Österreich

Kaufen, verkaufen, verschwinden

Wie die Kärntner Bank Hypo Alpe-Adria die istrische Riviera zu Geld machte – gemeinsam mit kroatischen Verbrechern.

Poreč

Kilometerlang nur immergrüne Büsche, Olivenbäume und Eichen, dahinter ein wildes und felsiges, aber flaches Ufer: Auf der Fahrt vom kroatischen Küstenstädtchen Rovinj in Richtung Süden kann man die Mittelmeerküste noch in unberührtem Zustand erleben. Die Zivilisation gibt sich bescheiden. Ein paar Kähne dümpeln vor einem kleinen Fischrestaurant am Ortsrand von Peroj im Hafenbecken, eine schmale Asphaltstraße hält brav Abstand zum Meer. Paradiese wie dieses findet man in der nördlichen Mittelmeerregion nur mehr in Istrien, der lanzettförmigen Halbinsel in der Achselhöhle der Adria. Die idyllischen Gestade liegen gerade einmal fünf Autostunden von München oder Wien entfernt, nah genug, um Ärzten, Rechtsanwälten und Kulturschaffenden aus diesen Großstädten ein stilvolles Wochenende an sonnigen Ufern zu bieten.

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Hier ein jungfräuliches Erholungsgebiet in einem armen Nachkriegsland, dort eine solvente Szene, die auf Immobilienschnäppchen lauert: ein gewinn- und vor allem korruptionsträchtiges Zusammentreffen. Nun regt sich erstmals Widerstand. Eine Gruppe von angesehenen Bürgern kämpft für einen Volksentscheid gegen den »Ausverkauf« Istriens und hat schon 12.500 Unterschriften gesammelt – eine beachtliche Zahl in einem Land, in dem nicht erst seit dem Krieg Ruhe die erste Bürgerpflicht ist.

»Wir haben nichts gegen die Ausländer«, sagt Bruno Poropat, der Initiator und Vorsitzende der Bürgerinitiative. »Sie sollen sich hier ihre Landhäuser bauen oder, noch besser, die verlassenen Bauernhäuser renovieren.« Nur die Küste sollte für alle zugänglich bleiben, fordert Poropat: »Nicht wie am Wörthersee, den man nur noch an zwei Stellen ohne Zaun erreichen kann.« Kein zufälliger Vergleich: Kaum ein größeres Immobiliengeschäft hier in Istrien, das nicht irgendwie über Klagenfurt liefe.

Begonnen hat die arg asymmetrische »Zusammenarbeit« zwischen Kärnten und Istrien im August 1999. Überraschend besuchte der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, damals gerade ins Amt gewählt, die Stadt Pula, Sitz der istrischen Regionalregierung, und traf dort seinen Amtskollegen Stevo Žufić. Der und seine Partei mussten sich anschließend dafür monatelang rechtfertigen. Die istrischen Rebellen nennen Haider den »größten lebenden Neonazi«. Der Gast aus Kärnten war öffentlich wenig präsentabel.

Dunkle Geschäfte, geheime Absprachen

Kaum war Haider wieder weg, kam seine Bank: die staatsnahe Hypo Alpe-Adria, bis vor Kurzem noch kärntnerisch und seit Ende Mai bayerisch. Die damalige Hausbank des Landes Kärnten hat seither alle wichtigen Immobiliendeals in Istrien finanziert. Das Logo der Bank prangt heute wie ein Ortseingangsschild auf dem prächtigen Gebäude der Hypo von Poreč – der »Festung«, wie man hier sagt. Vor allem aber sicherte die Bank sich das einflussreichste Personal – einschließlich Haiders Gastgeber Žufić.

Kurz nach dem Markteintritt der Bank kam es zu ersten mysteriösen Verkäufen. Die Ratsmitglieder der Landgemeinde Vodnjan merkten im Dezember 2000 selber kaum, welchem Deal sie da zustimmten: 374000 Quadratmeter unberührte Meeresküste – jenes Stück, vor dem noch heute die Kähne dümpeln – gingen per Beschluss zum Spottpreis von umgerechnet 5,12 Euro pro Quadratmeter an eine bis dahin unbekannte Firma. Finanzier der Transaktion: die Hypo Alpe-Adria. Vorsitzende des Aufsichtsrats des Käuferunternehmens: die örtliche Hypo-Chefin. Die Firma gehörte dem in Immobiliengeschäften bislang unbekannten Klagenfurter Anwalt Gerhard Kucher und der Firma eines Wiener Immobilienspekulanten, Detlev Neudeck, damals Nationalratsabgeordneter und Finanzexperte der FPÖ. Ein paar Monate später folgte ein doppelt so großes Filetstück, diesmal für wohlfeile 7,35 Euro pro Quadratmeter. Käufer war diesmal eine andere Firma, allerdings mit denselben Eigentümern: der Hypo Alpe-Adria, den Klagenfurter Anwalt, den Wiener Abgeordneten.

