Discount-Medizin Billig will ich!Seite 3/3

»Gucken wir mal«, ruft Oliver Desch, der medizinische Kopf von McZahn, und eilt zu Manuela Elberg ins Behandlungszimmer. Sie lehnt im blau-weißen Behandlungsstuhl, sichtlich nervös, das sei sie beim Zahnarzt immer, sagt sie. Beim vorigen Termin hatte man ihr ein Provisorium eingesetzt, das Desch nun mit kräftigem Zug an einer kleinen Zange aus dem Mund bugsiert. Darunter kommen die abgeschliffenen Zähne zum Vorschein. Auf dem Nebentisch stehen schon die neuen Kronen und die Brücke aus China.

»Zahnersatz aus dem Ausland muss nicht per se schlechter sein als in Deutschland gefertigter«, räumt selbst KZBV-Chef Jürgen Fedderwitz ein. Tatsächlich gibt es bisher keine einzige wissenschaftliche Untersuchung, in der die Qualität von deutschem und importiertem Zahnersatz verglichen worden ist. Zwar halten nicht wenige Zahnmediziner eine enge Zusammenarbeit mit einer Zahntechnikfirma vor Ort für vorteilhaft, gerade bei komplexen Behandlungen. Die Befürworter des Importkonzepts dagegen betonen, es sei wesentlich wichtiger, dass der Zahnarzt einen einwandfreien Gebissabdruck anfertige. Wo man die Prothese dann herstellen lasse, sei zweitrangig. Ohnehin muss importierter Zahnersatz zunächst von einem deutschen Zahntechniker kontrolliert werden, bevor er in den Mund des Patienten gelangt.

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Desch und Kollegen wollen nun objektive Daten bereitstellen – und haben den angesehenen Prothetikspezialisten Thomas Kerschbaum von der Universität Köln vertraglich verpflichtet. Kerschbaum soll in seinem Labor die Güte der chinesischen Importe an Stichproben prüfen.

Unterdessen bemühen sich auch die Internetbörsen, den Ruf des Qualitätsdumpings loszuwerden. Einige Krankenversicherungen haben sie bereits für sich gewonnen. So werben auf 2te-ZahnarztMeinung.de zahlreiche Betriebskrankenkassen sowie die AOK Niedersachsen und die AOK Schleswig-Holstein ganz offen mit ihrem Logo. Abwegig ist das nicht, bieten doch die Auktionsportale eine völlig neue Form der Qualitätssicherung: Zu jedem mitbietenden Arzt kann man die Beurteilungen früherer Patienten lesen.

Die Patienten bewerten ihren Arzt im Internet

Genau das hat Annette Weber überzeugt. Die 39-Jährige aus Starnberg wollte ihre Kurzsichtigkeit per Lasereingriff korrigieren lassen, hätte dafür aber in München rund 5.000 Euro bezahlen müssen. Bei dem Eingriff wird mit einem Laserstrahl etwas Hornhautgewebe abgetragen, was die Brechkraft des Auges verändert. Auf Arzt-Preisvergleich.de offerierte ein Kölner Augenarzt, die Operation für knapp 2.000 Euro zu machen. »Natürlich war ich skeptisch, immerhin ging es um meine Augen«, sagt Weber. Die Internetbörsen sind noch so neu, dass sich nicht sagen lässt, ob man bei günstigeren Anbietern mit Qualitätseinbußen rechnen muss. Indes habe der Kölner Arzt zahlreiche positive Bewertungen gehabt, erzählt Weber. Sie fuhr hin, sprach mit ihm, erst dann entschied sie sich zur Operation. Seitdem sehe sie völlig scharf – ohne Brille. Im Nachhinein erscheine ihr der Augenarzt in Köln sogar seriöser als der Münchner Mediziner, der in seiner Praxis über keinen eigenen Laser verfügte und die Behandlung in einer fremden Klinik durchführen wollte.

