Wecken reimt sich auf Schrecken. Häufig ist das Schrillen des Weckers der erste große Schreck des Tages. Vor allem dann, wenn es den Schläfer in einer Tiefschlafphase ereilt. Mit dem Voranschreiten der Schlafforschung sinnt nun auch die Technik auf schonendere Methoden des Wachmachens. Die jüngste Revolution des weltweiten Weckermarkts ist die Bodyclock . Sie funktioniert sogar lautlos. Die Weckuhr mit eingebauter Lampe und Helligkeitsregler ahmt den natürlichen Sonnenaufgang nach. Zu Beginn der eingestellten Weckphase sendet die Lampe zunächst nur schwaches Licht aus, bis sie nach maximal 90 Minuten ihre ganze Leuchtkraft erreicht – Tagesanbruch aus der Dose. Unsere innere Uhr reagiert, die Schlafhormone verbrauchen sich, die Stresshormone nehmen zu. Wir wachen entspannt auf.

So ganz mochte der Hersteller Outside In dann doch nicht auf Töne verzichten: Dämmerungsresistente Träumer holt die sicherheitshalber eingebaute Alarmglocke in bewährter Manier aus dem Schlaf.

Krach und wach gehören anscheinend zusammen. Das Wesen des Weckers scheint der akustische Alarm zu sein. Das wurde schon in der Antike entdeckt. Platon und Aristoteles sollen mit umfunktionierten Wasseruhren laute Signale erzeugt haben: Aus einem wassergefüllten Behältnis tropfte es permanent in ein Auffanggefäß – der Wasserstand ein Maß für die Zeit. Bei Erreichen einer festgelegten Füllhöhe kippte die volle Auffangschale, das Wasser schwappte schlagartig in ein drittes Gefäß, und die vorher darin enthaltene Luft zischte durch ein Pfeifenventil. Das antike Tröten allerdings brachte in erster Linie nicht harmlose Schläfer, sondern ausschweifende Redner zur Räson, die sich nicht an die Redezeit hielten. Tönte es, verstummten die Sprecher.

»Mit echten Weckern hatte das wenig zu tun«, sagt Johannes Graf, der stellvertretende Direktor des Deutschen Uhrenmuseums in Furtwangen. Das Schallen mache zwar wach, als Wecker jedoch könne man das System deswegen noch nicht bezeichnen. Denn »zu einer konkreten Uhrzeit wecken konnte es nicht. Es markierte nur das Ende einer bestimmten Frist.« Ob sich die beiden griechischen Philosophen also von den pfeifenden Wasseruhren auch haben aus dem Schlaf reißen lassen, ist durchaus zweifelhaft.

Der nächste Anwärter für das Prädikat »erster Wecker« war der klösterliche Kerzenwecker aus dem Mittelalter. Der trug die Bezeichnung immerhin schon im Namen. Laut den Reformstatuten der Abtei Cluny aus dem 11. Jahrhundert verließen sich deren Ordensmänner auf eine »Uhr, die hörbar fällt«, vermutlich »nach Länge und Gewicht bemessene Kerzen, die Nacht einzuteilen« – Wachsleuchten, in die eine Nadel mit einer Kette und einer Kugel daran gepikst wurde. Nach der gewünschten Zeit respektive Brenndauer fiel die Nadel heraus und mit ihr die Kugel, die in einen darunter stehenden Metallnapf polterte. Doch auch dieser Kandidat findet bei Graf keine Gnade. »Ein lauter Ton am Ende einer Frist macht noch keinen Wecker aus.«

Was also macht einen Zeitmahner zum echten Wecker? Der antiken Tröte und dem Blechscheppern fehlte schlicht die echte, moderne Zeitmessung. Die lieferten erst die mechanischen Räderuhren, die sich vom 13. Jahrhundert an wie zuvor die Kerzenwecker in den Konventen durchsetzten. Ihr Kernstück war ein Gehwerk aus verschieden großen Zahnrädern. Ein fallendes Gewicht oder später eine aufgezogene Feder diente als Antrieb für ein gangregelndes Schwingsystem, meist ein Pendel oder die Unruh, ein hin- und herschwingendes Gewicht mit einer Feder. Einmal angeschubst, begann sich das erste Rädchen – und nach und nach auch alle anderen – zu drehen.