Die gute Nachricht: An mehr als 1.700 deutschen Schulen wurde in den vergangenen neun Jahren der Mathematikunterricht verbessert; 10.000 Lehrer haben mitgewirkt, der Bund und die meisten Länder Geld und Personal investiert. Das Besserungsprogramm heißt Sinus (Steigerung der Effizienz des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts) und ist die Antwort auf die schwachen Mathematikleistungen der deutschen Schüler in internationalen Schulstudien. Als eine Ursache dafür wurde der öde deutsche Unterricht identifiziert: Die Schüler trotten dem Lehrer auf seinem Lösungsweg hinterher. Durch Sinus haben Lehrer praxisnähere Aufgaben entwickelt, gemeinsam den Unterricht vorbereitet, Fehler als Gelegenheit zum Lernen entdeckt und gelernt, ihre Schüler gezielter zu fördern. Sinus ist das Musterbeispiel für ein groß angelegtes Programm zur Unterrichtsentwicklung. Es lässt ahnen, dass es Auswege aus der Schulmisere gibt.

Und die schlechte Nachricht? Es gibt hierzulande rund 35.000 Schulen – und am 31. Juli endet die länderübergreifende Koordinierung von Sinus. Von nun an werkeln die Länder, sofern sie Geld und Interesse haben, unter eigener Regie vor sich hin. Mit Glück breitet sich so der Sinus-Virus weiter aus. Wenn die Länder das Thema schleifen lassen, versickert eine der vielversprechendsten Reformideen. Das wäre eine Katastrophe! Thomas Kerstan