizineinnahme verstreichen.

Die meisten Antibiotika, die standardmäßig bei Infektionen der Atem- und Harnwege verschrieben werden, fallen nicht unter diese Gruppe. Auch Penicillin hat keine negativen Wechselwirkungen mit Milch, übrigens auch nicht mit Alkohol – abgesehen davon, dass man generell bei Einnahme von Medikamenten am besten auf Alkohol verzichtet. Christoph Drösser

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