Henry Kissinger Bilanz eines BeratersSeite 6/6

Kissinger : Mein Problem mit dem Deutschen ist, dass ich mich nicht so präzise ausdrücken kann wie auf Englisch. Ein privates Gespräch ist kein Problem, und je länger ich in Deutschland bin, desto besser geht es. Aber jedes Mal, wenn ich mich mit deutschen Professoren auf Deutsch unterhalte, verstehe ich nichts mehr. Natürlich kann ich eine schriftliche Rede auch auf Deutsch halten, aber Sie wissen ja: Eine abgelesene Rede garantiert, dass Ihnen das Publikum nicht zuhört.

ZEITmagazin LEBEN : Vor zwei Jahren erzählten Sie bei einem Europabesuch, Sie wollten am nächsten Tag nach Fürth fahren; Sie wüssten nicht, ob es nicht vielleicht das letzte Mal sei.

Kissinger : Ja, in meinem Alter liegt der Gedanke nahe. Ich bin früher gern und viel gereist, heute fällt mir das schwerer. Ich fühle mich persönlich meiner Heimat immer noch sehr eng verbunden, und das hat sich über all die Jahrzehnte nicht geändert.

ZEITmagazin LEBEN : Hat diese Verbundenheit im Alter zugenommen?

Kissinger : Das ist mir zumindest nicht bewusst geworden. Ich informiere mich noch immer an jedem Wochenende, wie mein Verein, die Spielvereinigung Fürth, gespielt hat. Und ich kann Ihnen sagen, es ist ein Jammer. Seit Jahren scheitern sie oft ganz knapp, manchmal nur wegen des Torverhältnisses, am Aufstieg in die Bundesliga. Wobei ich mich immer noch daran gewöhnen muss, dass mein Verein jetzt Greuther Fürth heißt, nicht mehr nur Fürth. Greuther war mir in meiner Jugend nicht bekannt.

Das Gespräch führten Christoph Amend und Matthias Naß

Heinz Alfred Kissinger wird 1923 in Fürth als Sohn eines Gymnasiallehrers geboren. Vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten verlässt die jüdische Familie 1938 das Land und wandert nach Amerika aus.
Aus Heinz wird Henry, und der macht eine amerikanische Karriere – bis ganz nach oben. Studium und Dissertation in Harvard, im Alter von 39 wird der Historiker zum Professor berufen. Er berät John F. Kennedy und Nelson Rockefeller, wird 1969 von Präsident Richard Nixon zum Nationalen Sicherheitsberater und 1973 zum Außenminister ernannt – mit 50 Jahren damals der jüngste aller Zeiten.
Im Vietnamkrieg bereitet er das Waffenstillstandsabkommen vor und wird dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, er organisiert die erste Reise eines US-Präsidenten nach China und setzt sich für eine Entspannungspolitik zwischen den USA und der Sowjetunion ein. Er ist aber auch mitverantwortlich für Bombardierungen von Zivilisten in Vietnam und Kambodscha, und seine bis heute nicht geklärte Rolle während des blutigen Putsches von General Pinochet in Chile 1973 führt später zu gerichtlichen Vorladungen in mehreren Ländern, denen Kissinger nie nachgekommen ist.

 
Leser-Kommentare
    • hagego
    • 29.06.2007 um 11:31 Uhr

    Nach diesem Interview wird es einem sofort wieder klar: wir leben in relativ mediokren Zeiten.
    Deshalb faszinieren uns (zumindest mich!) die Figuren einer früheren Politik-Epoche: Olof Palme, Helmut Schmidt, Bruno Kreisky, Harold Wilson, Francois Mitterand, Willy Brandt, John F. Kennedy und eben auch Henry Kissinger.
    Kissinger spricht aus, was er denkt, ohne dass er dabei "überzieht" oder sich in Belanglosigkeiten ergeht. Er ist auch mit 84 Jahren in der Lage, zu erkennen, welche Winkelzüge Journalisten aushecken, um darzulegen, dass sie gegenüber den Großen aus Politik und Wirtschaft "mutig" sind. Kein Zweifel, diese Fragen nach der eigenen Geschichte, nach der eigenen Verantwortung müssen gestellt werden. Aber der Blick, rückwärtsgewandt - manch Angesprochenes liegt 30 oder fast 40 Jahre zurück, wird ein wenig trügerisch durch die dominierende Gegenwart.
    Kissinger, im eigentlichen Sinne gar kein Parteipolitiker, hat die Macht nicht um ihrer selbst genutzt, er hat - zusammen mit anderen - diese Macht eingesetzt, um Lösungen anzubieten. Diese Lösungen bestanden manchmal auch aus Kompromissen - das ist in der kleinen und der großen Politik nicht zu vermeiden. Faule Kompromisse machte Kissinger, mitsamt der damals verantwortlichen Administration, m.E. wenige.

