Wer wissen will, wie es um die Moral im Profisport bestellt ist, muss nach Italien schauen. Dort endet an diesem Sonntag der Giro dItalia, das zweitwichtigste Radrennen der Welt. Auf die Frage, was er von den spektakulären Dopinggeständnissen seiner deutschen Kollegen halte, antwortet der Favorit Danilo Di Luca: »Ich verstehe gar nicht, wieso die jetzt, nach zehn Jahren, plötzlich auspacken.«

Der moderne Spitzensport lässt wenig Raum für Illusionen.

Fußballspieler wechseln für zweistellige Millionenbeträge den Besitzer. TV-Anstalten bestimmen beim Skispringen den Ablauf - die Sendezeit ist programmiert. In allen Disziplinen flicken Mediziner verletzte Athleten in Rekordzeit wieder zusammen. Der Sport ist eine Ware, und das Kapital muss Rendite bringen.

Auch der Betrug gehört zum Wettbewerb, hinnehmen muss man ihn deswegen noch lange nicht. Zu finster ist das »System Doping« (Spiegel), das sich nun im Radsport offenbart. Da gibt es zum Beispiel den hoch angesehenen Sportarzt Wolfgang Huber, der sich seit Jahren in der Nationalen Anti-Doping-Agentur engagiert. Und der nun einräumen muss, dass er Juniorenfahrern selbst Testosteron verabreicht hat. Und da gibt es den Tour-de-France-Sieger von 1996, Bjarne Riis, der die Einnahme von Epo gesteht und im selben Atemzug beharrt, er sei »stolz« auf das, was er als Sportler geleistet habe.

Täter ohne Reue, Ärzte ohne Moral, eine Branche ohne Schuldbewusstsein: Man ahnt, wie schwierig es werden wird, den Kampf gegen das Doping in einer derart verseuchten Sportart zu führen. Muss man ihn überhaupt führen? Und wenn man ihn führt, kann man ihn jemals gewinnen?

Die Frage erledigt sich mit einer Gegenfrage: Was wäre denn die Alternative?

Die Argumente für eine Freigabe des Dopings mögen vordergründig plausibel klingen. In Wahrheit sind sie zynisch. Die Befürworter einer Freigabe sagen, es sei schwierig, die Grenze zwischen medizinischer Betreuung und medizinischer Manipulation zu ziehen. Im Übrigen sei es nur fair, wenn allen erlaubt sei, was viele ohnehin schon tun.