Kaum war das Geschäft abgewickelt, beschloss die Gemeinde, das soeben verkaufte Naturschutzgebiet zu einer touristischen Nutzfläche umzuwidmen. Der Preis der Grundstücke, die inzwischen den Werbenamen »Riviera von Brioni« tragen, stieg über Nacht auf das Zweihundertfache. Die Käufer beachteten nicht einmal Schamgrenzen. Die Umwidmung sei ihm schon vor dem Kauf versprochen worden, plauderte Wolfgang Kulterer, damals noch Hypo-Chef, vor der Lokalzeitung Glas Istre aus. Haiders Kollege Stevo Žufić, inzwischen Präsident des regionalen Parlaments, wurde Geschäftsführer in einer der beiden Firmen.

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Leser-Kommentare

  1. Selbst aus Klagenfurt kenne ich alle beteiligten Personen und einige davon sollten meiner Meinung rechtlich ueberprueft werden. Ich selbst fahre nie nach Kroatien aber ich finde es sollte ein Grundrecht geben, dass die Kuesten und Straende den Einheimischen frei zugaenglich sind. Die Hilflosigkeit und Armut Kriegsgebeutelter Laender in der Form auszunutzen ist moderner Raub. Und das waehrend Oesterreich selbst erleben konnte wie es besser geht (Marshall-Plan). Ich moechte hier auch zum Ausdruck bringen das nicht alle Oesterreicher und Deutsche so denken und agieren wie die hier genannten. Und dann wundern wir uns wenn wir in vielen Laendern bereits die meist-unerwuenschten Touristen sind .
    Gibt es eine Unterschriftenliste gegen den Ausverkauf der Kuesten die auch via Internet von Oesterreichern und Deutschen unterschrieben werden kann? Und warum schiebt man dem nicht einen gesetzlichen Riegel vor indem von Auslaendern nur kleine Baugruende gekauft werden duerfen, fuer solche die dieses Land lieben und dort wohnen moechten ohne es auszubeuten.
    Aber persoenliche Bereicherung und "Freunderlwirtschaft" ist ja die Spezialitaet von Kaernten und besageten Personen, trotzdem wird seit Jahren kein Riegel vorgeschoben.

    • 16.06.2007 um 10:51 Uhr
    • protz

    Nicht nur die kroatische Küste, sondern alle interessante und attraktive Gebiete in CEE werden "kolonisiert", wobei die Konquistadoren von heute Banker, Immobilienentwickler und Fonds - Immobilienaktiengesellschaften. sind. Das ist in Istrien besonders kras, weil es einfach auf kleinstem Raum sehr sichtbar ist - ich bin Kroate und habe seit Jahren eine Ferienwohnung dort, und weiss woruber es geht. Erstens wird, abgesehen von rein prinzipieller Problematik solchen Vorhaben, sehr schlecht und undurchdacht gebaut (quasi "Luxus", im Prinzip Kitsch), zweitens viel zu dicht und städtebaulich schlecht, und, am Ende, werden solche Bauvorhaben langfristig zu extremen Spannungen führen. Das Prinzip ist einfach - durch die Börse das Geld sammeln, billig Grundstücke erwerben, ausschlachten und augenscheinlich "Luxuriös" bauen - im Wirklichkeit mit viel Sondermühl: Kunststofffenster, schlechte Materialien, etc. - dann alles bis max. 10 jahre (Abschreibungsfrist)vermieten-verwerten, und dann abstossen. Geblieben ist kein Wert, sondern max. sanierungsbedürftiges Haus, in einer durchaus problematischen Gegend.
    Langfristig könnte so etwas die europäische Idee (die sicher nicht vorher erwähntes ist)umbringen.