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    Interviews können bisweilen hohes Niveau haben und dem anspruchsvollen Leser einen intellektuellen Genuss bieten. Kissinger ist der Vater der Shuttle-Diplomatie, der Mann, der China den Zugang zur Welt eröffnete, er war Kennedys Berater in der Kubakrise -- nichts von alledem wurde auch nur erwähnt. Dass das vorstehende Interview aber jegliches Niveau vermissen lässt, ja geradezu peinlich wirkt, liegt an der gehässigen, zynischen Voreingenommenheit der beiden Interviewer. Offensichtlich ging es ihnen mehr darum, ihren linientreuen Antiamerikanismus unter Beweis zu stellen als darum, dem Leser irgendwelche neue Einsichten zu vermitteln. Die "Zeit" hatte einst bessere Interviews.

    Interviews können bisweilen hohes Niveau haben und dem anspruchsvollen Leser einen intellektuellen Genuss bieten. Kissinger ist der Vater der Shuttle-Diplomatie, der Mann, der China den Zugang zur Welt eröffnete, er war Kennedys Berater in der Kubakrise -- nichts von alledem wurde auch nur erwähnt. Dass das vorstehende Interview aber jegliches Niveau vermissen lässt, ja geradezu peinlich wirkt, liegt an der gehässigen, zynischen Voreingenommenheit der beiden Interviewer. Offensichtlich ging es ihnen mehr darum, ihren linientreuen Antiamerikanismus unter Beweis zu stellen als darum, dem Leser irgendwelche neue Einsichten zu vermitteln. Die "Zeit" hatte einst bessere Interviews.

  1. Vielleich sollte er mal die Pentagon-Papers lesen, um sich zu erinnern was er damals gewusst hat. Für mich der einer der grössten Kriegsverbrecher aller Zeiten und mindestens so verlogen wie Nixon. Zum Glück für die Menschheit mittlerweile im Vollbild der Altersdemenz. Warum muss man so jemanden interviewen?

    • Mzungu
    • 30.06.2007 um 20:24 Uhr

    Erstens ist K der typische Machiavellist, der seinen Chef (Johnson) hintergeht, indem er die geheimen Dokumente der Paris-Friedensverhandlungen dessen Widersacher Nixon steckt und damit bei den Republikanern Karriere macht. Durch diese Sabotage wird der Vietnamkrieg um Jahre verlängert, denn ein Frieden war 1968 wahrscheinlich.

    Weiterhin ist K ein überführter notorischer Lügner. Mittlerweile offengelegte Geheimdokumente belegen zum Beispiel, daß Kissinger zusammen mit dem damaligen US-Präsident Gerald Ford die völkerrechtswidrige indonesische Invasion Osttimors autorisierte, die von Dezember 1975 bis Februar 1976 ca. 60.000 Opfer kostete. Kissinger bestritt, überhaupt von den Plänen für die Invasion gewusst zu haben, bis inzwischen freigegebene Dokumente das Gegenteil bewiesen.

    Drittens ist K ein Kriegsverbrecher nach den Maßstäben der Nürnberger Prozesse oder Den Haag. In den Aufzeichnungen eines der Nixon-Kissinger-Gespräche hatte Nixon schwere Bombenangriffe auf Kambodscha angeordnet: „Sie sollen alles treffen“ befahl der Präsident. Daraus machte Kissinger dem Pentagon gegenüber einen Befehl zu „einem schweren Bombenangriff auf alles, was fliegt und sich bewegt“. Noch nie in der Geschichte hatte es laut Prof. Chomski einen eindeutigeren Auftrag zum Völkermord gegeben:

    "On May 27, The New York Times published one of the most incredible sentences I've ever seen. They ran an article about the Nixon-Kissinger interchanges. Kissinger fought very hard through the courts to try to prevent it, but the courts permitted it. You read through it, and you see the following statement embedded in it. Nixon at one point informs Kissinger, his right-hand Eichmann, that he wanted a massive bombing campaign of Cambodia. He said, "I want them to hit everything." And Kissinger transmits the order to the Pentagon to carry out "A massive bombing campaign against Cambodia. Anything that flies on anything that moves." That is the most explicit call for what we call genocide when other people do it that I've ever seen in the historical record."

