Zweiter Weltkrieg 27 MillionenSeite 4/4

Es ist erstaunlich, dass bis heute diese schier unfassbaren Schrecken unser Bild von der NS-Zeit nur schwach geprägt haben. Das Bild vom Krieg im Osten wird in der populären Erinnerung nach wie vor von den Schlachten, den Härten des Klimas (»General Winter«), den Leiden der Soldaten bestimmt, nicht zuletzt, weil wir hier an Familienüberlieferungen anknüpfen können. Und kein Zweifel, in diesem Krieg ist eine ganze Generation deutscher Männer traumatisiert worden. Mehr als sechzig Jahre danach sollte uns diese Leidensgeschichte allerdings nicht mehr den Blick auf die wahren Dimensionen dieses Krieges verstellen, auf die millionenfachen Verbrechen der deutschen Angreifer. Ohne die deutliche Wahrnehmung dieser Ausmaße, ohne die Benennung der Fakten, der Zahlen, begreifen wir nicht, was der Nationalsozialismus war. Und begreifen wir auch nicht die Erfahrung und Erinnerung der russischen Nachbarn in Europa.

Der Autor ist Historiker und leitete von 1995 bis 2006 das Deutsch-Russische Museum in Berlin-Karlshorst. Mehr über das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen auch in dem Band »›Ich werde es nie vergessen‹ – Briefe sowjetischer Kriegsgefangener 2004–2006«, der gerade im Ch. Links Verlag, Berlin, erschienen ist (270 S., Abb., 19,90 €)

 
Leser-Kommentare
  1. Mein Vater hat mir von 25 Mio. Kriegsopfern unter der damaligen russischen Sovietbefoerklerung erzaehlt. Ja es ist erschreckend, mit welcher grausamen Effizienz die deutsche Vernichtungsmaschinerie gearbeitet hat.Ich bin als Deutscher mit einer Russin verheiratet und habe daher einen direkten Einblick in die furchtbaren Erinnerungen der Mutter meiner Schwiegermutter, die als Kind um Haaresbreite einem deutschen Erschiessungskommando entkommen ist und das nur, da einer der deutschen Soldaten Mitleid mit dem kleinen Maedchen bekommen hat, was sich buchstaeblich vor Angst in die Hose gemacht hat.Es ist zu bemerken, dass Russen und Deutsche trotz der schlimmen Ereignisse irgendwie eine besondere Affinitaet zueinander besitzen. Russen und Deutsche interessieren sich fuer einander und es gibt so etwas wie eine grundsaetzliche Symphatie vor allem - und das ist das Erstaunliche - von den Russen gegenueber den Deutschen. Russen bewundern alles, was aus Deutschland kommt als hochwertig, effizient usw. Bei den Deutschen gibt es auch ein Interesse an den Russen, es beschraenkt sich aber sehr oft auf oberflaechliche Symphatie zu den allgemein verbreiteten Klischees, wie Vodkasaufen und Kriminalitaet etc. Vor allem aber - und das ist erschreckend - sehen viele Deutsche sehr vieles, was aus Russland kommt als minderwertig an. Ich frage mich manchmal, ob es da so etwas wie eine latente Grundhaltung in der Deutschen Gesellschaft gibt, die sich wie ein roter Faden von den damaligen schlimmen Ereignissen zu der heutigen weit verbreiteten Ignoranz gegenueber der eigentlichen Groesse der Russischen Kultur (und leider anderen Kulturen auch) durchzieht - siehe Sport (ganz aktuell!!), Literatur, Musik (klassische Musik, sowie moderne Festivals wie European Song Contest), olympische Disziplinen, Luft- und Raumfahrt, Physik, Mathematik usw. Wenn man die Reaktionen auf die juengsten Erfolge der Russen betrachtet, sehe ich nicht nur wohlgesonnene Reaktionen in den Deutschen Medien, sondern mir scheint auch eine gewisse und typisch deutsche latente Gehaessigkeit praesent, die versucht die Erfolge der Russen als weniger Wert darzustellen. Ein Beispiel ist die Reaktion in den Medien auf den Erfolg der Russen beim European Song Contest, die diesem eine Ost-Connection oder aehnlich abstruses vorhaelt.Als Deutscher mit multinationalen familiaeren Hintergrund (deutscher Vater, italenische Mutter, Russische Frau, Amerikanische Cosins und jetzt in Irland lebend) habe ich immer die unterschwellige Arroganz und Ignoranz vieler Deutscher aus erster Reihe erlebt. Leider gibt es diese Ignoranz auch in anderen Laendern, aber die Arroganz und Ueberheblichkeit im Sinne der Ueberlegenheit gegenueber anderen Kulturen habe ich z.B. bei den Iren und Italienern und Russen weniger deutlich gespuert.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie haben insoweit völlig recht,
    dass die Deutschen gegenüber den Amerikanern und einigen westeuropäischen Ländern einen Minderwertigkeitskomplex, gegenüber den Russen und auch den restlichen osteuropäischen Ländern aber einen Mehrwertigkeitskomplex haben. Ich selber bin mit einer polnischen Frau verheiratet und meine Schwiegereltern waren im 2. Weltkrieg Partisanen der polnischen Untergrundarmee AK, also kaum Leute, von denen man erwarten könnte, von einem deutschen Schwiegersohn allzu begeistert zu sein.
    Aber weit gefehlt: ich bin von ihnen ohne ein Problem akzeptiert worden - das einzige waren gelegentliche Bemerkungen aus dem weiteren Verwandtenkreis, die sich auf ähnlichem Niveau wie die gelegentlichen Spitzen meiner eigenen Familie befanden. Insgesamt vernachlässigbar.
    Aber die Arroganz und Ignoranz, von der Sie reden, habe ich auch erlebt. Ich denke aber nicht, das das spezifisch deutsch ist. Ähnliches habe ich auch in England und Frankreich schon mitbekommen. Persönlich denke ich, dass diese zwanghafte Abwertung anderer Kulturen einer Entfremdung von der eigenen Kultur entspringt. Wer nicht mal Spass daran hat, Deutscher zu sein, und auch nichts kennt, was identitätsstiftend wirkt, der kann doch den Austausch mit anderen Ländern nur bedrohlich finden. Man kann dem nur entgegenwirken, wenn man sich auch mit sich selber auseinandersetzt.... Hoppla! Ich finde, das klang jetzt auch richtig deutsch ;)

