Autoindustrie Angstgegner der DeutschenSeite 3/3

Den Plan dafür hat Lexus-Chef Takeshi Yoshida entworfen. Der Mann ist eine Art Gottlieb Daimler des 21. Jahrhunderts. Er hat von seinem Büro in Toyota-City heraus heute mehr Entscheidungsmacht über das Auto der Zukunft als jeder andere Ingenieur.

Gegenwärtig baut Yoshida 400-PS-Maschinen für Betuchte, die auch im Luxusautomobil die Umwelt nicht ganz aus den Augen verlieren wollen. Gerade wird die Hybridversion des Lexus-Spitzenmodells LS 600 eingeführt. Der Wagen tritt gegen die Spitzenprodukte aus deutschen Fabriken wie die Mercedes S-Klasse, den 7er-BMW oder den Audi A8 an.

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»Es geht nicht darum, BMW oder Mercedes zu schlagen«, wehrt der Lexus-Chef Fragen nach der Konkurrenz ab. »Es geht darum, die Technik in den Dienst der Gesellschaft zu stellen. Wenn wir an unsere Enkelkinder denken, müssen wir uns um null Emissionen bemühen.« Die auf Leistung und Sportlichkeit fixierten deutschen Konkurrenten tun gleichwohl gut daran, den Angriff ernst zu nehmen.

Heute rollen die japanischen Edellimousinen mit Hybridmotor für kurze Strecken bis 45 Stundenkilometer emissionsfrei durch den Stadtverkehr. Im Juni kommt der weltweit einmillionste Hybridwagen von Toyota auf die Straße. BMW und Mercedes haben sich zusammengetan, um baldmöglichst mit eigenen Hybridmodellen gegenhalten zu können. Aber die Deutschen sind spät dran. Toyota produziert die umweltfreundlichen Modelle schon seit zehn Jahren in Serie.

»Wir müssen Verschwendung vermeiden, Abwärme zurückgewinnen und den Hybrid mit anderen Systemen kombinieren«, sagt Yoshida. Er nimmt einen Zettel, zeichnet Pfeile, die darauf deuten sollen, was es beim Auto der Zukunft zu maximieren und zu minimieren gelte.

Yoshida ist Teil einer heimatverbundenen japanischen Auto-Avantgarde. Er hat die Provinz nie verlassen. Der Automanager erzählt, wie Toyota als mittelständischer Betrieb nach dem Weltkrieg unter ständiger Bankrottgefahr groß wurde, wie das »Gefahrenbewusstsein« die ersten Konzernführer prägte und nie Überheblichkeit aufkommen ließ. Dieses Bewusstsein müsse seine und die nächste Führungsgeneration von Toyota bewahren und im Sinne der ökologischen Herausforderung nutzen. Denn die Gefahr für Toyota sei, deutet er an, dass der Sprung zur Premiummarke zu einer falschen Luxus-Philosophie führe.

Einen Lexus sieht Yoshida als Auto für Philanthropen – ungeeignet für Angeber und Machos. »Es gibt sie, die reichen Leute, die etwas für die Welt tun«, beschreibt er seine Kunden. »Wer BMW oder Mercedes fährt, spürt, dass das Auto innovativ und aggressiv ist«, sagt er. In einem Lexus empfinde man das Gegenteil. »Wer Lexus fährt, soll Ruhe finden. Ich genieße die Zeit bei einer Teezeremonie oder indem ich meinen Garten betrachte. Mit ähnlichen Gefühlen genieße ich das Fahren in einem Lexus.« Er spricht von den Türen seiner Autos, die langsam und geräuschlos schließen. Er berichtet, wie man alle klirrenden, metallenen Klänge im Lexus unterbunden habe. Wie das schwingende Design der Karosserieoberfläche an die Kiesbeete alter Zen-Gärten erinnere.

Statt gehobenen Status, Reichtum und Stärke soll ein Lexus Understatement ausstrahlen. »Sublimität und Feinheit liegen in der japanischen Natur«, erklärt Chefdesigner Naoaki Nunogaki. »Es geht um das Nichts«, sagt er wie ein Zen-Meister. Man könne die Autos betrachten und nichts bemerken, keine Biegung, keine Mulde der Karosserie. Erst bei der wiederholten Annäherung an das Fahrzeug stellten sich die visuellen Effekte seines Designs ein. Man brauche Zeit, sie zu entdecken, sagt Nunogaki – genauso wie man in einem Zen-Garten Zeit benötige, um die Formen der Steine zu verstehen.