Doch trotz ihrer positiven Erfahrung plant Annette Weber nicht, in Zukunft nur noch Doktorshopping zu betreiben – was Kritiker als Gefahr der Auktionsbörsen anführen. Zu einem fremden Zahnarzt beispielsweise würde sie nicht gehen, sagt Weber. »Ich weiß, dass meiner teuer ist, aber ich habe zu ihm Vertrauen.«

Manuela Elberg dagegen ist froh über den Wechsel. Sie bleibe bei McZahn, sagt sie. Die Wattepolster hat sie wieder ausgespuckt, den Mund gespült, Kronen und Brücke scheinen gut zu sitzen. Acht Wochen lang soll sie Probe kauen. Dann wird der Zahnersatz endgültig einzementiert. Erleichtert gleitet sie aus dem Behandlungsstuhl, packt ihre Sachen, eilt zum Empfang und verschwindet über die grün-blaue Fußmatte zur Tür hinaus.

 
Leser-Kommentare
    • QUOTE
    • 24.06.2007 um 12:41 Uhr

    ...wir müssen ALLE FLEXIBLER werden, gell? LEISTUNGSFÄHIGER. Und wir müssen den Gürtel ENGER schnallen, unsere ANSPRÜCHE herunterschrauben, und uns vom BESITZSTANDSWAHRERDENKEN verabschieden, nicht wahr? Denn die Globalisierung eröffnet uns so viele neue CHANCEN...ist es nicht das, was uns Eure "F." "D." P. immer gepredigt hat?

    Gott, würd ich mich freuen, wenn Euch diese Ketten so richtig den ***** aufreißen würden. Damit Euch auch mal der Wind von Globalisierung und freiem Wettbewerb mal so richtig um die Nase weht...

    Das Rennen nach UNTEN ist in vollem Gange...warum solltet ausgerechnet Ihr am Rande stehenbleiben und zuschauen?

    • Anonym
    • 24.06.2007 um 12:34 Uhr

    Gegenfrage, ob es ethisch ist, wenn mein Zahnarzt - ich bin beihilfeberechtigter "Privatpatient" - nicht den als "Schwellenwert" bezeichneten 2,3-fachen Satz sondern den 3,5-fachen Satz im Voranschlag fordert? Erwartungsgemäß wurde dieser erhöhte Satz abgelehnt und siehe da, dann wurde ich zum "Schwellenwert"-Satz behandelt, nachdem ich unmißverständlich deutlich machte, von einem anderen Zahnarzt die Behandlung ausführen zu lassen.

    "Privatpatienten" werden wahrscheinlich bestätigen können, daß sie mit erhöhten Sätzen ähnliche Erfahrungen machten. Zwar würde ich überlegen, ob ich den Zahnarzt "vor Ort" ohne weiteres "eintauschen" möchte, begrüße aber diese Konkurenz, die bekanntlich das Geschäft belebt.

  1. Liebe Eule16, arbeiten Sie auch noch zu Löhnen von 1988? Seit 1988 wurde die Gebührenordnung für Zahnärzte nicht angepasst. Das man da mal den 3,5fachen Satz berechnet, kann doch wohl verstanden werden? Zu mal demnächst nur noch der 1,7fache Satz beihilfeberechtigt sein wird.
    Zahnersatz im Ausland? Nur zu, vernichtet Arbeitsplätze in Deutschland, erhöht die Sozialbeträge, die die noch arbeitenden Menschen bezahlen müssen, vernichtet noch mehr Arbeitsplätze.
    Mein Zahnlabor hatte vor zwei Jahren noch 14 Angestellte, heute nur noch 3!!!

