Sachsen Leichen im SumpfSeite 2/2

Der oberste Aufklärer weiß es schon vorher: Die Vorwürfe sind falsch

Aus den »Partnerländern« Bayern und Baden-Württemberg kamen halbe Juristenjahrgänge, die sich schon von Trinkgelagen aus Studentenzeiten kannten und jetzt ganze Staatsanwaltschaften und Gerichte übernahmen. Das war die Zeit, als ein Baulöwe namens Dr. Jürgen Schneider Banken, Behörden und Baufirmen foppen konnte und Milliardenverluste anhäufte. Der Leipziger Wohnungsbaugesellschaft LWB kamen mehr als 700 Millionen Mark abhanden, ein Skandal, zu dessen Aufklärung der damalige Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube (SPD) wenig beitrug. Mehrere Morde blieben ungeklärt und tauchen nun in den Akten des Verfassungsschutzes wieder auf. Prozesse endeten mit auffallend milden Strafen.

Als sich später der oberste Korruptionsermittler der Leipziger Polizei der Sache annahm, wurde er suspendiert. Im Mittelpunkt dieses Teilskandals steht ein ehemaliger Leipziger Oberstaatsanwalt, Norbert Röger mit Namen, der 1993 aus Koblenz nach Leipzig gekommen war. Den Verfassungsschutzakten zufolge soll er sich – wie andere Politiker und Juristen – durch Bordellbesuche erpressbar gemacht und später Ermittlungen behindert und Prozesse vereitelt haben. Er selbst äußert sich nicht zu diesen Vorwürfen. Vor sechs Wochen, als die Anschuldigungen intern längst bekannt waren, beförderte ihn Justizminister Geert Mackenroth noch zum Präsidenten eines Amtsgerichtes, eine Position, in der er als unabhängiger Richter ein Disziplinarverfahren durch das Ministerium nicht mehr zu fürchten braucht.

In den Akten des Verfassungsschutzes summieren sich derartige Fälle zu einem offenbar beängstigenden Gesamtbild von Polizei und Justiz im Lande. Inzwischen hat die Parlamentarische Kontrollkommission in einem beispiellosen Beschluss – mit den Stimmen von CDU-Vertretern – der Landesregierung detaillierte Vorgaben dazu übermittelt, welchen sächsischen Staatsanwälten die Akten zu übergeben seien. Zugeich sollen die Generalbundesanwältin und das Bundeskriminalamt »die gleichen Unterlagen in Kopie« erhalten.

Außerdem fordern die Abgeordneten Aufklärung darüber, warum der Geheimdienst nicht – wie es Pflicht gewesen wäre – seine Erkenntnisse an die Strafverfolgungsbehörden weitergab. Und warum die PKK niemals über die brisanten Verdachtsmomente informiert wurde. Das sind Fragen, die wohl bald einen Untersuchungsausschuss des Landtages beschäftigen werden.

Dass das Misstrauen der Geheimdienstkontrolleure möglicherweise berechtigt ist, zeigte sich schon kurz nach ihrem Beschluss. Gegen den sächsischen Generalstaatsanwalt, der die Aufklärung des Skandals koordinieren soll, wurden Vorwürfe laut, er habe vor einigen Jahren selbst Ermittlungen in einem Leipziger Immobilienskandal verhindert, der den damaligen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf in Bedrängnis gebracht hatte. Und Justizminister Mackenroth berief für die Oberaufsicht der Korruptionsermittlungen ausgerechnet einen Juristen aus Baden-Württemberg – der bei seiner ersten Pressekonferenz auch gleich zu Protokoll gab, er gehe nicht davon aus, dass sich die Vorwürfe gegen die sächsische Justiz bestätigen würden.