  2. Ihr Bericht ueber die Hypo Alpe ist lobenswert, aber etwas unvollstaendig.
    Bei der Hypo Alpe reiht sich ein Skandal an den anderen.

    Die Bank verdient den Namen Skandalpe

    Am 22.4. 2005 verkündete die Hypo-Alpe, sie habe für 20 Millionen Euro ein Grundstück in Belgrad von den staatlichen Behörden erworben. Was der Skandalpe-Vertreter vor Ort, Boris Ignjatovic, nicht erwähnte, war, dass es sich um ein Grundstück mit "Geschichte" handelt, genannt: "Three Tobacco Leaves", drei Tabakblätter. Es gehörte einst über Generationen der jüdischen Familie Galich. Zwei der Familienmitglieder kamen bei der Verteidigung des Gebäudes gegen Nazitruppen im Jahre 1944 ums Leben. Sie wurden von der SS erschossen.

    Unmittelbar nach dem Krieg errichtete die Familie Galich auf dem Grundstück unter großen Schwierigkeiten wieder ein Gebäude, bevor dann das Grundstück von Titos Regierung enteignet wurde. Das Gebaeude wurde von der Regierung Milosevic abgerissen. Das Grundstück blieb danach unbebaut und potentielle Investoren wurden von der Familie Galich kontaktiert und darauf hingewiesen, man wolle das Grundstück zurückverlangen. Die Investoren winkten daraufhin ab. Bis die Hypo-Alpe kam, kurz bevor ein Gesetz zur Restitution verabschiedet werden sollte, das bei unbebauten Grundstücken die Rückgabe vorsah und sich das Grundstueck schnappte. Ihr war die Geschichte des Grundstuecks und die Interessen der Galich Familie offenbar voellig gleichgueltig.

    Womit die Hypo Alpe aber nicht gerechnet hatte, war der Sturm der Entrüstung, der dann losbrach und in einer Demonstration am 23.Mai 2005, an die mehrere hundert Menschen teilnahmen, seinen Höhepunkt fand. Die Zeitungen fragten, ob die Hypo Alpe, die dort jetzt ein Hotel und Einkaufszentrum errichtet, Baubeginn diesen Sommer, nichts aus dem Skandal um den Ski-Athleten Kostelic gelernt habe.

    Ein Skiathlet namens Kostelic
    Der kroatische Ski-Athlet Ivica Kostelic wurde von der Hypo-Alpe gesponsert. Er hatte, wie auch Joerg Haider, Landeshauptmann Kärntens und damit Mehrheitseigentümer der Hypo-Alpe, der seinerzeit die hitlersche Arbeitsmarktpolitik als vorbildlich gelobt hatte, durch Nazi freundliche Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht.

    Ein paar Kostproben aus dem Jahre 2003:

    - Das Nazi-System sei ein gesundes System für einen
    ambitionierten Menschen;

    - Vor dem Start zu einem Wettkampf sei er vorbereitet
    gewesen wie ein deutscher Soldat am 22.Juni 1941 (Tag
    des Angriffs Hitlers auf die Sowjetunion);

    - Das Nazi-Regime sei 2000 Jahre römische Geschichte
    komprimiert auf 12 Jahre gewesen;

    - Die Kommunisten seien schlimmer als die Nazis
    gewesen, weil man unter den Nazis habe Karriere
    machen können;

    - Der Angriff der Nazi-Luftwaffe 1940/1941 auf
    Großbritannien habe Begeisterung bei ihm ausgelöst.

    Zur Erinnerung: England stand damals allein im Kampf gegen Hitler. In einem heroischen Kampf wehrten die britischen Piloten den Angriff der Nazi-Luftflotte ab. Dies führte zur Rettung Englands und wurde in der berühmt gewordenen Rede Churchills vor dem britischen Unterhaus gewürdigt: "Never before in history owed so many so much to so few"

    Man hatte erwarten können, dass die Hypo Alpe sofort diesen Kerl von der Liste der Gesponserten streicht, stattdessen akzeptierte man eine lauwarme Entschuldigung dieses "Vorzeigeathleten".

    Aber die Skandale der Hypo-Alpe reichen weiter zurueck.
    Fangen wir also im Jahre 1993 an.

