Unterricht
Die Krise der kleinen Männer
Jungen sind die neuen Sorgenkinder des Bildungssystems. Sie kommen mit den veränderten Anforderungen der Schule schlechter zurecht als Mädchen. Getrennter Unterricht könnte beiden Geschlechtern helfen.
Wer den Boden berührt, hat verloren. In einem Kreis liegen Kissen, die Jungen springen von einem zum nächsten. David (Namen der Kinder geändert) scheidet als Erster aus. Als Zweiter tritt Marco daneben. Und anders als sein Klassenkamerad kommt er damit nicht zurecht. Marco will keine Regeln. Marco springt vom Pult. Er wackelt mit den Hüften, singt Sexy girl dazu. Marco schlägt, setzt sich allein in die Ecke, weint. Eben noch markierte der siebenjährige Junge den starken Mann, nun versteckt er sich hinter dem Vorhang. Die Klassenkameraden spotten: »Tauschen wir Marco doch gegen ein Mädchen.« Das sitzt.
Gefühle sind immer im Spiel, wenn Ayhan Tasdemir Jungenstunde hält. Jeden Mittwochmorgen widmet sich der Sozialarbeiter Tasdemir den schwierigen Jungen aus der Klasse 1a. Während ihre Klassenkollegen Sachunterricht haben, schulen Tasdemirs Schützlinge mit speziellen Übungen ihre Konzentrationsfähigkeit und ihren Teamgeist. Marco ist dabei, der schnell zulangt, sowie Paul, der kaum länger als zehn Minuten still sitzen kann. Tasdemir kündigt die nächste Übung an: »Jetzt machen wir uns stark.« Die vier Erstklässler klopfen sich auf Brust, Arme und Schultern.
Stärke gewinnen – das haben Jungen nicht nur an der Hamburger Rudolf-Roß-Schule nötig. Sie gelten als die neuen Sorgenkinder des Bildungssystems, spätestens seit dem ersten Pisa-Test. Ihre Leseleistungen hinken denen der Mädchen um rund ein Schuljahr hinterher. Sie werden häufiger wegen Unreife vor der Einschulung zurückgestellt. Weniger Jungen als Mädchen erreichen das Gymnasium, und weniger schaffen später das Abitur. Dafür landen Jungen häufiger auf der Hauptschule. Zwei Drittel der Sonderschüler und Schulabbrecher sind männlich. Zwar haben in der Berufswelt – noch – weitgehend Männer das Sagen. In der Schule jedoch verschärfen sich die Krisensymptome für die Jungen. War die Verteilung der Sitzenbleiber 1990 noch 50 zu 50, so liegt sie heute bei 62 Prozent zu ihren Ungunsten.
Eltern von Jungen müssen mit besonders viel Ärger rechnen
Die Jungen bleiben zurück. Im Osten Deutschlands ist das ganz wörtlich zu nehmen, wie eine neue Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung deutlich macht. Vor allem junge, gut ausgebildete Frauen verlassen demnach in Scharen die neuen Bundesländer – während Männer mit schlechten Abschlüssen daheim sitzen bleiben. Die Ursache sehen die Autoren in der »erheblichen Benachteiligung der Jungen im Schulsystem«.
Statistisch gesehen, müssen sich Eltern auf Ärger einstellen, wenn es bei der Geburt heißt: »Es ist ein Junge.« Denn egal, ob Schreibabys oder Zappelphilipps, Legastheniker oder Computerjunkies, Söhne beschäftigen die pädagogischen Beratungsstellen weit stärker als Töchter. Später werden Jungen häufiger Opfer von Unfällen, begehen öfter Selbstmord oder werden drogenabhängig. Ihre Deliktrate ist laut dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen achtmal so hoch wie jene der Mädchen.
