Archäologie Zeigt her eure Füße!Seite 3/3
Und was hat es mit den angeblichen Menschenspuren auf sich, die bibeltreue Kreationisten im texanischen Glen Rose neben Dinosaurier-Fährten gesichtet haben wollen – und als Beweis dafür heranziehen, dass die Schöpfungslehre wörtlich zu nehmen sei und alle Lebewesen gleichzeitig geschaffen wurden? »Nichts weiter als Abdrücke von Krokodilen«, sagt Meyer. »Der Mensch hat nun mal nicht nur vier Zehen, wie wir sie dort sehen.«
Die Momentaufnahmen, die in den fossilen Trittsiegeln festgehalten sind, mögen nicht so spektakulär sein, wie sie oft dargestellt werden. Fesselnd sind sie allemal. Man sieht ihn geradezu dahertapsen, jenen kleinen Raubsaurier, genannt Johnny Walker, der im bolivianischen Cal Orck’O auf 580 Metern die weltweit längste bekannte Fährte hinterlassen hat. Oder den hinkenden Ornithopoden, der sich in Lavini di Marco mühsam dahinschleppte: einen großen Schritt links, einen kleinen Schritt rechts.
Wann diese Tiere unterwegs waren, lässt sich nur grob schätzen. Mit Hilfe anderer Fossilien und Meeresspiegelschwankungen werden die einzelnen Erdschichten datiert. Ein Unterschied von wenigen Metern kann eine Zeitspanne von 20000 Jahren ausmachen.
Während die Spuren in Lavini di Marco aus Dino-Frühzeiten vor mehr als 200 Millionen Jahren stammen und zu den ältesten Abdrücken weltweit zählen, zeigen die 68 Millionen Jahre alten Trittsiegel aus Bolivien, was bei den Urzeitechsen um fünf vor zwölf los war – kurz bevor ein Meteoriteneinschlag nahe der mexikanischen Halbinsel Yucatán und das kälter werdende Klima sie vor 65 Millionen Jahren für immer auslöschten. Anders als ursprünglich angenommen, nahm die Zahl der Dinosaurier-Arten – etwa 700 sind mittlerweile bekannt – im Lauf der Evolution nicht kontinuierlich ab. Vielmehr konnten in Cal Orck’O so viele verschiedene Spurentypen ausgemacht werden wie nirgendwo sonst auf der Welt.
Dabei hat sich gezeigt: Selbst in der Wissenschaft können Märchen wahr – und urzeitliche Mauerblümchen zu ansehnlichen Wesen werden. Der zur Ordnung der Ornithischier gehörende Ankylosaurus galt lange Zeit als plumper, gürteltierähnlicher Vierfüßer, bis Christian Meyer kam, seinen Abdruck analysierte und feststellte: Ankylosaurus hatte schmalere Hüften als bisher gedacht »und war genauso flink wie Aschenputtel«.
- Datum 12.06.2007 - 06:27 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 07.06.2007 Nr. 24
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