GroßausstellungenKunst kommt von Knallen

Duell der Großausstellungen: Wie die Biennale in Venedig die Kasseler Documenta übertrumpfen will.

Soll niemand sagen, die Kunst sei doch nur Tralala. Nur grelles Spektakel, Partykulisse, nur das Spielzeug der Schönen und Reichen. Nein, die Kunst geht aufs Ganze. Sie verkämpft sich, ringt mit dem Schweren, dem Blutigen, mit Folter und Vertreibung, Krieg und Tod. Manche nennen das die Rückkehr des Politischen.

In den letzten Jahren war Kunst meist nur ein anderes Wort für Geld. Mit inhaltlichen Debatten ließ sich kaum etwas gewinnen, alles sprach über den hysterischen Markt, das große Gejapse nach jungen Talenten, die Gier der Sammler, die astronomischen Preise. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, doch wächst neuerdings der Unmut. Und plötzlich ist sie wieder da, die alte, unbequeme Frage nach Sinn und Bedeutung. Wohin will die Kunst? Was sind ihre Anliegen, ihre Qualitäten?

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Es ist die Stunde der Besinnung aufs Wesentliche, die Stunde der politischen Künstler. Ihnen gehören die großen Bühnen dieses Sommers. Gleich doppelt dürfen sie aufspielen – auf der gerade begonnenen Biennale in Venedig und auf der Documenta in Kassel, die am Wochenende für das Publikum öffnet.

Beide Ausstellungen sind sich verblüffend ähnlich: Beide wenden sich gegen die Übermacht des Marktes, verlangen nach einer Kunst der Ein- und Aufmischung, fragen, was von dem »Projekt der Moderne« noch übrig sei. Selbst bei der Künstlerauswahl gibt es Überschneidungen. Und doch könnten die zwei Ausstellungen unterschiedlicher kaum sein. Geradezu lehrbuchhaft zeigt sich in Kassel und Venedig, was eine politische Ästhetik auszurichten vermag – und was sie anrichten kann.

Auf der Biennale ist Robert Storr am Werk, ein verdienter Kunstprofessor aus den USA, lange Jahre tätig für das Museum of Modern Art in New York. Er leitet die Ausstellung, und das heißt: Er muss das Überwölbende liefern. Während die Pavillons der einzelnen Staaten, diesmal 76!, in schönster Beliebigkeit mal dieses und mal jenes zeigen, hat sich Storr etwas Grundsätzliches vorgenommen: Er scheidet die Welt in Helden und Opfer.

In der Rolle der Helden sieht er die Künstler, und absurderweise gerade jene, die einst, in den 1960er Jahren, gegen alles Heldische in der Kunst rebellierten. Sie liebten das Triviale, das Zurückgenommene, die Parodie – und dafür werden sie jetzt, ganz unparodistisch, in riesigen Sälen mit riesigen Formaten geehrt, Polke ebenso wie Richter, Ryman oder Sol LeWitt.

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