Jetzt lässt er die Triosonate erforschen

»Und wie es ist«, ergänzt Finscher oben in seiner Forscherstube am Rande Wolfenbüttels, zurückblickend auf die letzten sechshundert Jahre, »das kriegen die Akteure ja selbst nicht mit.« Das müssten sie schon bei ihm nachlesen. Wie aber ist es jetzt? Nach dem Ende der Neuzeit, deren Anfänge ihm so vertraut sind? »Für die Musik seit 1945 fehlen mir die Maßstäbe, weil es keine verbindliche Musiksprache mehr gibt. Bei Ligeti hört man noch einen Traditionsbezug, da habe ich etwas, woran ich mich festhalten kann. Ich war auch mit ihm befreundet. Sonst ist mir die ungeheure Fülle der Phänomene ein bisschen unheimlich.« Auf einmal weht das frühe 21. Jahrhundert sehr kalt ums Haus. Wie zum Schutz davor verteilt sich auf der Treppe zur Forscherstube demonstrativ eine ganze Familie großer, flauschiger Eisbären aus Stoff.

Die haben Finscher und seine Frau vom Preisgeld gekauft. Keinen Erstdruck, kein Komponistenporträt, nein, Stofftiere. Er mag sie halt. Im Übrigen wird er nicht eine Million Schweizer Franken in Eisbären investieren. Die Hälfte stiftet er einem Projekt zur Erforschung der Triosonate, der nobelsten Form zwischen 1650 und 1780. Es soll ein Musterfall der Gattungsgeschichte werden.