  2. @landzahni: ... weil Sie auch den Wettbewerb spüren, der uns einfachen Arbeitnehmern und Unternehmen im Nacken sitzt. Sie sollten sich mal Gedanken darüber machen, woher ein einfacher Arbeitnehmer die Gelder nehmen soll, die für erforderliche OPs verlangt werden, aber nicht von der GKV bezahlt werden. Zu der Arbeitslosigkeit, die Sie prophezeien: sorry, irgendwann kommt das auch bei Ihnen an. Wenn Sie nicht besser sind als das Ausland, müssen Sie halt billiger sein. Sowas nennt man Globalisierung, fragen Sie die - schon angesprochene - FDP.

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    Mein Privathonorar - und nur darum ging es - als Zahnarzt hat sich seit 1988 (!!!!) nicht geändert. Also wurden die festangestellten Helferinnen ersetzt, durch ungelernte 400 Euro Kräfte.
    Da meine Kollegen im Ausland Zahnersatz anfertigen lassen, hat das angesprochene Labor - das nicht in meinem Besitz ist, es ist nur das Labor, mit dem ich zusammenarbeite - die Angestellten entlassen. Für mich ein Vorteil: mein Zahnlabor hat jetzt mehr Zeit für meine Patienten. Und die Arbeit wird besser - und deshalb kommen selbst hier auf dem Land mehr anspruchsvolle Patienten zu mir. Und deshalb haben es auch die GKV-Patienten besser, weil deren Zahnersatz auch besser wurde. Und auch diese Patienten aus einer armen Region in Deutschland zahlen deshalb gerne etwas drauf, weil sie gerne auch den Backenzahn weiß verblendet haben möchten, was die GKV nicht bezahlt! Und manche Verblendungen bleiben auch einfach übrig, werden also kostenlos erstellt. Nebenbei: von dem verblendeten Backenzahn habe ich gar nichts, mein Honorar bleibt gleich! Da ich aber mehr Privatpatienten habe als noch vor ein paar Jahren, habe ich auch wieder eine festangestellte gelernte Zahnarzthelferin.
    Kauft nur weiter im Ausland ein, aber erwartet nicht dass euer Backenzahn verblendet wird

    Mein Privathonorar - und nur darum ging es - als Zahnarzt hat sich seit 1988 (!!!!) nicht geändert. Also wurden die festangestellten Helferinnen ersetzt, durch ungelernte 400 Euro Kräfte.
    Da meine Kollegen im Ausland Zahnersatz anfertigen lassen, hat das angesprochene Labor - das nicht in meinem Besitz ist, es ist nur das Labor, mit dem ich zusammenarbeite - die Angestellten entlassen. Für mich ein Vorteil: mein Zahnlabor hat jetzt mehr Zeit für meine Patienten. Und die Arbeit wird besser - und deshalb kommen selbst hier auf dem Land mehr anspruchsvolle Patienten zu mir. Und deshalb haben es auch die GKV-Patienten besser, weil deren Zahnersatz auch besser wurde. Und auch diese Patienten aus einer armen Region in Deutschland zahlen deshalb gerne etwas drauf, weil sie gerne auch den Backenzahn weiß verblendet haben möchten, was die GKV nicht bezahlt! Und manche Verblendungen bleiben auch einfach übrig, werden also kostenlos erstellt. Nebenbei: von dem verblendeten Backenzahn habe ich gar nichts, mein Honorar bleibt gleich! Da ich aber mehr Privatpatienten habe als noch vor ein paar Jahren, habe ich auch wieder eine festangestellte gelernte Zahnarzthelferin.
    Kauft nur weiter im Ausland ein, aber erwartet nicht dass euer Backenzahn verblendet wird

  3. ... dass dem mafiösen deutschen "Gesundheitssystem" endlich das Genick gebrochen wird. Nirgendwo sonst zahlen Kunden solche Wucherpreise für solchen Pfusch wie in der speziell deutschen Medizin. Nirgendwo sonst sind die Rechte den Kunden so eingeschränkt. Ich kann nur jeden beglückwünschen der es sich erlauben kann seinen Arzt im Ausland aufzusuchen. Dort bekommt man für das gleiche Geld einen richtigen Fachmann, der sich mit den Problemen der Medizin wirklich auskennt. Medizintourismus sehe ich nicht nur als Geldersparnis, sondern weil ich im Ausland einfach mit modernerer Technik, mehr Ehrlichkeit, mehr Qualität und mehr medizinischer Erfahrung behandelt werde.

