Beruf Zeitarbeit in der FührungsetageSeite 2/2
Christoph Deinhard mag diesen Vergleich nicht. Für ihn ist Interim Management die selbst gewählte Freiheit. Das erste Angebot bekam er wie die meisten eher zufällig. Manche werden dann fast süchtig nach der schnellen Veränderung. »Dafür braucht man eine Veranlagung«, sagt Deinhard. »Wer nicht bereit ist, ohne Netz auf dem Seil zu tanzen, der sollte die Finger davon lassen.« Abenteuerlust gehöre dazu, Durchhaltevermögen, nicht die heimliche Hoffnung auf eine Festanstellung. Jeder Zehnte wird nach einem Einsatz übernommen. »Aber Interim Manager aus Verzweiflung – das klappt nicht«, sagt Vera Bloemer. Denn Selbstvermarktung ist ein entscheidendes Erfolgskriterium, genauso wie Begeisterungsfähigkeit, schnelle Auffassungsgabe und überdurchschnittliche Sozialkompetenz.
Eine Schonfrist gibt es für Interim Manager nicht. Sie müssen in wenigen Tagen Ergebnisse vorweisen, manchmal Anfeindungen aushalten. Dabei hilft, dass sie nicht kommen, um zu bleiben. Weil sie an internen Machtkämpfen nicht teilnehmen, gewinnen sie das Vertrauen der Mitarbeiter leichter. »Ohne Einsicht durch Überzeugung geht es nicht«, sagt Wolfgang Gill, der auch schon laute Betriebsversammlungen erlebt hat. »Sonst bin ich weg, und alles ist beim Alten.« Wie Deinhard legt er Wert darauf, dass er in allen Unternehmen immer noch willkommen ist.
Es ist seine beste Referenz. Nur zwei seiner bisher sieben Mandate hat Gill über professionelle Vermittler bekommen. Interim-Management-Provider verlangen eine Gebühr für die Aufnahme in ihre Datenbanken und behalten bei Mandatsvermittlung bis zu 30 Prozent des Tagessatzes ein. Etwa 20 seriöse Anbieter gibt es in Deutschland. Doch das meiste läuft immer noch über persönliche Kontakte – Netzwerke, die man gut pflegen muss. Gill wirbt außerdem Kunden, indem er Vorträge hält. Er verspricht, dass sich bis zu 50 Prozent der Kosten einsparen lassen, wenn man nicht nur kaufmännisch vorgeht, sondern die Produktion umstellt. Er kann das nur aufgrund seiner Fachkompetenz und seiner langen Praxis in der obersten Hierarchieebene.
Um solche Qualitätsmerkmale zu sichern, hat Jens Christophers die Dachgesellschaft Deutscher Interim Manager gegründet. Skeptisch sieht er, dass Unternehmensberatungen ihre Dienstleistung immer öfter in einem Paket mit Interim Management anbieten. »Der Interim Manager gibt nicht nur Empfehlungen«, erklärt Christophers, »er sorgt selbst für ihre Umsetzung.« Und er muss für seine Erfolge geradestehen. Der Verbandschef zählt nur rund 2.000 Spezialisten zum kleinen Kreis der »wirklich professionellen« Interim Manager in Deutschland. Viele Interim-Management-Provider sprechen von annähernd 10.000.
Für Anselm Görres, Chef von Zeitmanager München und Vorsitzender von AIMP, einem bundesweiten Arbeitkreis führender Provider, muss der Interim Manager nicht mehr der Herkules sein, der alles kann. Die Provider sehen, wie Berater, Headhunter und auch einige Zeitarbeitsfirmen in ihren Markt einbrechen. Und positionieren sich deshalb neu. Görres vermittelt auch Ingenieure, IT-Spezialisten und Controller, die als Gruppenleiter Tagessätze von unter 1.000, manchmal nur 500 Euro bekommen. Er spricht schon jetzt lieber vom »Interim Professional«.
- Datum 21.06.2007 - 03:24 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 21.06.2007 Nr. 26
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