Mitarbeit: Tobias D. Höhn

 
Leser-Kommentare
    • keox
    • 05.06.2007 um 17:42 Uhr

    so etwas gibt es nur in sachsen

  1. Das erinnert mich an eine Burschenschaft, der fast nur Jurastudenten (männliche) angehörten.Die etwas guruhafte Verehrung ihrer " Ehemaligen " machte mich schon ein wenig stutzig. Ansonsten waren ihre Interessen überschauber. Sie galten hauptsächlich Mädchen und der heimischen Bier-Zapfanlage, die ebenfalls von den "Ehemaligen " finanziert wurde.Bei der Vorstellung diese hätten ein ganzes Dezernat übernommen, wird einem schon ein bischen schwummrig.
    Solche Posten so leichtfertig zu verteilen, erinnert irgendwie an die Mafia oder Schlimmeres.

  2. Warum wurde denn unter Justizminister de Maiziere davon nichts bekannt ( welcher 1990 Angela Merkel ihren ersten Regierungsposten verschaffte, den der stellvertretenden Regierungssprecherin seines von ihm beratenen Cousins Lothar )?

  3. Wirklich?

    Nicht mal Sie koennen so etwas behaupten. Frl Keox. Die Chancen sind 50/50 dass es noch schlimmer ist bei Ihnen (... macht nichts aus, wo Sie zu Hause sind).

    Vielleicht wuerde es Ihnen einfallen, dass solche Ereignisse bekannt werden wo man sie verfolgt, nicht wo man sie vergraben/unter der Decke liegen laesst.

    "Nur in Sachsen...." Eine Zumutung, die mehr den Autor betrifft! Nein?

    • Hirsl
    • 05.06.2007 um 23:30 Uhr

    Hat nicht gerade Sachsen vor einen Jahr sich zum
    Musterschüler in sachen Soligelder empfohlen.
    Peinlich wen jetzt diese Selbstbeweiräucherung nach
    hinten losgeht. Tja Heimatliebe sollte nicht blind machen.
    Da bin ich lieber in Thüringen da wird zwar mehr gestritten
    aber dafür kommts auch auf dem Tisch und dort zeigt man nicht auf andere Bundesländer wie Bremen oder Sachsenanhalt.
    Wer im Glashaus mit steinen wirft........

    • plamen
    • 06.06.2007 um 0:27 Uhr

    Klasse Artikel, nur die ostdeutsche Öffentlichkeit scheint sich für ihre Misäre nicht sonderlich zu interessieren. Morgen läuft in Leipzig eine Demo gegen G8 usw. Offensichtlich sind den Leuten virtuelle Globalisierungprobleme wichtiger, als diese unglaubliche Schande, genannt ExDDR.

    Bleibt nur zu hoffen, dass Herr Staud auch über die aktuellen Kinder-Fussball-Ereignisse in der national befreiten Zone Wurzen berichten wird, und insbesonderes die Frage zu beantworten versucht, warum der Verdummungssender der Ossis, der MDR, nicht mit einem Wörtchen den Vorfall erwähnt.

    • oyan
    • 06.06.2007 um 12:13 Uhr

    Naja in SN hatte man halt noch nicht soviel Erfahrung mit Vertuschung. Das sollte doch nochmal genauer bei den 'Amigos' in BY oder den 'Müllverbrennern' in Köln, NRW nachgeschaut werden. Die haben da schon mehr Erfahrung, wie man Filz und Klüngel, wenn denn schon mal aufgedeckt, geschickt wieder unter den Teppich kehrt.
    Falls in zwei Jahren in TH die CDU abgewählt werden sollte, werden wir vielleicht auch da erfahren, was nicht auf den Tisch kam und hätte diskutiert werden sollen.
    Lassen wir uns überraschen, der nächste Sumpf stinkt schon...

    So long Oyan

  4. schafft es dieser artikel den eindruck zu erwecken, die cdu (der ich nicht angehöre oder sonstige interessen da habe) sei schuld. dabei hat die cdu doch die wadenbeißer vom verfassungsschutz erst losgeschickt.
    ohne die cdu wae das ganze doch gar nicht rausgekommen. die pds und korrupte wessis hätten sich prima vertragen
    und dann wird der "skandal" noch mit kinderporno aufgepeppt (zieht immer). im artikel steht dann dazu gar nix mehr. gut, n´paar wessis haben sich bereichert und
    ihre ämter mißbraucht. aburteilen und schadenersatz verlangen. weitermachen.

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