Ich habe bereits von der Ausstellung Stille Schlachten – Die spannendsten Schachspiele der Welt im Deutschen Elfenbeinmuseum in Erbach, Odenwald (bis zum 16. September) berichtet. Zum Beispiel treten Napoleón und Friedrich der Große gegeneinander zur Schlacht an – obwohl sie im richtigen Leben keine Zeitgenossen waren. Vielleicht aus dem Wunsch heraus, der Alte Fritz hätte es Napoleón gezeigt. Sehr wohl war aber Voltaire am Hofe Friedrich II. und dort ein gefürchteter Schachgegner, allerdings nicht wegen seiner Spielstärke, sondern seines »impulsiven Werfens mit Schachfiguren« wegen, wenn er verlor. Da geht schon einmal leicht der philosophische Gleichmut verloren. BILD

Oder das Spiel, welches ein Gouverneur der französischen Kolonie Senegal zur Zeit Ludwig XVI. in Auftrag gab. Aber welcher Figur sollte er seine Züge verleihen? Als König kam er nicht in Betracht, da er selber einen König hatte. Als Läufer – im Französischen le fou, der Narr – wollte er nicht dargestellt werden. Und Springer oder Pferde haben bekanntlich nicht viel im Kopf. Schließlich hat er sich auf dem Brett der Eitelkeiten gleich achtmal als Bauer verewigt. Nur dumm, wenn man dann als Bauernopfer endet und dem schwarzen Stammeshäuptling alias schwarzem König in den Rachen geworfen wird.

Für die heutige Aufgabe allerdings nichts Historisches, sondern höchst Aktuelles des russischen Weltmeisters Wladimir Kramnik, der im ungarischen Miskolc gegen Pétér Léko ein Schnellschach-Match zwar knapp mit 4,5:3,5 Punkten gewann, eine Partie aber »schön« verlor (übrigens treffen sie beim »Sparkassen Chess Meeting« in Dortmund vom 23. Juni bis 1. Juli schon wieder aufeinander).

Immerhin droht Kramnik als Schwarzer 1…Dxe4 mit Rettungschancen. Mit einem Paukenschlag gewann Léko als Weißer aber schnell. Wie?

Helmut Pfleger

Lösung aus Nr. 23:
Es geht nur mit großer Opferbereitschaft: zum Auftakt ein Springeropfer 1…Sa4+! , dem nach 2.Txa4 das Qualitätsopfer 2…Txb3+! folgt, und schließlich 3.Kxb3 Td3 matt