Viel zu tun also für Leute wie Ayhan Tasdemir. Er gehört zu einer relativ neuen Spezies von Pädagogen, die sich der Jungenarbeit verschrieben haben. An der Rudolf-Roß-Schule kümmert sich der türkischstämmige Mittvierziger vornehmlich um die männlichen Schüler, und zwar keinesfalls nur um die verhaltensauffälligen. Tobespiele auf dem Schulhof oder eine Fahrradwerkstatt gehören ebenso zu seinem pädagogischen Angebot wie Gärtnern und Kochen. Das Prinzip ist stets dasselbe: Die Jungs bleiben unter sich.
Zur Belohnung gibt es ein Haushaltsüberlebenszertifikat
Mädchen genossen dieses Privileg an der Rudolf-Roß-Schule bereits früher. Sie verfügten über einen Rückzugsraum, erhielten eigenen Computerunterricht. »›Und wir?‹, fragten sich irgendwann die Jungs«, erinnert sich Tasdemir. Auch den Lehrern, sagt Schulleiter Jan Baier, sei aufgefallen, dass »eher die Jungen Probleme machen«. Heute haben auch sie drei Zimmer, zu denen nur sie und ihre Geschlechtsgenossen Zutritt haben. »Auch wenn sie sich stark geben, sind viele Jungen unsicher«, sagt Tasdemir, »das versuchen sie mit auffälligem Verhalten zu kompensieren.« In einem Schutzraum falle es seinen Schützlingen leichter, den Coolness-Druck abzulegen.
Außerhalb der Schule hat man die neue Zielgruppe bereits vor geraumer Zeit entdeckt. Streetworker veranstalten Anti-Gewalt-Programme für männliche Jugendliche. Verlage versuchen Pubertierende mit besonderen Literaturreihen (Für Mädchen verboten) zum Lesen zu bringen. Sogenannte Genderbeauftragte machen Jungen das Waschen und Putzen schmackhaft. Zur Belohnung für einen Kurs vergibt die Gleichstellungsstelle Bitburg ein »Haushaltsüberlebenszertifikat«.
Nun ist auch an den Schulen die Zeit der reinen Mädchenförderung vorbei, »Geschlechtergerechtigkeit« sei das Gebot der Stunde in deutschen Lehranstalten, sagt die schleswig-holsteinische Bildungs- und Frauenministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD). Das bayerische Schulministerium hat einen »Arbeitskreis Bubenförderung« eingerichtet. Inzwischen ist es beim Verfassen neuer Schulprogramme und Lehrpläne in ganz Deutschland üblich, dass die Autoren nicht nur die speziellen Bedürfnisse von Schülerinnen erwähnen, sondern ebenso die ihrer männlichen Altersgenossen. Schwierige Jungs seien nicht allein ein Problem der Unterschicht oder von Migranten, sagt der Bielefelder Lehrer Uli Boldt, einer der Pioniere schulischer Jungenarbeit in Deutschland. Die meisten Einladungen zu Vorträgen erhalte er mittlerweile von Müttern von Gymnasiasten. »Die haben Angst, dass ihre Söhne den Anschluss verpassen zum Abitur.«
Natürlich sind Jungen schon immer lauter, dominanter, ja rüpelhafter als ihre weiblichen Klassenkameraden aufgetreten, ohne dass irgendjemand ein pädagogisch behandlungswürdiges Problem darin sah. Im Gegenteil, Präpotenz galt geradezu als Erfolgsstrategie der Jungen. Doch in der modernen Schule haben typisch männliche Tugenden – körperliche Kraft, Durchsetzungsstärke, Überlegenheitsstreben – an Wert verloren. Heute zählen stärker soziale Qualitäten wie Teamgeist, Empathie oder Kommunikationstalent, eher weibliche Attribute also. Auch bei den Ausbildungsplätzen macht sich dies bemerkbar: Während Lehrstellen in typischen Männerberufen wegbrechen, steigt ihre Zahl im Dienstleistungssektor, wo weiche Fähigkeiten (Soft Skills) gefragt sind.