    • Mzungu
    • 30.06.2007 um 20:42 Uhr

    Ich hätte doch selbst übersetzten sollen:
    "A massive bombing campaign against Cambodia. Anything that flies on anything that moves."
    Kissinger forderte "einen massiven Bombardierungsfeldzug gegen Kambodscha. Alles was fliegt gegen Alles was sich bewegt".
    Das lesenswerte Interview mit Prof. Chomski findet sich hier:
    http://www.mapc-web.de/ar...

    • Anonym
    • 01.07.2007 um 0:33 Uhr

    And I hope that you die
    And your death'll come soon
    I will follow your casket
    In the pale afternoon
    And I'll watch while you're lowered
    Down to your deathbed
    And I'll stand o'er your grave
    'Til I'm sure that you're dead

    bob dylan (c) 1963

    vollständig unter bobdylan.com

  2. ausser dass es meist ums Öl geht oder um Waffenlobby, um Wegemonie.
    Das Archiv von einem anderen 9/11 wie das so schön klingt wird erst nach seinem Tod geöffnet, das war diese Geschichte in Chile...11 September 1973.
    Ich denke die Zeit zeigt uns Beispiele wie wir nicht sein sollen.

  3. Interviews können bisweilen hohes Niveau haben und dem anspruchsvollen Leser einen intellektuellen Genuss bieten. Kissinger ist der Vater der Shuttle-Diplomatie, der Mann, der China den Zugang zur Welt eröffnete, er war Kennedys Berater in der Kubakrise -- nichts von alledem wurde auch nur erwähnt. Dass das vorstehende Interview aber jegliches Niveau vermissen lässt, ja geradezu peinlich wirkt, liegt an der gehässigen, zynischen Voreingenommenheit der beiden Interviewer. Offensichtlich ging es ihnen mehr darum, ihren linientreuen Antiamerikanismus unter Beweis zu stellen als darum, dem Leser irgendwelche neue Einsichten zu vermitteln. Die "Zeit" hatte einst bessere Interviews.

    Antwort auf "Klare Ansichten."
  4. es ist schleierhaft, warum Kissinger mit Ihnen sprechen wollte.

    Wie auch mit dem ZEIT Buero Mann in Washington, Kleine-Brockhoff, sollte sich niemand einbilden, dass man nicht mit Amerika-Feinden sich unterhaelt.

    Was ok ist/waere, wenn sie die Wahrheit offen sagen wuerden.

    Aber das ist zuviel zu hoffen.

    Trotzdem ist dieses Interview weretvoll. Die Leser-Briefe beweisen wieder, dass die Mehrheit der ZEIT-Leser, wohl auch aller Deutschen, Nass' &seines Helfer's Meinung sind.

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    "es ist schleierhaft, warum Kissinger mit Ihnen sprechen wollte."

    mir ist schleierhaft, warum die zeit mit dem kerl reden will.

    für mich jedenfalls gehört er zu den übelsten verbrechern, die das jahrhundert hervorgebracht hat, und eigentlich gehört der vor den internationalen gerichtshof.

    aber, er ist ja "nur" ein schreibtischtäter, er denkt sich den dreck ja nur aus. sterben dürfen die anderen ...

    "es ist schleierhaft, warum Kissinger mit Ihnen sprechen wollte."

    mir ist schleierhaft, warum die zeit mit dem kerl reden will.

    für mich jedenfalls gehört er zu den übelsten verbrechern, die das jahrhundert hervorgebracht hat, und eigentlich gehört der vor den internationalen gerichtshof.

    aber, er ist ja "nur" ein schreibtischtäter, er denkt sich den dreck ja nur aus. sterben dürfen die anderen ...

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