    Da begann eine Bank unter dem Namen Czech Fund mit ihren Aktivitäten. Mit dabei bis zum Jahre 1996 der ehemalige Reagan- Sicherheitsberater während des Iran-Contra-Skandals Robert Mc Farlane.

    Die Firma verschmolz im Jahre 1996 mit einer Firma Eastbrokers International in dessen Verlauf ein gewisser Herr Kössner aus Wien Anteilseigner wurde. Er hatte schon eine Wiener Broker Firma unter dem Namen WMP Bank AG mehrheitlich besessen, die mit Eastbrokers verschmolzen wurde und sich nun Global Capital Partners nannte. Die WMP Bank wurde an Kössner zurückverkauft und er diese dann in “General Commerce Bank” umbenannte.

    Der Grund für dieses hin- und her war vielleicht Spurenverwischen, denn der Mehrheitsaktionär von Czech Industries, eine Firma Stratton Oakmont, war wegen Aktienbetrugs geschlossen worden, ein böses Omen!

    Die Hypo-Alpe-Adria Bank kommt ins Spiel
    Die Hypo-Alpe Adria Bank gehört zur Hälfte dem Land Kärnten/Österreich deren Landeshauptmann Jörg Haider ist, Österreichs Rechtsaussen, Saubermann und Ausländerfeind Nr. 1. Die Hypo-Alpe-Bank war Minderheitsaktionär in der WMP Bank und verkaufte Anleihen der Global Capital Partners an ihre Kunden, wertlose Papiere wie sich herausstellen sollte und das sollte sich noch bitter rächen. Kössner hatte mit grosser Sorgfalt diese Beziehungen zu der renommierten Bank aufgebaut. Er verlor allerdings durch Kapitalerhöhungen die Mehrheit in der Bank und damit den Einfluss auf das Geschehen.

    Dort tauchte nun Mitte 2000 eine CrackCrew bei der WMP/Genneral Commerce Bank Bank auf, die den Laden so richtig aufmischen sollte.

    Es handelte sich im einzelnen um

    1. Regis Possino, ehemaliger US-Rechtsanwalt
    - 1978 wegen Verkaufs von Kokain verhaftet
    - versuchte ausserdem einen Deal über einen monatlichen Verkauf von Kokain im Werte von US Dollar 680.000 zu landen.
    - Versuchte weiterhin gestohlenen Pfandbriefe unter das Volk zu bringen
    - Verhaftet erneut wahrend des Prozesses, weil er versuchte, eine Geschworene zu beeinflussen.
    - Verlust der Anwaltslizenz im Jahre 1984 wegen seiner kriminellen Aktivitäten.
    - 1996 erneut verurteilt wegen Aktienbetrugs.

    2. Sherman Mazur, US Amerikaner,
    - 1993 im US Bundesstaat Arkansas rechtskräftig wegen Scheckbetrugs zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Während der Zeit seines Gefängnisaufenthalts soll er einen Filipino namens Amador Pastrana beauftragt haben, seine kriminellen Aktivitaten fortzuführen.

    3. Amador Pastrana, Filipino
    König des internationalen Aktienbetrugs. Er soll wenigstens 100 internationale Zweigstellen des betrügerischen Telemarketings (Boiler Rooms) kommandiert haben.

    4. Rakesh Saxena, Inder
    internationaler Grossbetrüger, Resident in Kanada, das seit 10 Jahren über einem Auslieferungsbegehren von Thailand brütet. Soll in Thailand Betrug in Höhe von 2,2 Milliarden US Dollar begangen haben. Soll von Kanada aus unter Hausarrest weiter Betrügerein in grossem Stil begangen haben.

    5. Adnan Kashoggi
    internationaler Waffenhändler und Grossbetrüger. Zusammen mit Oliver North in den Iran-Contra Skandal verwickelt.

    6. Raoul Barthaumieu (auch Raoul Berthamieu) alias Lee Sanders. Kanadier belgischer Abstammung.
    - 1991 wegen Scheckbetrugs in den USA zu einer mehrjährigen Freiheisstrafe verurteilt. Traf dort auf Sherman Mazur

    Diese Herren organisierten nach Presseberichten in Wien Betrug im grossen Stil, indem die die General Commerce Bank in ein Zentrum des internationalen Aktienbetrugs verwandelten. Wertlose Wertpapiere sollen weltweit von dieser Crew verhökert worden sein. Der Schaden soll sich auf insgesamt 1 Milliarde US Dollar belaufen.