Viele Jungen haben diesen Wandel noch nicht bemerkt. »Ihre Männlichkeitsbilder passen nicht mehr zu den Anforderungen der Schule«, diagnostiziert Jungenforscher Jürgen Budde von der Universität Hamburg. Statt sich wie die Mädchen »unterrichtskonform« zu verhalten, wie es im Pädagogendeutsch heißt, mimen sie vor Freunden weiterhin den wilden Kerl. Gerade im Mikrokosmos Schule ist der Gruppendruck, sich unangepasst (»gut drauf«, »cool«) zu geben, besonders groß. Zugespitzt formuliert: Bei den Kumpeln kommt an, wer provoziert; wer gute Noten hat, gilt als Streber.
Viele Jungenprojekte wollen solchen Stereotypen zu Leibe rücken. An der Gesamtschule Eilpe in Hagen zum Beispiel müssen alle Sechstklässler einen Kurs in Sachen Rollenfindung absolvieren – nach Geschlechtern getrennt. Wenn am Girls Day die Mädchen der Schule ausschwärmen, um typische Männerberufe zu erkunden, bleiben die Jungen nicht wie anderswo in der Schule, sondern lernen die Wirklichkeit in sozialen Berufen kennen. Und alle 14 Tage laden zwei Väter zur Koch-AG.
Die typische Kita ist weiblich. Aber die Kinder brauchen auch Männer
Sascha Denzel setzt noch früher an. Wenn es in der Johanna-Kirchner-Kita in Hamburg-Allermöhe um das Thema Mittelalter geht, versucht der Erzieher Denzel den Steppkes nahezubringen, dass Ritter nicht nur Lanzen, Pferde und Burgen kannten, sondern auch höflich waren und Tischsitten hatten. »Die Jungs interessiert zuerst das Kämpfen«, sagt er, doch daneben will er ihnen »neue Perspektiven eröffnen«: dass ein Junge auch Angst haben oder weinen darf.
Denzel sieht sein Geschlecht heute im Nachteil. Während Frauen verschiedene Lebensentwürfe offenstehen, in Familie wie Beruf, sind viele Männer noch auf ihre traditionellen Rollenmuster festgelegt. »Nehmen Sie die letzte Krippendebatte«, sagt Denzel, »da kamen Männer überhaupt nicht vor.«
Männer als Erzieher – das ist für viele Menschen noch immer schwer vorstellbar. Denzel wird oft gefragt, ob er ein Vater sei oder vielleicht der Leiter der Einrichtung. Nur drei Prozent der in Kitas Beschäftigten sind Männer. Denzel versucht den Mangel mit männlichen Praktikanten auszugleichen. Zudem bietet er spezielle Elternabende für Väter und Väter-Söhne-Wochenenden an.
»Kinder in Kitas brauchen Männer«, sagt Holger Brandes, Direktor des Instituts für Frühkindliche Bildung an der Evangelischen Hochschule in Dresden. Erzieher würden gelassener reagieren, beim Toben später eingreifen und damit den Interessen von Jungen eher entgegenkommen. Die typische Kita aber ist weiblich. Bücher, Spielzeuge und Räume seien eher auf Mädchen ausgerichtet, sagt Sascha Denzel. »Zum Verkleiden sollte es auch Schlipse oder Feuerwehrhelme geben«, fordert der Erzieher.
Verschlechtert die weibliche Übermacht in Kita und Schule die Chancen der Jungen? Eine Studie der Berliner Pädagogikprofessorin Renate Valtin stützt diesen Verdacht. Jungen erhielten bei gleicher Leistung in Deutsch und Sachkunde im Schnitt schlechtere Zensuren als Mädchen, hat Valtin ermittelt. Beim Diktateschreiben machen Jungen weniger Fehler, wenn Begriffe wie Ritter, Dinosaurier oder Fußball auftauchen – doch solche »Jungenwörter« kommen in orthografischen Tests seltener vor.