    Sie haben insoweit völlig recht,
    dass die Deutschen gegenüber den Amerikanern und einigen westeuropäischen Ländern einen Minderwertigkeitskomplex, gegenüber den Russen und auch den restlichen osteuropäischen Ländern aber einen Mehrwertigkeitskomplex haben. Ich selber bin mit einer polnischen Frau verheiratet und meine Schwiegereltern waren im 2. Weltkrieg Partisanen der polnischen Untergrundarmee AK, also kaum Leute, von denen man erwarten könnte, von einem deutschen Schwiegersohn allzu begeistert zu sein.
    Aber weit gefehlt: ich bin von ihnen ohne ein Problem akzeptiert worden - das einzige waren gelegentliche Bemerkungen aus dem weiteren Verwandtenkreis, die sich auf ähnlichem Niveau wie die gelegentlichen Spitzen meiner eigenen Familie befanden. Insgesamt vernachlässigbar.
    Aber die Arroganz und Ignoranz, von der Sie reden, habe ich auch erlebt. Ich denke aber nicht, das das spezifisch deutsch ist. Ähnliches habe ich auch in England und Frankreich schon mitbekommen. Persönlich denke ich, dass diese zwanghafte Abwertung anderer Kulturen einer Entfremdung von der eigenen Kultur entspringt. Wer nicht mal Spass daran hat, Deutscher zu sein, und auch nichts kennt, was identitätsstiftend wirkt, der kann doch den Austausch mit anderen Ländern nur bedrohlich finden. Man kann dem nur entgegenwirken, wenn man sich auch mit sich selber auseinandersetzt.... Hoppla! Ich finde, das klang jetzt auch richtig deutsch ;)

