Robotik Intelligenz ans SteuerSeite 4/4

»Die zweite große Herausforderung ist es, ein fahrerloses Auto die richtigen Schlüsse ziehen zu lassen«, sagt Christoph Stiller, Ingenieur und Professor an der Universität Karlsruhe. »Für uns ist klar: Wenn ein Kind am Straßenrand steht, sind wir sehr vorsichtig, anders als bei einem Erwachsenen. Eine solche Schlussfolgerung ist für einen Computer aber unglaublich schwer.«

Bei der Urban Challenge im November werden in den nachgebauten Straßen noch keine Menschen herumlaufen, die DARPA möchte kein Risiko eingehen. Situationen, in denen die Software blitzschnell eine Entscheidung treffen muss, wird es aber genug geben. Stiller ist Sprecher des deutschen Sonderforschungsbereichs Kognitive Automobile. Die beteiligten Wissenschaftler wollen im DARPA-Wettbewerb einen umgebauten Passat Variant mitfahren lassen. Der Sonderforschungsbereich widmet sich seit Anfang 2006 der Frage, wie fahrerlose Autos komplexe Situationen korrekt einschätzen und richtig reagieren können. Ganz egal, ob ein solches Fahrzeug abbiegen muss, ein Fußgänger vor ihm die Fahrbahn überquert oder ein anderes Fahrzeug hupend auf es zurast – was es macht, muss »überlegt« sein. »Es rechnet blitzschnell die verschiedenen Möglichkeiten durch«, erläutert Stiller, »und entscheidet sich für die nach den Regeln sinnvollste.« Wenn Intelligenz bedeute, Schlüsse zu ziehen und sich angemessen zu verhalten, »dann wird ein solches Auto zunehmend intelligent handeln können«, sagt Stiller.

Der Computerpilot soll irgendwann in der Lage sein, sich seine Regeln selbst zu erarbeiten. Und in Zukunft, stellt man sich beim Sonderforschungsbereich Kognitive Automobile vor, können die Autos auf unseren Straßen selbstständig miteinander kommunizieren und untereinander ausmachen, wer Vorfahrt hat und wer warten muss. »Das heißt, man wird den größten Teil der menschlichen Fehler ausbügeln können«, sagt Professor Stiller.

In 20, 30 Jahren könnte man es damit schaffen, die Zahl der Verkehrsunfälle drastisch zu reduzieren; allein in Deutschland fordern über zwei Millionen Unfälle jährlich 5000 Tote und verursachen geschätzte Kosten in Höhe von 30 Milliarden Euro. Nebenbei könnten selbstständig fahrende, miteinander kommunizierende Autos den Verkehrsfluss verbessern und helfen, den Bau neuer Straßen zu vermeiden, weil sie weniger Sicherheitsabstand benötigen. Und diese Konvoi- und Windschattenfahrten wiederum könnten Energie sparen, zwischen 10 und 15 Prozent pro Fahrzeug, errechnete man an der Universität von Kalifornien in Berkeley.

Christoph Stiller vermutet, dass der technische Fortschritt erst einmal dazu dienen wird, den Unsicherheitsfaktor Mensch in kritischen Situationen zu unterstützen: »Wo der Mensch überfordert ist, übernimmt innerhalb von Millisekunden der Computer.« Denn es ist durchaus fraglich, ob die Gesellschaft es in absehbarer Zeit wagen wird, dem Menschen um des Gemeinwohls willen das Lenkrad komplett aus der Hand zu nehmen. Das ist nicht nur aus psychologischen, sondern auch aus juristischen Gründen umstritten: Wer ist schuld bei einem Unfall – der Computer? Schließlich geht es um nichts Geringeres als die für viele Autofahrer so wichtige Freiheit am Steuer. »Also um das Recht«, spitzt es Sebastian Thrun zu, »betrunken Unfälle zu bauen und sich und andere unglücklich zu machen.«

 
Leser-Kommentare
  1. Mit GPS und Vollnavigation könnte mein Astra mich schon alleine von der Disco nach Hause fahren.

    Es wird Zeit, dass was wird.

    Gut Schnell Billig?
    Ich liefere 2 von 3.

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