    Die Vorstrafen des Herrn Berthaumieu haben die Hypo Alpe Bank und deren Vorstand Dr. Wolfgang Kulterer keinswegs davon abgehalten, ihm im Jahre 2000 einen 100 Millionen Schilling Kredit zur Finanzierung zweier Lagerhäuser in Belgien ihm zu gewähren.

    Als die WMP Bank schliesslich ins Trudeln kam, spielte sich Berthaumieu als Sanier auf und zu diesem Zweck erhielt er nochmals von der Hypo-Alpe- Bank Kredit über mehrere Millionen Schilling. Gutes Geld hinter schlechtem Geld hergeworfen.

    Aber Herr Dr. Kulterer wusste von Nichts und hörte nichts von der Vergangenheit dieser Herren, im Gegenteil, er bezeichnete den vorbestraften Berthaumieu als seriös, das habe er polizeilich nachprüfen lassen. Bei der Polizei in Kärnten? Von einer Internet Suchmaschine hatte er offenbar noch nichts gehört.

    Im Herbst 2000 schliesslich machte Berthaumieu Herrn Dr. Kulterer von der Hypo-Alpe mit Herrn Khashoggi bekannt. Khashoggi wollte direkt bei der Hypo-Alpe Geschäftskonten eröffnen und brachte eine Reihe “interessanter” Geschaftsmodelle zu Sprache. Betrugsmodelle?

    Das war dann wohl selbst Herrn Dr. Kulterer etwas zuviel. Im Jahre 2001 flog dann alles auf und die Tür zur General Commerce Bank flog zu, amtlich mit Siegel. Herr Kössner wanderte ins Gefängnis, aber ein Prozess hat bis heute, nach 6 Jahren, noch nicht stattgefunden.

    Der US Staranwalt Ed Fagan, der schon Schweizer Banken und die Bundesrepublik mittels Klagen dazu gebracht hatte, Entschädigungszahlungen an ehemalige NS-Zwangsarbeiter zu leisten, hat die Hypo-Alpe Bank auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagt. Er wirft Kulterer und seiner Hypo-Mannschaft Insider Trading, Bilanzfälschung und Betrug vor.

    Da der Herr Bankdirektor Kulterer sich aber sehr bedrängt fühlte, hat er den schneidigen US Advokaten wegen gewerbsmässiger versuchter Erpressung angezeigt. Nun würde man vernünftigerweise erwarten, dass Herr Kulterer mit Schimpf und Schande davongejagt würde, aber das Gegenteil war der Fall.

    Ein Freund, ein guter Freund
    In Kärnten ist Haider der Boss als Landeshauptmann und damit grösster Aktionär der Hypo Alpe. Der bezeichnete den Dr. Kulterer auch als "Visionär" und "erfolgreichsten Bankmanager Österreichs".

    Kulterer liess sich nicht lumpen und gewährte Haider und seiner FPÖ einen Wahlkampfkostenerstattungsvorausschuss bis zum Jahre 2013. Offenbar werden die Wähler dort als beleihbares Eigentum und/oder als beleihbares Stimmvieh angesehen.
    Kulterer begleitete Haider, auch auf dessen Besuchsreise zu Libyens Staatschef Gadhaffi im Jahre 2000 als Gadhaffi noch zur "Achse des Bösen" gehörte. Und Kulterer begann seine Visionen umzusetzten.

    14 Tage im Jahre 2004
    Im Jahre 2004 stieg die Bank in das Geschäft mit SWAPS ein. Etwas, was man besser als Casino-Banking bezeichnet. Binnen 14 Tagen verlor die Bank bei diesem Roulette 328 Millionen Euro. Und wie Weinpanscher versuchten Hypo Manager den Verlust zu strecken. Das ist schon beim Wein verboten, erst recht bei Bankbilanzen. Und es flog auf.

    Kulterer musste seinen Platz räumen, durfte aber sofort auf dem Sitz des Aufsichtsratspräsidenten Platz nehmen. Dort sollte er ursprünglich geparkt werden, bis sich die Wogen gelegt hätten, und dann wieder Vorstandschef werden. So belohnt Haider Treue. Aber auf seine weiterlaufenden Vorstandsbezüge verzichtete Kulterer erst nach Protesten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt mittlerweile.

