Pakistan Die Angst des GeneralsSeite 3/3

Spürbar ist dieser Druck noch in Washington, beim Mentor Musharrafs. Aus Sicht der pakistanischen Opposition ist rätselhaft, warum die USA die Generäle weiter stützen. Immerhin hat Amerika zwei Kriege geführt in Afghanistan und im Irak, angeblich um die Demokratie zu verbreiten. Doch gerade diese Kriege haben die USA nun vorsichtiger werden lassen. George Perkovich, Experte der Carnegie Foundation, fasste die Stimmung in Washington gegenüber der New York Times kürzlich folgendermaßen zusammen: »In beiden Lagern sagen die Leute ›Wir sollten nicht denselben Fehler wie im Irak wiederholen. Man muss doch einsehen, dass diese Länder sich nicht ändern werden. Sind wir nicht besser dran, wenn wir jemanden mit einer harten Hand haben, der Ordnung schaffen kann?‹« Mit anderen Worten: Musharraf bleibt für Washington die beste Option. Nur keine Experimente.

Doch selbst den treuesten Freunden Musharrafs bleibt nicht verborgen, dass seine Zeit zu Ende geht. Mit gespannter Sorge versuchen auch die USA auszumachen, wer dem General nachfolgen könnte. Immerhin hängt von Pakistan der Ausgang des Krieges in Afghanistan ab. Doch am Horizont ist keine neue Figur in Sicht. Die politische Massenbewegung, der Protest der Anwälte, aber auch die politischen Kampagnen der Fundamentalisten sind bisher formlos geblieben. Es gibt keinen eindeutigen Führer, keine klare Organisation, die im Zentrum dieser Bewegung stünde.

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Benazir Bhutto, die zwei Mal Premierministerin war, hat sich aus ihrem Exil in London gemeldet. Sie will zurückkehren, »um den religiösen Extremismus einzudämmen«. Doch Bhuttos Bilanz als Premierministerin ist nicht berauschend. Auch im Kampf gegen religiösen Extremismus hat sie sich nicht mit Lorbeeren bedeckt. Immerhin sind die Taliban während ihrer Amtszeit von Pakistans Geheimdiensten geschaffen worden, nach dem Willen der Generäle. Bhutto könnte dem bedrängten Musharraf als demokratischer Flankenschutz dienen, eine politische Alternative ist sie kaum. Wenn ihr Fall etwas zeigt, dann ist es die Macht der Armee. Das Militär behält das Heft in der Hand, auch »unter« einem demokratisch gewählten zivilen Premier. Gleichzeitig saugt es die Ressourcen Pakistans in sich auf. Es schwächt dadurch die Gesellschaft und macht sie anfällig für Extremisten. Die Generäle sind unverzichtbar und zugleich Quelle des Übels.

Notizen und Analysen zur internationalen Politik »

 
Leser-Kommentare
    • Colon
    • 01.07.2007 um 23:28 Uhr

    Deutlicher kann eine Analyse zum wahrhaften Herz der Finsternis nicht ausfallen. Warum versuchen wir im Westen
    es nicht einmal mit einem Wechsel zur dauerhaften und ehrlichen politischen Strategie, anstatt immer nur alle paar Jahre die Pferde zu wechseln? - Opportunität macht unglaubwürdig und erfolglos. Ihre Mahnung, was kommt nach Musharraf ist berechtigt. Dazu schreiben Sie unaufgeregt und in klarem Stil, das packt trotzdem.

  1. Das Krieg genannte Gemetzel in Afghanistan ist fuer den Kreuzzuegler und seine Helfer verloren.
    Ob Herr Musharraf seine Position behaupten kann oder nicht spielt dabei keine Rolle.

    • Peter.
    • 02.07.2007 um 11:23 Uhr

    Was Afghanistan angeht machen wir uns selbst eher durch unsere eigenen Fehler als durch die unserer Gegner Probleme. Ich halte die Konzentration der Politik auf Pakistan nicht für zwingend richtig, jedenfalls, was die Auswirkungen auf Afghanistan betreffen. Wenn ich höre, was der Oberkommandierende der ISAF, General Kasdorf von sich gibt ( vor einigen Tagen in tagesschau.de : " Im Vergleich zum Kosovo müssten 800.000 Mann in Afghanistan sein " ), völlig politisch unsensibel, oder was Herr Struck von sich gibt, da kann ich mir schon vorstellen, wer in einigen Jahren aus Afghanistan rausschleicht. Die Parallelen zum Irak sind überdeutlich, auch dort anfangs relativ vereinzelte Anschläge mit hohen zivlien Opfern ( wobei in Afghanistan die zivilen Opfer ja hauptsächlich von den US - bzw. britischen Truppen kommen ), dann Einstieg der Al - Quaida und jetzt Bürgerkrieg. Wer das nicht sieht, ist tödlich ignorant.

  2. Ob Pakistan oder Afghanistan, man muss endlich anfangen bzw. die Bemühungen verstärken und die bösen Jungs und Mädels aus dem Spiel nehmen.

    Zeit für die Geheimdienste und die Doppel-Null-Agent ihren Job in Pakistan zu machen.

  3. Pakistan ist schon wichtig, auch in Bezug darauf, dass wenn sich dort der Islam als Befreiungsideologie durchsetzt das eine große Strahlkraft nach aussen hat. Zudem wäre Pakistan augrund seiner industriellen Kapazitäten eine Verstärkung der wirtschaftlich industriellen Möglichkeiten der Rechtgläubigen und zudem ist Pakistan eine Atommacht.

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