Doch nicht nur Lehrerinnen beurteilen die Jungen schlechter, sondern auch Lehrer. Ausgerechnet in der Grundschule, wo kaum Männer unterrichten, sind die Leistungsunterschiede zwischen den Geschlechtern am geringsten, während sie in den weiterführenden Schulen (wo das Geschlechterverhältnis ausgeglichener ist) am größten sind. Dass Grundschullehrerinnen also »Jungen nicht adäquat motivieren«, wie die Autoren des Berlin-Instituts schreiben, ist nicht bewiesen. Bislang prägen Vermutungen und Behauptungen die Jungendebatte. Frank Beuster, Autor des Buchs Jungenkatastrophe, behauptet etwa, dass Jungen hohe Frauenstimmen akustisch schlechter verstehen (»Mamataubheit«) und mehr Lob nötig haben als Mädchen. Belege? Keine.
Ohne feminine Ablenkung können Jungen sich besser konzentrieren
Nur spärliche Erkenntnisse hat die Wissenschaft auch über die Wirkungen reiner Jungenklassen – obwohl die Zahl der Schulen wächst, welche die Koedukation aufheben. Die Hagener Gesamtschule Eilpe zum Beispiel teilt die Klassen in den Fächern Technik, Sport und Informatik. Früher ging es in erster Linie darum, die Mädchen besser zu fördern. Inzwischen erhalten auch leseschwache Jungen spezielle Stützkurse.
Für die Mädchen kann sich der getrennte Unterricht durchaus auszahlen. Bleiben sie zum Beispiel im Physikunterricht unter sich, steigt ihre Überzeugung, eine Begabung für das Fach zu haben – eine wichtige Voraussetzung für höhere Lernleistungen. Die Geschlechterkonkurrenz spielt keine Rolle mehr. »Die Mädchen vergessen, dass sie Mädchen sind«, sagt Ursula Kessels von der Freien Universität Berlin.
Eine noch unveröffentlichte Untersuchung des Heidelberger Pädagogen Marc Böhmann legt nahe, dass Gleiches für Jungen gilt. Er beschäftigte sechs Hauptschulklassen – mal gemischt, mal getrennt – mit Literatur. Das Ergebnis: Ohne feminine Ablenkung konzentrierten sich die Jungen besser auf die Bücher, äußerten sich häufiger zu literarischen Figuren. Kaspereien und Machogehabe gingen zurück, das Lernklima verbesserte sich. »Einige Jungen waren wie umgepolt«, sagt Böhmann. Auch bei den Lehrern führte das monoedukative Lehren zu einer »bewussteren Haltung im Umgang mit den Geschlechtern«. Im Jungenunterricht wählten sie häufiger kürzere Texte mit Abenteuercharakter und männlichen Hauptfiguren. Als generelles Argument gegen die Koedukation will Böhmann seine Studie jedoch nicht verstanden wissen. Nur phasenweise – etwa in der Pubertät – und in bestimmten Fächern sei der getrennte Unterricht sinnvoll.
Pädagogen warnen vor Gefahren allzu strikter Geschlechtertrennung. »Es gibt auch Jungen, die keine Abenteuergeschichten mögen, oder Mädchen, die sehr dominant sind«, sagt die Hamburger Erziehungswissenschaftlerin Hannelore Faulstich-Wieland. Statt künstlich zu separieren, verlangt Faulstich-Wieland, die Bedürfnisse beider Geschlechter zu berücksichtigen und verschiedene Lehrstile miteinander zu verbinden. Ein Lehrer, der die gesamte Klasse erreichen will, unterrichtet mal frontal, mal in Gruppen. Er behandelt Jungenbücher ebenso wie Mädchenliteratur. Eine gute Pädagogik hat Jungen und Mädchen im Blick. Egal, ob sie getrennt sind oder zusammen in einem Klassenzimmer.
