Gut möglich, dass die Globalisierung mit der Rückkehr Vasco da Gamas aus Indien im Jahre 1499 begann. Damals entwickelte sich erstmals so etwas wie ein globaler Handel und eine globale Arbeitsteilung. Im 19. Jahrhundert schritt die Integration der Weltwirtschaft dann schnell voran. Dampfschiffe und neue Kanäle verbilligten den Warentransport, der Welthandel weitete sich aus, und das Kapital wanderte quer über den Globus. Eine erste Welle des Protektionismus folgte. Doch es bedurfte des Ersten Weltkriegs, um dem Prozess erst einmal den Garaus zu machen. Die nächste Welle begann erst zwei Generationen später, und sie rollt bis heute.

Der Begriff der Globalisierung tauchte in den vierziger Jahren auf, prominent wurde er durch einen Artikel über die Globalization of Markets im Jahr 1983, und in den neunziger Jahren begann der große öffentliche Streit darum. Derweil kam die Entwicklung selbst erst richtig in Schwung. Mehr als zwölf Billionen Dollar im Jahr macht der Welthandel heute aus. Um die eine Billion wird Jahr für Jahr im Ausland investiert. Dazu kommt eine ungleich höhere Summe an Finanzströmen, die vor allem Währungshändler und Spekulanten auslösen. Der Luftverkehr mit Personen und Fracht hat sich seit den fünfziger Jahren mehr als verhundertfacht, und die Containerschifffahrt erlebt einen Boom.

Computer und das Internet vereinfachen den globalen Austausch von Waren, Kapital und Arbeit. Doch auch die Staaten trieben die Globalisierung voran. Welthandelsabkommen sind da nur ein Aspekt im Reigen von Abertausenden internationalen Verträgen. Eine teils fördernde und teils korrigierende Kraft sind NGOs, die etwa den Klimaschutz vorantreiben oder für faire Arbeitsbedingungen in internationalen Konzernen werben.

Zunächst dominierte die Furcht, dass der Westen und vor allem die USA am meisten von der Globalisierung haben. Heute überwiegt die Erkenntnis, dass von China bis Brasilien auch andere davon profitieren. Zu den Gewinnern gehören die rund 300 Millionen Menschen, die – vor allem in China – seit den siebziger Jahren die absolute Armut überwunden haben. Während Globalisierungskritiker zunächst nur die Ausbeutung der Entwicklungsländer anprangerten, ist der Protest heute mehrschichtig. In reichen Ländern wächst die Gruppe, die ihre eigenen Arbeitnehmer vor Billiglohnkonkurrenz und Jobauslagerung schützen will. Gerade in den USA ist ihr politischer Einfluss stärker geworden.

Einiges spricht dafür, dass die Globalisierung nicht ungehemmt weitergeht. Auf allen Erdteilen schließen sich Länder zu regionalen Wirtschaftspakten zusammen – von der nordamerikanischen Nafta bis zur Apec für Asiaten und ihre Nachbarn. Die Verhandlungen der Doha-Handelsrunde, die besonders den Entwicklungsländern zugutekommen sollte, stocken. Bleibt es dabei, vergibt die Welt erst einmal eine Chance auf mehr Wohlstand. Uwe Jean Heuser