    Ein Koffer voller brisanter Dokumente
    Der Schatzmeister der Bank, Christian Rauscher, entwickelte offenbar Schuldgefühle und beschädigte sich selbst, aber als Überfall vorgetäuscht. Als die Polizei in seine Wohnung kam, stand dort ein Koffer, in dem sich angeblich Belastungsmaterial gegen die Bank en masse befunden haben soll. Die Polizei sah den Koffer, nahm aber weiter keine Notiz. Bankangestellte, die alarmiert worden waren, rannten in die Wohnung Rauschers und sicherten den Koffer. Der Polizei erklärten sie, der Koffer enthielte Bankgeheimnisse. Die Polizei liess sie ziehen. Gut, solche Kofferträger in einer Bank zu haben.

    Ein kroatischer Ex-General
    Im vergangenen Monat schliesslich wurde der ehemalige kroatische General Vladimir Zagorek verhaftet. Ihm wird Betrug, Geldwäsche pp. zur Last gelegt. Klar, dieser General war gern gesehener Kunde der Hypo-Alpe, dem man reichlich Kredit gab.

    Herr Kulterer schmiedete weiter Pläne während seine Parkuhr lief. Aber zunächst einmal wurde ihm im Hinblick auf seine grossartige Arbeit in der Hypo-Alpe eine neue Aufgabe angetragen. Er wurde Chef der Flick Privatstiftung und der FKF Vermögensverwaltung.

    Zur Erinnerung: Friedrich Karl Flick wollte nicht, dass seine Erben die angeblich zu hohen Erbschaftssteuern in Deutschland bezahlen müssen, dort, wo sein Vater, Friedrich Flick zum Milliardär wurde, nachdem er aus dem Kriegsverbrechergefängnis, in das er nach den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen eingeliefert worden war, entlassen worden war. FKF, der Sohn, wanderte vor seinem Tod mit (Geld)sack und Pack in das Erbschaftssteürparadies Österreich aus.

    Während Kulterer geruhsam auf der Parkbank verweilte, konnte die Hypo-Alpe Bank den Betrugsfall General Commerce Bank/Global Capital Partners nicht abschliessen. Dutzende Klagen von geprellten Kunden laufen gegen sie. Der erste, über eine Summe von 600.000 Euro, wurde im Juli 2005 letzinstanzlich wegen falscher Anlageberatung stattgegeben. Und natürlich stehen die Milliardenklagen des Ed Fagan weiterhin im Raum. Ausgang: Ungewiss

    Herr Kulterer schmiedet Pläne
    Ursprünglich sollte die Skandalpe im Jahre 2007 an die Börse gebracht werden. Daraus wurde angesichts der Skandale nichts. Deshalb streckte Kulterer seine Fühler nach Bayern aus und siehe da, die bayerische Landesbank zeigte grosses Interesse. Sie ist mit ihrem Vorsitzenden Werner Schmidt auf Expansionskurs, aber da Deutschland schon übergebankt ist, gibt es dort nichts mehr zu expandieren. Also: Los in den Süden. Der erste Versuch mit der BAWAG, einer anderen österreichischen Bank in dieser Richtung war kläglich gescheitert, nachdem dort ein Bankangestellter Millionen mit riskanten Finanzgeschäften in den Sand gesetzt hatte. Also: Neuer Versuch. Geld genug hat man ja. Aber Kulterer darf ja auch seinen zweiten Job nicht vergessen, den bei den Flicks..

    Herr Berlin kreuzt auf
    Und siehe da, rein zufällig taucht auch der Herr Berlin, mit den Flicks geschäftlich verbunden, bei der Hypo Skandalpe auf und kauft sich mit 4,5 Prozent ein. Die Erben Flick haben Herrn Kulterer Geld zur Geldvermehrung anvertraut – seid fruchtbar und vermehret Euch. Viele Milliarden sind eben noch nicht genug. Rein zufällig nimmt zu diesem Zeitpunkt auch Herr Kulterer die Kontakte mit der Bayerischen Landesbank auf. Diese verlaufen sehr erfolgreich. Und als sich das abzeichnet kauft Herr Berlin - rein zufällig- noch einmal 10% der Aktien.

    Bayern wertet Haider auf
    Um die Verkaufsverhandlungen auch politisch erfolgreich zu gestalten, fliegt Herr Haider am 16.5. nach München und trifft dort mit BayernLB Chef Werner Schmidt, aber auch mit Innenminister Beckstein und Finanzminister Faltlhauser zusammen.

