Die Patientin betritt eilig die nagelneue Zahnarztpraxis im Zentrum von Krefeld. Mit einem Schritt überquert sie die Fußmatte am Eingang. Die ist halb grün, halb blau, in der Mitte prangt in weißer Schrift: McZahn. Schon steht die Patientin am Empfang. Elberg, Manuela, 43 Jahre, Altenpflegerin, gesetzlich versichert. Sie braucht drei neue Kronen und eine neue Frontzahnbrücke. Sie zahlt dafür: nichts.

McZahn klingt wie McDonald’s, und das soll es auch. McZahn will eine Marke werden. Ein Fielmann für die Zähne. Die jungen Arzthelferinnen hier tragen weiße T-Shirts, auf dem Rücken dasselbe Logo wie auf der Matte am Eingang. Eine boomende Ablegerpraxis gibt es derzeit in Stuttgart, viele weitere würde McZahn gern bundesweit eröffnen. »Zahnersatz zum Nulltarif« heißt der Slogan. Es scheint, als hätten deutsche Ärzte den Wettbewerb entdeckt.

Doch schon geißeln Kritiker die Verramschung der Heilkunde – und die berufsständischen Vereinigungen leisten heftigen Widerstand. Erst vor Kurzem hat der Zulassungsausschuss der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Nordrhein (KZV) drei Zahnärzten, die im Praxisnetz von McZahn mitmachen wollten, die Zulassung verweigert. Der Ausschuss fürchte um die freiberufliche Stellung und Unabhängigkeit der Zahnärzte, sagte ein KZV-Sprecher. Inzwischen laufen Widerspruchsverfahren gegen die abschlägigen Zulassungsbescheide. In den kommenden Wochen soll über sie entschieden werden. Notfalls will McZahn den Streit vor das Landessozialgericht bringen.

Die Kassenmediziner verweigern McZahn-Ärzten die Zulassung

»Die Zahnmedizin ist eine pharisäerhafte Branche«, sagt Werner Brandenbusch, Chef von McZahn und ehemaliger Textilunternehmer. Zu seiner Rechten am langen weißen Besprechungstisch der Krefelder Praxis sitzt Pressereferent Egon Peifer, zu seiner Linken Herr Yeh. Herr Yeh habe in China beste Kontakte, sagt Brandenbusch.

McZahn fliegt seinen Zahnersatz aus zwei Labors in Shanghai und Hongkong ein. Eine sogenannte Nichtedelmetallkrone mit keramischer Vollverblendung beispielsweise ist dort für rund 60 Euro zu haben – deutsche Hersteller verlangen das Drei- bis Vierfache.

Zwar ist die Idee nicht neu, zahntechnische Arbeiten – die bei einer prothetischen Behandlung fast zwei Drittel der Gesamtkosten ausmachen – ins Ausland zu verlagern. Die Bremer Firma dentaltrade etwa beliefert nach eigenen Angaben bereits 1.500 hiesige Praxen mit chinesischen und türkischen Importen.

Doch McZahn möchte das Importkonzept nun mit einem bundesweiten Praxisnetz auf Franchisebasis verbinden. Wenn ein Zahnarzt teilnehmen will, zahlt er eine Einstiegsgebühr von 35000 Euro und tritt 20 bis 45 Prozent seiner Honorare ab. Im Gegenzug bekommt er eine schlüsselfertige Praxis in günstiger Lage mit acht bis zehn Behandlungsräumen gestellt. Außerdem übernimmt McZahn für alle Praxen die Verwaltung und kauft Materialien zu Rabattpreisen ein.

Unter dem Strich spart das System so viel Kosten, dass sich die Behandlung aus den Zuschüssen der Krankenkassen bestreiten lässt und der Patient auch ohne Bonusheft nichts zuzahlt – vorausgesetzt, er begnügt sich mit der Regelversorgung. Doch selbst wer Sonderwünsche hat, ein Keramik-Onlay oder eine Goldkrone will, legt bei McZahn weniger drauf als bei vielen anderen Ärzten.

Manuela Elberg sitzt inzwischen auf einem der schlichten grauen Stühle im Wartezimmer von McZahn. 600 Euro hätte sie bei ihrer alten Zahnärztin zuzahlen müssen. Die habe sie in ihrer Entscheidung für den Discounter sogar unterstützt: »Gehen Sie zu McZahn, da können Sie etwas sparen.« Obwohl die Kassen in Härtefällen einen doppelten Zuschuss gewähren, gibt es in Elbergs Bekanntenkreis doch manche, die sich Zahnersatz nicht leisten wollen oder können. Auch sie selbst wartete – trotz Zahnschmerzen – lieber vier Monate auf einen Termin bei McZahn.

Wenn der Discounter sein Geschäftsmodell bundesweit durchsetzen kann, könnte er in ein paar Jahren womöglich fünf Prozent des milliardenschweren deutschen Zahnersatzmarktes abdecken, meint Holger Lehmann. Der Düsseldorfer Betriebswirt sagt das ohne Neid, obwohl er den Markt selbst aufrollen will – allerdings von einer anderen Seite.

So hat Lehmann bereits Anfang 2005 die Internetplattform 2te-ZahnarztMeinung.de gestartet. Sie funktioniert ähnlich wie das Auktionsportal eBay – nur dass die Preise auf der Zahnplattform nach unten gehen. Der Patient gibt zunächst die Daten aus dem Heil- und Kostenplan ein, der vor jeder prothetischen Behandlung vom Zahnarzt erstellt wird. Dieses Angebot unterbieten dann andere Ärzte mit eigenen Kostenschätzungen, und nach einer bestimmten Frist kann sich der Patient für den besten Deal entscheiden. Gerade bei aufwendigen Behandlungen lässt sich der Eigenanteil oft um die Hälfte drücken.

Rund 25.000 solcher »Auktionen« seien bisher über die Zahnbörse abgewickelt worden, sagt Lehmann – bei weiterhin wachsenden Umsatzzahlen. Discount-Medizin liegt im Trend. Auch Tanja Stanges Behandlung ist von einem Zahnarzt ersteigert worden. »Ich bin sehr zufrieden«, sagt die 36-jährige Münchnerin. Sechs Inlays, ein Implantat – mehr als 4.000 Euro sollte sie bei einem Mediziner in München dafür hinlegen. Zwar hat sie eine Zusatzversicherung, aber die 1.800 Euro für die Implantatschraube aus Titan wären in jedem Fall an ihr hängen geblieben. Über 2te-ZahnarztMeinung.de fand Stange dann einen anderen Münchner Arzt, nur zehn Minuten mit der Tram entfernt, bei dem sich ihr Anteil auf 800 Euro reduzierte.