    Wenn sich in Deutschland Ärzte dazu aufraffen den Menschen endlich als Kunden zu akzeptieren dann ist das sehr zu begrüßen.

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    Im Ausland zahlt der einheimische Bürger oftmals gar nichts, als Ausländer und Privatpatient zahle ich aber dort wesentlich mehr als ich hier in Deutschland bezahlen muss! Und meine Versicherung in Deutschland erstattet mir selbst diese höheren Gebühren! Erfahrungen aus Schweden

    Im Ausland zahlt der einheimische Bürger oftmals gar nichts, als Ausländer und Privatpatient zahle ich aber dort wesentlich mehr als ich hier in Deutschland bezahlen muss! Und meine Versicherung in Deutschland erstattet mir selbst diese höheren Gebühren! Erfahrungen aus Schweden

  4. Tja, nun fällt eine weitere Hochburg der Überregulierung
    Gerade wenn ein solches Geschäftsmodell Erfolg haben sollte (und ich bin davon überzeugt), dann bleiben über kurz oder lang die bisher vorgeschobenen Argumente seitens der Ärztelobby auf der Strecke.
    Anstatt sich nun über den McZahn aufzuregen, sollten die Ärzte sich einmal mit den Mechanismen der freien Marktwirtschaft vertraut machen und nicht mit altvorderen Argumenten ein Jammertal besingen. Wir als kleines Maschinenbauunternehmen müssen uns jeden Tag mit diesen Gesetzmäßigkeiten abfinden. Aber statt zu jammern suchen wir nach Lösungen. Sei es durch innovative Technik oder durch einen spitzen Bleistift oder auch den berühmten Rotstift. Nur so wird nämlich ein Schuh draus.

  5. Mein Privathonorar - und nur darum ging es - als Zahnarzt hat sich seit 1988 (!!!!) nicht geändert. Also wurden die festangestellten Helferinnen ersetzt, durch ungelernte 400 Euro Kräfte.
    Da meine Kollegen im Ausland Zahnersatz anfertigen lassen, hat das angesprochene Labor - das nicht in meinem Besitz ist, es ist nur das Labor, mit dem ich zusammenarbeite - die Angestellten entlassen. Für mich ein Vorteil: mein Zahnlabor hat jetzt mehr Zeit für meine Patienten. Und die Arbeit wird besser - und deshalb kommen selbst hier auf dem Land mehr anspruchsvolle Patienten zu mir. Und deshalb haben es auch die GKV-Patienten besser, weil deren Zahnersatz auch besser wurde. Und auch diese Patienten aus einer armen Region in Deutschland zahlen deshalb gerne etwas drauf, weil sie gerne auch den Backenzahn weiß verblendet haben möchten, was die GKV nicht bezahlt! Und manche Verblendungen bleiben auch einfach übrig, werden also kostenlos erstellt. Nebenbei: von dem verblendeten Backenzahn habe ich gar nichts, mein Honorar bleibt gleich! Da ich aber mehr Privatpatienten habe als noch vor ein paar Jahren, habe ich auch wieder eine festangestellte gelernte Zahnarzthelferin.
    Kauft nur weiter im Ausland ein, aber erwartet nicht dass euer Backenzahn verblendet wird

  6. Im Ausland zahlt der einheimische Bürger oftmals gar nichts, als Ausländer und Privatpatient zahle ich aber dort wesentlich mehr als ich hier in Deutschland bezahlen muss! Und meine Versicherung in Deutschland erstattet mir selbst diese höheren Gebühren! Erfahrungen aus Schweden

    Antwort auf "Es ist an der Zeit..."

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