Weitere informationen im Internet:
http://www.schulministerium.nrw.de/
http://www.jungenarbeit.info/
http://www.neue-wege-fuer-jungs.de/
http://www.genderundschule.de/ira
http://gender.schule.at/
http://www.nfer.ac.uk/
Pro & Contra: Sollen Jungen
und Mädchen getrennt unterrichtet werden?
Ja, sagt der Hauptschullehrer Marc
Böhmann.
Nein, sagt Marianne Horstkemper, Pädagogikprofessorin der Universität
Potsdam.
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- Datum 8.6.2007 - 03:03 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 07.06.2007 Nr. 24
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es ist klar das jungens Enwicklungsstörungen bekommen, ohne männliche Vorbildern in der Schule und in Haushalten als Geiseln für Unterhaltserpressung durch alleinerziehende hysterische selbstverwirklichende Frauen ohne Orientierung.
Jungends haben keine Lobby, für die Politiker sind sie teilweise nur interessant durch die absenkung des Schutzalters für homophile Übergriffe. Da gibt es politisch mehr Iniative als für den Schutz von Knaben vor Schikanen und Erniedrigung an den Schulen.
den ersten Absatz dieses Kommentars kann ich nur voll und ganz unterstreichen. Das ganze " Problem " besteht darin, dass Männer sich aus der gesamten Erziehungsarbeit im großen und ganzen heraushalten. In den Kindergärten sind es nur Frauen, die auch die kleinen Jungen erziehen, da fehlen schon mal gleich die männlichen Vorbilder. Das geht in der Grundschule weiter - bei den weiterführenden Schulen sieht es ein bißchen gemischter aus. Aber das ist ja noch nicht alles. Auch im ehrenamtlichen Bereich - sofern er mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat - sind es wieder nur Frauen, die sich trauen, hier etwas bewirken zu wollen. Ich bin eine alte Frau und habe sehr viel Lebenserfahrung - auch was den gesamten Gleichberechtigungkampf und - krampf betrifft - Bei uns gibt es immer nur " entweder oder " es wird nie sowohl als auch diskutiert. Ich bin jetzt als Lesepatin in einem Kindergarten tätig und engagiere mich für das Projekt " Lesepaten für Hessen ". Die paar Männer, die sich hier unter den ca. 600 von mir betreuten Lesepaten finden, kann ich fast an einer Hand abzählen. Da liegt für mich der Hase im Pfeffer. Männer halten sich aus allem raus, was in irgendeiner Weise Erziehung oder Zuwendung für oder zu Kindern betrifft. Ich werde in nächster Zeit mal eine Pressekampagne starten unter dem Motto " Männer traut Euch... " z.B. als Lesepate aktiv zu werden. Aber eines muss ich zum Schluß auch noch sagen, wenn in unserer Republik nicht hinter jedem Furz ein Psychologe oder ein Pädagoge seinen Senf hinterherschmeißt, dann könnten wir manche gesellschaftlichen Entwicklungen auch gelassener ansehen und wenn nötig verändern.
Der entscheidende Grund für eine Geschlechtertrennung wird in den Artikeln nur angerissen: unabhängig vom Fach wirkt die Gegenwart des jeweils anderen Geschlechtes ab Beginn der Pubertät stark ablenkend. Ich halte das für angeboren und daher nicht aberziehbar.
Bitte beobachten Sie mal eine beliebige Männerrunde, wenn auch nur EINE attraktive Frau dazukommt. Die ganze Gruppendynamik verändert sich. Umgekehrt ist es dasselbe.