    Sie machten, was die Europäische Union seinerzeit strikt abgelehnt hat, den Rechtsaußen Haider salonfähig. Und nicht nur über die Hypo-Alpe wurde gesprochen, sondern auch über eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Bayern und Kärnten von Landeshauptmann zu Ministerpräsident in spe.

    Zur Erinnerung: Als Haiders FPÖ im Jahre 2000 eine Koalition mit der ÖVP einging, da entschied die Europäische Union, die Kontakte zu Österreich als Antwort darauf einzuschränken. Haider erhielt Einreiseverbot nach Israel, Israel zog seinen Botschafter ab. Er hatte durch Bemerkungen wie: ”die österreichische Regierung solle sich Adolf Hitlers ordentliche Beschäftigungspolitik als Vorbild nehmen” auf sich aufmerksam gemacht. Fremdenfeindliche Äusserungen kamen im Wochentakt.

    Zuletzt wollte er den herzkranken noch nicht verurteilten angeblichen Wirtschaftskriminellen Helmut Elsner des Landes (Kärnten) verweisen, getreu dem Motto: „Kärnten muss sauber bleiben“ . Die zweisprachigen Ortsschilder an der Grenze zu Slowenien, dort lebt eine slowenische Minderheit, wollte er entfernen lassen, daran hinderte ihn jedoch ein Gerichtsbeschluss. Asylanten beschimpfte er als Parasiten.

    Und jetzt planen Beckstein und Haider an einem Tisch die gemeinsame Zukunft von Bayern und Kärnten im Allgemeinen und der Hypo-Adria Skandalpe im Besonderen.

    Herr Berlin verkaufte schnell seine Aktien an der Skandalpe und machte damit 145 Millionen Euro gut. 145 Millionen in fünf Monaten. Die Flicks wirds freuen. Es besteht aber der Verdacht, dass es sich um ein Insidergeschäft handelt. Und während bei seinem ersten Aktienkauf die Skandalpe nur mit 2,6 Milliarden bewertet wurde, sind es jetzt auf einmal 3,2 Milliarden, nächstes Jahr sollen es sogar 4,8 Milliarden sein. Billig einkaufen und teuer verkaufen, einfach durch eine unterschiedliche Bewertung.

    Und was wurde aus den WMP -Kriminellen?
    Regis Possino ist weiter “geschäftlich” unterwegs, zuletzt vor einem Jahr bei einer “Roadshow” in Asien, wo er 28 Millionen US Dollar "Anlagegelder" einsammelte für seine Firma “Geneva Equities”. Die Firma Geneva Equities war auch bei dem Verkauf von Aktien einer Luftlinie “L-Air” Belgien-Kanada involviert, einer Fluglinie, deren Flugzeuge nie abhoben, nur das Geld der Investoren flog davon - auf Nimmerwiedersehen

    Herr Mazur ist geschäftlich weiter in den USA tätig, zuletzt verkaufte er Wahlmaschinen einer Firma Accu Poll Holdings, in der seine Kinder Aktionäre sind. Die Aktien wurden nach dem Motto "pump and dump" über Boiler Rooms verscherbelt. Betrügerisches Telemarketing - ein anderes Wort dafür.

    Rakesh Saxena hatte nach zehnjähriger anstrengender Betrugstätigkeit unter Hausarrest in Kanada erst einmal eine Ruhepause eingelegt und wartete im Auslieferungsgefängnis von Vancouver/Kanada auf seine Auslieferung nach Thailand. Seit Dezember ist er wieder frei.

    Auch Herr Berthaumieu konnte sich keinen guten Ruf erwerben. Wer den Namen seiner Firma Pacific Federal SA in eine Suchmaschine eingibt, erhaelt jede Menge Warnungen, sich nicht geschaeftlich auf diese Firma einzulassen, sie reichen von der BBC ueber die britische Finanzaufsicht FSA bis zur belgischen Finanzaufsicht.

    Khashoggi soll sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufhalten und seinen wohlverdienten Ruhestand geniessen. Die Deutsche Bank hat voriges Jahr 350 Millionen US Dollar für einen Aktienbetrug bezahlt, in den nicht nur sie sondern auch Khashoggi verwickelt war, der Genesis Intermedia Skandal.