  2. Ich finde es gut, das Peter Jahn hier mal die Fakten nennt, die meiner Ansicht nach eigentlich ohnehin jeder Deutsche wissen sollte. In jüngster Zeit hat Harald Welzer ja gezeigt, wie die Erinnerung tendenziell so moduliert wird, dass nur gutes oder zumindest akzeptables in der Erinnerung bestehen bleibt. Der Nationalsozialismus malte ein Bild das den Leuten nahelegte "die oder wir" und ihr steht schon mit dem Rücken zur Wand. Die Leute sind damals so unglaublich belogen worden und so geschickt zu Tätern gemacht worden, dass man im Nachhinein, wenn man die historischen Folgen sieht, überhaupt nicht verstehen kann wie so etwas möglich war. Zur Vertiefung dieser Frage und für teilweise Antworten kann nur das Buch mit dem Titel "Täter" von Harald Welzer empfohlen werden. Ich muss sagen, dass ich russische Wissenschaftler in einem Max-Planck-Institut bei München erleben durfte. Von mangeldem Respekt habe ich da gar nichts gespürt. Dies ist vielleicht ein Trost für marlon734. Sie können sicher sein, dass die deutsche wissenschaftliche Elite die russische Forschung und den kollegialen Umgang miteinander sehr zu schätzen weiß. Bleibt noch zu sagen, dass ich gerne an Russland denke und hoffe das wir heute im Bewustsein der gelaufenen Geschichte alte und neue Fundamente für eine freundschaftliche Beziehung nutzen können. Übrigens als mein Opa bei Witebsk gefallen ist hat meine Oma auch ein Schreiben der Wehrmacht erhalten. Was da drin stand war auch eine reine Lüge. geoerg989

  3. NEUES BUCH

    Der Zweite Weltkrieg und die Schwarze Liste der US-Regierung

    Verschwiegene Tragödien deutscher und italienischer Opfer in Ecuador und anderen lateinamerikanischen Ländern

    Jenny Estrada ist eine der führenden und höchst angesehenen Historikerinnen Ecuadors. In diesem schockierenden Buch berichtet sie von der Deportation tausender ethnischer Deutscher und Italiener sowie ihren lateinamerikanischen Familien in US-Amerikanische Konzentrationslager in der Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges. Das Schicksal dieser unschuldigen Öpfer ist bislang weitestgehend unerforscht geblieben.

    Fünf Monate vor dem Angriff auf Pearl Harbor wurde unter der Leitung von Nelson A. Rockefeller der erste Schritt zur Errichtung eines geheimen und illegalen Internierungsprogramms zur Identifizierung und Gefangennahme unschuldige lateinamerikanischer Bürger.

    „Nationale Sicherheit“ lautete die offizielle Erklärung der Regierung der Vereinigten Staaten. Aber das war eine Lüge! Die US-Regierung wusste ganz genau wo und wieviel deutsche Spionnen in Lateinamerika tätig waren. In einem Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung vom 20. Oktober 1998 weist der jüdische Historiker Herbert Reginbogin, daß die American Chase National Bank von den Rockefellers in New York damals die wichtigste Bank für deutsche Unternehmen war. „Die Rockefleers haben seinerzeit die deutsche Kriegsmaschinerie, aber auch die deutschen Geheimdienste in Nord- und Südamerika mitfinanziert.“

    Nichtsdestoweniger wurde unter Leitung von Nelson Rockefeller in nahezu allen lateinamerikanischen Zeitungen eine Schwarze Liste veröffentlicht. Auf dieser Schwarze Liste konnte sich nicht nur jedes Unternehmen, sondern ebenfalls jede Italiener und Deutsche - auch Einwanderer mit lateinamerikanischer Staatsbürgerschaft - wieder finden. Tausende unschuldige deutsche, italienische und lateinamerikanische Familien deren Namen auf diesen Listen auftauchten wurden in lokale Gefängnisse überführt. Hier wurden Sie ohne einen gerichtlichen Prozess oder Rechtsbeistand festgehalten. Nachdem all ihr Geld und ihr Eigentum beschlagnahmt waren, wurden sie unter erbärmlichen Bedingungen in US-amerikanische Konzentrationslager deportiert. Darunter waren mehr als 80 deutsch-jüdische Flüchtlinge, die zum Teil bereits in Deutschland inhaftiert gewesen waren.