Jungen sind in Gegenwart von Mädchen permanent versucht, sich zu produzieren: Unterschwellig laufen ständige Rangkämpfe, wer der Coolste ist (nicht etwa der Klügste). In Gegenwart von Mädchen verwenden Jungs einen erheblich größeren Anteil ihrer Energie auf die Selbstdarstellung. Und das klassisch männliche Balzverhalten ist halt NICHT von der bösen Zivilistation aufgepropft, sondern tief in der Biologie verwurzelt: Dominanz zeigen, Unabhängigkeit zeigen, Führerschaft zeigen. Frauen, nicht nur in der Pubertät, goutieren diese Dinge - der gefühlvolle Softie ist nicht erst seit gestern "mega-out", er war es in Wahrheit schon immer.
Und wie demonstriert man in der Schule Unabhängigkeit? Vor allem Reibung am Lehrer, der natürlichen Autorität in der Klasse. Die Botschaft lautet: Du kannst mich mal. Und niemals darf man dumm aussehen (eine Gefahr, die bei jeder Äußerung im Unterricht mitschwingt).
Das klassische weibliche Balzverhalten hat dagegen kein Problem damit, schwach oder undominant dazustehen. JUNGS STÖRT DAS NICHT, und deshalb arbeiten Mädchen im Unterricht besser mit. Hingegen ziehen sie sich gern in die Passivität zurück, jedenfalls in Fächern, die ihnen nicht liegen - und dazu zählt für viele Mädchen nun einmal vor allem die Mathematik. Nach jahrzehntelanger Emanzipation und Koedukation könnte man sich von der Selbsttäuschung, dies sei nur die Schuld einer falschen Erziehung, mal so langsam verabschieden.
Für beide Seiten hat die Geschlechtertrennung außerdem ähnliche Vorzüge wie die Schulkleidung. Statusssymbole verlieren für die Jungs an Bedeutung, weil der Status selbst weniger im Vordergrund steht. Das gilt fürs schicke Handy genauso wie für die klassische Kippe. Speziell die Mädchen haben nicht mehr das Bedürfnis, sich - klassisch weibliches Balzverhalten - über ihr Äußeres zu profilieren, das Schühchen passend zum Schleifchen oder - noch schlimmer - das bauchfreie Top für Elfjährige.
... Schule einfach nur gelernt. Heute müssen sie pädagogisch betreut werden. Ein krankes System. Warum viele Leute keine Kinder mehr kriegen? Gegenfrage: Würdet ihr in ein Schrottauto einen neuen Motor einbauen?
die buben schickt man zum "bubentag" zum kochen und putzen
sollen sie in zukunft zu hause bleiben und den haushalt erledigen???
das wird schlecht funktionieren, weil frauen kaum nach unten heiraten oder mit männern kinder zeugen, die weniger verdienen und schlechter ausgebildet sind
dass buben schlechtere noten bekommen für die gleiche oder bessere leistung, das war schon immer so, weil sonst weinen die mädchen und das will kein lehrer oder keine lehrerin
die politik macht immer nur halbe sachen jetzt werden eben männer und buben in allen lagen diskriminiert, im zuge der gleichberechtigung
das ist im bereich der bildung, der erziehung, der ärztlichen versorgung (vorsorgeuntersuchungen), bei der erforschung von krankheiten, im arbeitsleben, bei der pension, der landesverteidigung, beim gewaltschutz (männer und buben sind wesentlich häufiger opfer von gewalt als frauen) männer werden sogar noch dazu vom staat gezwungenermaßen zur gewaltausübung ausgebildet (wehrdienst), im bereich der justiz (männer erhalten für die gleichen straftaten höhere strafen)
Danke für diesen guten und wichtigen Artikel! Es kann nicht oft genug darüber gesprochen werden, wie wir unsere Gesellschaft gestalten wollen - und dazu gehört eben auch die Erziehung, und natürlich auch die Erziehung von Jungs.
An einer offenen Ganztagsschule in Krefeld mache ich seit geraumer Zeit 'interessante' Beobachtungen: an dieser Schule gibt es überproportional viele männliche Lehrer und Erzieher; es gibt dort auch sehr viel Raum und auch spezielle Angebote für Jungs - kurz gesagt: das Bewußtsein für die 'Bedürftigkeit der Wahrnehmung von Jungs-Interessen' ist hier gegeben, insbesondere im Nachmittagsbereich.