    Dr. Alexander von Paleske
    Arzt fuer Innere Medizin, Haematologie
    Head, Department of Oncology
    Princess Marina Hospital
    Gaborone/Botswana
    Ex Rechtsanwalt beim Landgericht Frankfurt (M)

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    Hypo- Alpe   USAdirekt

    WOW - was fuer eine Fuelle von Hintergrundinformation!
    Diese Geschichte gleicht den Verstrickungen der Berliner Bank - die allerdings als 'kleine Nummer' hierzu erscheint.

    Vielleicht haben Staatsanwaelte in Oesterreich ein Interesse, disen verzweigten Fall aufzurollen, der das Ansehen des Staatswesens nachhaltig beeintraechtigt.

  3. WOW - was fuer eine Fuelle von Hintergrundinformation!
    Diese Geschichte gleicht den Verstrickungen der Berliner Bank - die allerdings als 'kleine Nummer' hierzu erscheint.

    Vielleicht haben Staatsanwaelte in Oesterreich ein Interesse, disen verzweigten Fall aufzurollen, der das Ansehen des Staatswesens nachhaltig beeintraechtigt.

  4. Ich bin doch stark erstaunt, was hier so alles getrieben wird, ohne dass dem ein Riegel vorgeschoben wird.

    Wissen das, es passt dieses ja auf keine Kuhhaut, nicht gerade auch die Kärtner?! Wieso wählen sie Haider dann noch? (Die meisten Bayern dürften diese Seite von Herrn Beck wohl nicht kennen.)

    Die Kommentare waren mindestens so interessant wie der Beitrag.
    Wie will man hier in Afrika gegen die Korruption "kämpfen", wenn man dies noch nichtmal innerhalb der EU im Griff hat?!

  5. Hallo!

    Ich bin Kärntner und bin über Ihren Artikel sehr überrascht. Ist das wirklich von Ihnen belegbar was Sie hier schreiben?
    Die Hypo-Alpe-Adria hat bei uns in Kärnten einen sehr guten Ruf. Gilt als geschäftstüchtig und ehrlich.

    Wenn diese Gaunereien Tatsache sind, dann wird es Zeit diesen Leuten auch in Kärnten den Prozess zu machen.

    Was mich an solchen Berichten immer stört, ist die Tatsache, das einzelne im Unternehmen durch ihre selbstsüchtigen Gaunereien den Ruf und das Ansehen aller anderen schädigen und damit auch ihre Arbeit und Ihre Leistungen in den Dreck ziehen.

    Im Falle das Ihr Artikel auf Tatsachen beruht, reichen dieses Wissen an die Staatsanwaltschaft weiter, damit gutes gut bleiben kann und das üble aufgedeckt und abgestellt wird.

  6. Wir möchten lediglich darauf hinweisen daß wir zu diesem Thema speziell im öasterreichischem STANDARD auf die mafiosen Zustände in diesem Unternehmen hingewiesen haben und dies unzählige Male. Es wurden Personen genannt doch es rührte sich nichts und die österreichische Justiz war nicht nur blind sondern negierte zahlreiche Strafanträge gegen die BANK.
    Es wäre doch erstaunlich wenn da mal etwas ans Licht kommt und auch die geschädigten Kunden befriedigt werden.

    hypowatch

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    RE Hypo   hypowatch

    Wenn ich ihnen nun sage daß die Justiz im gleichen Boot ruderte, was sich nun hoffentlich ändern wird, was meinen Sie dazu ?

    hypowatch

  7. Nun ist es soweit auch der GRAWE CHEF Othmar Ederer hat sich nun von dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Dr. Kulterer distanziert der sogar noch nach auffliegen des SWAP Skandals von Haider in den Aufsichtsrat gehoben wurde, möglich gemacht durch eine Verfassungsänderung des Landes Kärnten.
    Kärnten ist eben anders.
    Auf Dr. Johann Quendler konnte man nun auch nicht mehr als Feuersalamander zurückgreifen denn dieser ist nun nicht mehr geschäftsfähig, auslöser war ein Unfall.

    Hypowatch

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  • Von Norbert Mappes-Niediek
  • Datum 13.6.2007 - 06:08 Uhr
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  • Quelle DIE ZEIT, 14.06.2007 Nr. 25
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