Es gebe sogar gestalterische Parallelen zwischen Zen-Steingärten und Lexus-Formen. Nur Kenner bemerkten das. Ein Geheimnis der Gärten sei es, sagt der Designer, einfache Dinge mit großer Finesse auszudrücken. Es ist die Produktwerdung einer alten japanischen Philosophie. »Es geht hier nicht um lokales Design«, sagt Nunogaki. »Unser Ziel ist die Globalisierung von Lexus.«

 
Leser-Kommentare
  1. Das ist eben eine ganz andere Kultur. Einer wie Schremp läßt sich heute noch die Vorstandssekretärin (übrigens seine Ehefrau) mit 200.000€ pa bezahlen, obwohl Schremp a.D ist, und jetzt darf er noch seine Aktienoptionen ausüben-macht nochmal 50 Mio.€.
    Die wahre Katastrophe ist, dass uns die Politiker in dieses Chaos geführt haben bzw. wir haben uns als "Dauernicker" dorthin führen lassen. Löhne unterhalb des Existenzminimums, Hartz4, massenhaft verfassungswidrige Steuergesetze, Konzere die von heute auf morgen ihre Strompreise um 35% erhöhen....---auch wenn es anders scheint, Deutschland ist gesellschaftlich am Boden.
    Und jetzt möchte uns Frau Merkel ihr Einknicken gegenüber der dt. Automobilindustrie noch als Erfolg verkaufen. Wer das alles glaubt - der hat sein Gehirn irgendwo abgegeben.

    • imame
    • 10.06.2007 um 22:22 Uhr
    2. Toyota

    Waren wir Jahrzehnte lang das Industrieland, welches man kopierte, so scheint jedenfalls im Automobilbau ein Wende eingetreten zu sein.
    Anhand der ADAC Pannenstatistiken weiß man doch schon lange, daß japanische Autos einfach die Zuverlässigeren sind. Vielleicht wäre es an der Zeit, mal umgekehrt zu schnuppern und Positives zu übernehmen.
    Leider schläft die Deutsche Autoindustrie einen Schlaf der Selbstgerechten. sie sollte ganz schnell aufwachen.

  2. Die Autoren scheinen zum ersten Mal in einer Autoproduktion gewesen zu sein. Ich war vor ca. 7 Jahren bei VW Shanghai. Schon damals war es dort weder laut, noch schmutzig.Ich gehe davon aus, dass das nicht State of the Art war, d.h. was die Autoren beschreiben ist nichts besonderes. Ich hoffe der Rest des Artikels ist besser recherchiert. Es foerdert jedoch nicht die Glaubwuerdigkeit, wenn man den Eindruck hat, die Autoren wissen nicht, wovon sie schreiben.

  3. das ist viel zu faktentreu gedacht. der erfolg von den deutschen autos kommt in erster linie durch den nimbus und nicht nur durch fakten. egal wo auf der welt, wer es sich leisten kann kauft sich einen deutschen wagen von porsche bis bmw (ich bin amerikaner und jeder amerikaner der geld hat kauft sich ein deutsches auto, "ich habs geschafft"). das die qualität stimmt hat sich zwar rumgesprochen, aber es geht dabei um das image. so wie champagner eigentlich sicherlich nicht der beste sekt der welt ist. markenklamotten nicht unbedingt die besten nähte haben. etc ..die asiaten haben immer dort erfolg wo es massenmärkte gibt. lexus kauft wer ein oberklassenmodell will aber keinen wert auf image legt. das design und andere konzepte von deutschen premiummarken "inspiriert" sind schwingt auch immer mit. die deutschen marken haben den vorteil das sie zumindest in der warnehmung keine massenproduzenten sind. der ford mustang wird sich immer wie geschnitten brot verkaufen, nur die massenware von ford eben nicht.

  4. Ach ja, die gelbe Gefahr schläft nicht! Zen Design? Solange fast jedes Japanische Auto (letztes Beispiel des Nissan Qashqai) nach wie vor ein seltsamer Klon von BMW, Audi, Volvo, Alfa Romeo und Porsche-Versatzstücken ist, brauchen sich Europas Autobauer jedenfalls keine Sorgen ums Design zu machen. Pannenstatistik? Dass ein von Senioren gefahrenener Corolla eben länger hält als ein Alfa ist auch nicht besonders verwunderlich. Es wird auch in einer von Klimaveränderungswahn geprägten Zeit darum gehen intelligente aber ebenso sinnliche Autos zu bauen: Schwere Volvos, die bei 170 km/h zu schaukeln beginnen, gewinnen in Schweden jeden Vergleichstest , weil sie eben die meisten Airbags haben. Das hindert aber keinen Schweden daran auf deutlich aufregendere BMWs oder Audis umzusteigen, sobald er/sie es sich leisten kann.

  5. Ich denke, Honshu ist die eigentliche japanische Hauptinsel. Normalerweise liegt 300km westlich von Tokyo nicht Hokkaido. Es sei denn, das wurde geändert.

  6. ... de Toyota-Hybriden verbrauchten weniger als Dieselfahrzeuge vergleichbarer Leistung, ist dies sehr lobenswert, denn es erspart einem das Weiterlesen und verschafft einem damit Zeit, sich mit ernstzhaft recherchierten und fachkundigen Beiträgen zum Thema Automobil zu beschäftigen, die man leider in der ZEIT nach wie vor vergebens sucht - unter welchem Titel und in welcher Rubrk auch immer.

  7. .. und wenn sie einen toyota ernsthaft mit einem bmw vergleichen wollen hat sich für mich das gespräch schon erledigt ;-)

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  • Quelle DIE ZEIT, 07.06.2007 Nr. 24
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