Und trotzdem: die Mädchen schaffen es immer wieder, den Jungs den Raum streitig zu machen oder durch vermeintlich bessere Leistungen bzw. umgänglicherem Verhalten sich in den Vordergrund zu stellen. Dieses Phänomen ist allen Mitarbeitern bewußt, und doch fällt man immer wieder darauf rein - die eigene Sozialisation läßt sich also nicht so leicht negieren! Da könnte strukturelle Maßnahmen vielleicht helfen.
Mein Plädoyer: Jungs brauchen noch mehr Raum für sich. Warum? Ich bin der Meinung, dass gerade die kleinen Kerle in unserer Gesellschaft geprägt sind vom Widerspruch der wirtschaftlichen Männlichkeit und der versorgenden Weiblichkeit; verstärkt wird dieser Erlebniskonflikt u.a. auch durch die immer weiter wachsende Zahl von alleinerziehenden Müttern - das wird noch eine große gesellschaftliche Herausforderung werden!
Zurück zum Plädoyer: die Jungs brauchen Zeit für ihre eigene Entwicklung; ungestört von 'femininen Reizen' müssen sie die Möglichkeit haben, ihre eigene Rolle bestimmen und ihre eigene Geschlechteridentität finden zu können. Wie kann dieser Raum geschaffen werden? Ich denke, dass der Ansatz vom monoedukativen Unterricht in Teilbereichen sehr gut ist - mitunter denke ich sogar, dass es sinnvoll sein kann, den Unterricht in den ersten 8 Klassen komplett getrennt abzuhalten. In dieser Zeit können sich 'ungestört' - auf beiden Seiten der Geschlechter - Qualitäten und Persönlichkeiten entwickeln; in dieser Zeit kann die Spannung auf etwas Neues heranreifen und sich zu neuen Begegnungsformen wandeln. Dieser Gedanke/Ansatz hat nichts mit konservativ oder ewig gestrig zu tun, ich verstehe ihn als Wertschätzung der Andersartigkeit und wünsche mir, dass die Gleichberechtigung nicht vor Jungs halt macht.
Der Kopf ist rund, damit sich die Richtung des Denkens ändern kann.
Jungen "kommen mit den veränderten Anforderungen der Schule schlechter zurecht als Mädchen" meint der Autor. Irrtum! Jungs - wie später auch Männer - werden systematisch diskriminiert und benachteiligt, deshalb erzielen sie schlechtere Leistungen.
Die Schule hat es über eine Änderung ihrer Ansprüche(!) geschafft, den Anteil von Mädchen, die mit dem System klar kommen zu Lasten der Jungs deutlich nach oben zu schrauben. Der deutschen Wirtschaft, die gerne auch Ingenieusen nähme, hilft das wenig, denn die (nunmehr objektiven) Ansprüche eines solchen Studiums scheint die Schule jetzt nicht mehr ausreichend erfüllen zu können - hier ist nämlich die Absolute Zahl zu niedrig und der Anteil auch nicht wesentlich gestiegen. Eine tolle Leistung!
so ein kleiner Junge ist z.Z. bestimmt so um die 30 Millionen Euro wert. Und was macht man? Lässt ihn frei herumlaufen. Dann lässt man ihn auch noch früh mit Mädchen verkehren. Später ist das natürlich zu fördern, aber was hat das bitte schön in dem Alter für einen Sinn? Steigert es seinen Wert? Nein. Würde er stattdessen in Ruhe lernen können (ohne Mädchen), dann könnten wir seinen Wert von 30 vielleicht auf 40, oder sogar 50 Millionen steigern.
In dem Alter haben Jungs noch keinen Sinn für Geld, was man vielleicht gerade noch entschuldigen kann, aber müssen wir das tolerieren?
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