Carsharing Autos für alle

Carsharing wird immer beliebter. Doch jetzt gibt es Streit um kommunale Parkplätze für die gemeinsam genutzten Fahrzeuge.

Auch große Ideen brauchen mitunter einen kleinen Anstoß. Den will die Bundesregierung jetzt dem Carsharing geben: Kommunen sollen künftig Stellplätze für gemeinschaftlich genutzte Fahrzeuge ausweisen können. Nachdem der Bundestag bereits im Juni 2005 die Regierung beauftragt hatte, liegt jetzt der Entwurf eines Gesetzes vor, das noch in diesem Jahr verabschiedet werden könnte. Dabei geht es nicht darum, Carsharing-Kunden die Parkplatzsorgen zu nehmen, sondern in zentralen Stadtlagen Standplätze für die Fahrzeuge zu schaffen. Bisher handeln Kommunen, die solche Plätze ausweisen, in einer juristischen Grauzone – weshalb sie sich aus Angst vor Rechtsstreitigkeiten meist vor dem Schritt scheuen. So können derzeit die Autos in der Regel nur auf Privatparkplätzen bereitgestellt werden, was die Expansion der Idee in den Städten erheblich hemmt.

Carsharing gilt als umweltfreundliche Form der Mobilität, weil die Nutzer im Alltag meist öffentliche Verkehrsmittel wählen. Sie greifen nur dann aufs Auto zurück, wenn Bus oder Bahn für einen speziellen Zweck deutlich weniger geeignet ist. Das passiert nur selten: Rechnerisch reicht hierzulande jedes Carsharing-Fahrzeug für 33 Nutzer. Gleichwohl sind Carsharing-Mitglieder alles andere als Nesthocker. In Freiburg zum Beispiel kam bei einer Umfrage heraus, dass 73 Prozent von ihnen eine Bahncard und 54 Prozent eine Monatskarte für den Nahverkehr besitzen.

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All jene, die nur selten ein Auto brauchen, können mit Carsharing viel Geld sparen. Umso verwunderlicher, dass die Bewegung erst so spät populär wurde. Doch im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Gemeinschaftsfahrzeuge in Deutschland um 7,4 Prozent auf 2900, und der Bundesverband CarSharing konnte den 100000. Autoteiler begrüßen – das ist Europarekord. In Relation zur Bevölkerungszahl allerdings liegt die Schweiz vorn: Mit 72000 Nutzern ist Carsharing dort achtmal so populär wie in Deutschland.

Entsprechend groß dürfte hierzulande das Ausbaupotenzial sein, das nun durch die neuen Parkplatzregeln erschlossen werden soll. Doch dazu müssen das Straßenverkehrsgesetz, die Straßenverkehrsordnung sowie die dazugehörige Verwaltungsvorschrift geändert werden. An genauen Definitionen hat auch die Carsharing-Lobby großes Interesse. »Wir brauchen eine klare Abgrenzung nach oben und unten«, sagt Willi Loose, Geschäftsführer des Bundesverbandes CarSharing. Abgrenzung nach oben heißt: Es muss ausgeschlossen werden, dass die klassischen Mietwagenfirmen das Parkplatzprivileg in Anspruch nehmen. Schließlich können deren Fahrzeuge im Alltag kaum einen Privatwagen ersetzen – etwa, weil kurzzeitiges Ausleihen zu teuer ist. Die Abgrenzung nach unten soll verhindern, dass sich clevere Bürger nur deshalb zur Carsharing-Gemeinschaft vereinen, um Anspruch auf Sonderparkplätze vor ihrem Haus zu erlangen.

Leser-Kommentare
  1. wenn man nicht den ÖPNV benötigte, um zum nächsten Carsharing-Parkplatz zu kommen (und dadurch nicht so einen hohen zeitlichen, finanziellen und gefühlten "Beschaffungsaufwand" hätte)- so mancher mehr hätte sich sicher schon längst einer dieser Gemeinschaften angeschlossen...

    Letztlich ist es also Bequemlichkeit, aber der Spritpreis arbeitet dem ja glücklicherweise entgegen.

  2. Schaut doch mal über die südliche Landesgrenze. Ueber 70'000 Nutzer haben Zugriff auf ca. 2'000 Autos; schnell, unbürokratisch. www.mobility.ch.
    Sicher ist die Situation in der Schweiz eine andere. Aber auch hier keimte Carsharing mit nur einem Auto und ein paar Spinnern und null Vernetzung und ohne Anschub des Staates. Ein langer Prozess war das, dass heute ÖV und Carsharing eine Kette bilden. Auch gehört dazu, die Einstellung zum Auto zu ändern. Vom Statussymbol zum Gegenstand der genutzt wird wenn man ihn wirklich braucht. Aber in der Schweiz fällt das eventuell leichter wo man die Staatschefs im Zug trifft und dem Stadtpräsidenten im Tram, wegen des Gedränges, auf die Füsse tritt.

  3. Ohne eigenes Auto spart man soviel Geld, da sind die Kosten für den ÖPNV oder auch mal ein Taxi doch "Peanuts".
    Bei mir gehts noch einfacher: mit meinem Elektro-Motorroller bin ich ruckzuck an ein paar anderen Stationen, wenn bei meiner nächstgelegenen mal kein Fahrzeug mehr verfügbar sein sollte.
    Ich kann Carsharing nur jedem empfehlen!

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