    Mit einem sogennanten Kampf gegen die nationalsozialistische Unterminierung Lateinamerikas, hatte dies alles kaum etwas zu tun. Das Buch von Jenny Estrada enthüllt das wahre Ziel der Schwarzen Listen: Japanische, italienische und deutsche wirtschaftliche Interessen in Lateinamerika durch US-Amerikanische Interessen zu ersetzen. Besonders frappierend ist der Umstand, dass die ganze Gummi-Industrie von den Rockefellers übernommen wurde. Und dafür gab es einen wichtigen Gründ!

    Die deutsche Wehrmacht war auf Gummi angewiesen, um einen Krieg führen zu können. Ohne Gummi wäre der Zweite Weltkrieg gar nicht möglich gewesen. Deutschland hatte aber keinen Naturkautschuk. Zusammen mit der I.G. Farben betrieben die Rockefellers und Co eine Gummifabrik, in der Auschwitzgefangene Zwangsarbeit leisteten. Woher das Gummi stammt, lässt sich leicht raten.

    Es entstand jedoch noch ein weiteres Motiv für die Deportationen unschuldigen Deutsche und ihre lateinamerikanischen Familien: Das Ansammeln von Gefangenen um diese als Tauschmittel gegen US-Amerikanische Gefangene der Achsenmächte zu gebrauchen. Nach ihrer Deportation in Konzentrationslager in den Vereinigten Staaten wurden viele Gefangene eingetauscht gegen durch Hitler gefangen genommene US-Amerikanische Bürger. Die Gefangenen aus Lateinamerika wurden in verschiedenen deutschen Städten untergebracht und ihrem Schicksal überlassen. Die meisten von ihnen sprachen nicht einmal Deutsch. Viele wurden sogar nach Stalingrad geschickt. Wie gesagt befanden sich unter die Gefangenen aus Lateinamerika mehrere jüdische Familien. Auch sie wurden gegen Amerikaner ausgetauscht. Was diese Familien bei ihrer Ankunft in Deutschland erwartete ist bekannt.

    VORBESTELLEN
    Mayra Publications
    ISBN 978-90-79680-02-3
    € 15,95
    www.mayrapublications.nl

  4. Sie haben insoweit völlig recht,
    dass die Deutschen gegenüber den Amerikanern und einigen westeuropäischen Ländern einen Minderwertigkeitskomplex, gegenüber den Russen und auch den restlichen osteuropäischen Ländern aber einen Mehrwertigkeitskomplex haben. Ich selber bin mit einer polnischen Frau verheiratet und meine Schwiegereltern waren im 2. Weltkrieg Partisanen der polnischen Untergrundarmee AK, also kaum Leute, von denen man erwarten könnte, von einem deutschen Schwiegersohn allzu begeistert zu sein.
    Aber weit gefehlt: ich bin von ihnen ohne ein Problem akzeptiert worden - das einzige waren gelegentliche Bemerkungen aus dem weiteren Verwandtenkreis, die sich auf ähnlichem Niveau wie die gelegentlichen Spitzen meiner eigenen Familie befanden. Insgesamt vernachlässigbar.
    Aber die Arroganz und Ignoranz, von der Sie reden, habe ich auch erlebt. Ich denke aber nicht, das das spezifisch deutsch ist. Ähnliches habe ich auch in England und Frankreich schon mitbekommen. Persönlich denke ich, dass diese zwanghafte Abwertung anderer Kulturen einer Entfremdung von der eigenen Kultur entspringt. Wer nicht mal Spass daran hat, Deutscher zu sein, und auch nichts kennt, was identitätsstiftend wirkt, der kann doch den Austausch mit anderen Ländern nur bedrohlich finden. Man kann dem nur entgegenwirken, wenn man sich auch mit sich selber auseinandersetzt.... Hoppla! Ich finde, das klang jetzt auch richtig deutsch ;)

    Antwort auf "Traurig"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service