Spitzenforschung »In Deutschland gibt es nichts Vergleichbares«

Wie Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner die Universitäten der Hauptstadt an die Weltspitze führen will. Ein Interview

DIE ZEIT : Mit Ihrem »Masterplan« wollen Sie Berlins Wissenschaft international nach vorn bringen. Woher nehmen Sie den Optimismus?

Jürgen Zöllner : Die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft hängt entscheidend vom Fortschritt der Wissenschaft ab. Wenn wir Berlin optimal auf die Zukunft vorbereiten wollen, müssen wir den Spitzenbereich fördern. Das hat nichts mit Optimismus oder Selbstüberschätzung zu tun, im Gegenteil: Nicht alles für dieses Ziel zu versuchen wäre unverantwortliche Politik.

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DIE ZEIT : Bekommt Berlin jetzt eine Super-Uni?

Zöllner : Ich möchte an die neue Institution, die ich mir wünsche, kein Etikett kleben. Es gibt bislang nichts Vergleichbares in Deutschland – also den Versuch, die Spitzenforschung mehrerer Universitäten und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen zu einer Einheit zu verbinden, die von außen, gerade auch international, erkennbar ist und dem Standort Berlin ein unverwechselbares Profil gibt. Klar ist, dass die Institution kein Papiertiger werden darf, sondern Handlungsfähigkeit braucht.

DIE ZEIT : Das hört sich sehr abstrakt an. In der öffentlichen Debatte ist der Name »Berlin Research University« gefallen. Werden Sie nicht konkreter, weil Sie befürchten, sonst auf den Widerstand der Berliner Uni-Rektoren zu stoßen, die ihre besten Forscher nicht an die neue Uni abgeben wollen?

Zöllner : Mit mir wird es kein Herauslösen aus bestehenden Einheiten, keine Zerschlagung der bestehenden Universitäten geben. Ich stelle mir das wie im Fußball vor: Das gemeinsame Dach ist die Nationalmannschaft. Jeder Fußballverein ist glücklich, wenn er in seinen Reihen einen Nationalspieler hat, und wenn die Nationalmannschaft besonders erfolgreich ist, hat auch der einzelne Verein einen riesigen Vorteil davon. Trotzdem bleiben die Nationalspieler in erster Linie Vereinsspieler. Wir stehen am Anfang. Wie genau die Dachorganisation aussehen wird, wissen wir erst am Ende der Diskussion. Wichtig ist aber: Wenn wir nicht den Mut haben, Neues zu versuchen, dann werden wir auch keinen wirklich erfolgreichen Qualitätssprung machen.

DIE ZEIT : Keiner soll etwas abgeben, gleichzeitig soll die neue Dach-Uni kein Papiertiger werden. Schwer vorstellbar, wie Sie beides erreichen wollen.

Zöllner : Natürlich muss es einen Mehrwert geben. Und natürlich brauchen Sie eine räumliche Heimat für die neue Institution – ohne dass die Arbeitsgruppen aus ihrem bisherigen Umfeld herausgelöst werden müssen – und eine klare Leitung. Die Mitarbeit muss für die Forscher und ihre jeweilige Universität eine Auszeichnung sein, die Auswahl muss nach Kriterien laufen, die vergleichbar sind mit denen der Exzellenzinitiative. Nur so bekommen wir die nötige Akzeptanz und Glaubwürdigkeit, und dann wird auch ganz schnell keiner mehr von einem Papiertiger reden.

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