Ludwig XIV. von Frankreich, der Sonnenkönig, gehört zu den widersprüchlichsten Figuren auf dem französischen Thron: Er war ein liebevoller und fürsorglicher Vater seiner Kinder, auch und gerade der unehelich geborenen, gleichzeitig konnte er Höflinge, die ihm zeitweise nahegestanden hatten, über Nacht fallen lassen, jahrelang einsperren oder verbannen. Er war, wie Uwe Schultz in seiner neuen Biografie berichtet, ein harter Arbeiter mit fest geregeltem und eisern durchgehaltenem Pensum, gleichzeitig verschwendete er Unsummen für das Prestigeobjekt Versailles, bei dessen Bau Hunderte von Arbeitern umkamen.

Der 1638 geborene Ludwig erlebte seinen Vater Ludwig XIII. als machtlosen König, der sich mehr um die Jagd kümmerte als um das Wohl des Landes. Als Elfjähriger musste Ludwig mit seiner Mutter fliehen, weil Teile des Hochadels, darunter der Bruder des Königs, gegen die Regentin konspirierten und das Volk gegen die Monarchie aufhetzten.

Schultz macht deutlich, dass die Erfahrung dieser Machtlosigkeit den später absolutistisch regierenden Ludwig zeitlebens prägte. Er tat alles, um den Schwertadel (noblesse dépée) von verantwortlichen Stellen in Politik und Militär fernzuhalten und den Amtsadel (noblesse de robe) aus zumeist bürgerlicher Herkunft nach Kräften zu fördern und mit üppigen Dotationen in seine Abhängigkeit zu bringen. Das Misstrauen gegen den Hochadel und das Bedürfnis, sich an diesem zu rächen, reichte so weit, dass er fünf seiner unehelichen Kinder legitimierte und mit Altadligen verheiratete.

Als sein Vater 1643 starb, war Ludwig erst fünf Jahre alt. Das Land regierten seine Mutter Anna von Österreich und Kardinal Mazarin (1602 bis 1661), der Kardinal Richelieu (1585 bis 1642) als »starken Mann« in der Regierung abgelöst hatte. Mazarin war auch für die Erziehung Ludwigs zuständig. Die Unsicherheit im Staat war damit nicht beseitigt. Der Widerstand des Adels bis hin zum Aufstand des Volkes richtete sich vor allem gegen neue Steuern, die das Land brauchte, das seit dreizehn Jahren mit Spanien Krieg führte. Das Pariser Parlament erklärte Mazarin 1649 zum »Feind des Königs und des Staates«. Er musste zusammen mit der königlichen Familie fliehen, die erst 1653 zurückkehren konnte. Zwar wurde Ludwig 1654 zum König gekrönt, aber das Sagen hatte weiterhin Kardinal Mazarin, der »Großmeister der politischen Winkelzüge«, wie Schultz ihn nennt.

Mazarin brachte eine Allianz mit dem Königsmörder Cromwell gegen Spanien zustande und arrangierte die Hochzeit zwischen Ludwig XIV. und der spanischen Infantin Maria Teresa, womit es nach 24 Jahren Krieg 1659 endlich zum Frieden kam. Mazarin war nicht nur ein Intrigant, sondern auch äußerst geschickt bei der Bereicherung. Als er 1661 starb, hinterließ er ein Vermögen von 36,6 Millionen Livre was etwa ein Drittel des jährlichen Staatshaushalts ausmachte. Ihm folgte als Staatsrat Jean-Baptiste Colbert (1619 bis 1683) ein nicht weniger geschickter Aufsteiger aus dem Bürgertum, der die heimische Wirtschaft mit hohen Zöllen vor der Konkurrenz schützen wollte.

Erst 1661 wurde Ludwig XIV. wirklich zum König und verkündete, nun sofort so zu regieren, »dass jeder die Überzeugung habe, dass ich der Herr bin«. Auf diesem Satz beruht wohl, wie Schultz belegt, die Legende, der zufolge Ludwig gesagt haben soll: »Der Staat bin ich« (»LÉtat, cest moi«). Mit einem glänzenden Hoffest 1662 feierte Ludwig XIV. sich selbst als unumschränkten Herrscher.

Uwe Schultz zeigt, wie Ludwig XIV. auf der Basis von dubiosen Rechts- und Erbansprüchen in den Niederlanden, im Elsass, in der Pfalz und vor allem in Spanien reihenweise Kriege vom Zaun brach, mit denen eine vermeintlich rechtmäßige »Wiedervereinigung« von Frankreich mit »verlorenen« Territorien erreicht werden sollte. Dauerhaft gelang das nur für das Elsass und die Franche-Comté.