Roman Der Sommer des LebensSeite 3/3

Komm, gehen wir ist ein Roman über die Unmöglichkeit zu lieben. Das Buch enthält mindestens dreißig herrliche einfache Kernsätze über die Kompliziertheit der Liebe, über die Sehnsucht nach der Liebe und das Begehren eines Schwulen. »Linkshänder im Kopf« heißt das im Roman, der zeigt, dass der Mensch die Tendenz hat, die besten Tage des Lebens zu übersehen, weil er denkt, dass noch bessere kommen. Oder weil er, was noch wahrscheinlicher ist, nicht unterscheiden kann, was Liebe ist und was nicht! »Laufstall-Leben«, auch so ein Stadler-Wort.

Komm, gehen wir ist ein Roman über die Versuchung. Die Versuchung, sich verführen zu lassen, dann wegzulaufen und sich wie ein Kind hinter der eigenen Hand zu verstecken. Es ist ein Buch über das Grauen, das von tüchtigen, zielorientierten Frauen ausgehen kann. Komm, gehen wir ist überhaupt kein nettes Buch über Frauen. Rosemarie, Hermine und andere Nebenfiguren, Tante Paula ausgenommen, sind zum Fürchten.

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Komm, gehen wir ist auch ein Buch über die späten siebziger Jahre. Roland, dieser unmögliche Liebende, diese herzzerreißend untüchtige Figur, steht quer zur Zeit. Er ist der Beobachter, der um den Preis des Zusehens nicht mitspielen kann. Jim schläft mit Rosemarie und Hermine, und Rosemarie wieder mit einem anderen. Roland ist der Einsame, der Schriftsteller wird, weil er alles in einem Buch aufschreiben muss und ahnt, dass er mit »seinen kleinen Sätzen niemals in der großen Welt landen« wird. Roland, der Chronist des Unglücks, erkennt, dass die Liebe eine »Tür war, die nach innen« aufging.

Der Roman ist eine Mehrfach-Hommage: an Pasolini, an Truffauts Jules und Jim und an Julien Green, den amerikanischen Konvertiten, der in vielen seiner vielen Bücher den Konflikt zwischen religiösem Glauben und Homosexualität beschreibt. Der leicht kriminelle dunkellockige Verführer Jim ist die Wiedergeburt Adrians aus Stadlers Roman Ein hinreißender Schrotthändler.

Roland tröstet sich mit Verzweiflungsschnulzen Udo Lindenbergs, und Arnold Stadler ruft Roland »Kopf hoch!« und andere unmögliche Weisheiten zu und mischt die Dummheiten des allgemeinen Lebens mit Spott: »Wie war’s? – War’s schlimm?« Hier endet sein Tag-und-Nacht-Flug querfeldein durchs Gelände von Mann und Mann und Frau. Komm, gehen wir ist ein starkes, leicht geschriebenes Buch über ein rutschiges Thema. Arnold Stadler erzählt Rolands verflixte Geschichte mit vitalem Schalk, Intelligenz, Humor. Die Liebestrauer ist der Triumph des Romans.

Komm, gehen wirBelletristikRomanArnold StadlerBuchS. Fischer Verlag2007Frankfurt a. M.18,90395
 
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