BERLINER BÜHNE Die Unvergänglichen

Die Universität Michigan stellte jetzt fest, dass Frauen den Zusammenbruch des Kommunismus alles in allem besser verkraftet haben als Männer, die seit 1991 früher sterben, mehr morden und mehr trinken. Das ist besorgniserregend, aber nicht hoffnungslos. Wenn die Linkspartei in Deutschland erst mal die Systemfrage befriedigend beantwortet haben wird, geht es andersherum. Im Sozialismus kommen die Männer wieder groß raus: endlich länger leben und weniger morden müssen.

Getrunken wird zwar weiter, aber das System will das, wollte das immer so. Die Re-Emanzipation der Männer steht inzwischen im Zeichen einer knallharten Politik der virilen Anwesenheit, will sagen, sie gehen einfach nicht, sie bleiben. Immer, ewig. Und sie kehren immer und ewig wieder, wie die RAF-Zausel, wie Barschel oder Möllemann.

Als wir Walser, Hildebrandt oder Lenz schon fast vergessen hatten, legten die noch mal ihre Mitgliedsausweise auf den Tisch. Ein großer Anwesenheitspolitiker ist Oskar Lafontaine, der Graf Cagliostro des Sozialismus. Wo er nicht überall Zauber und Furcht verbreitet, manchmal an mehreren Orten zugleich! Das Urbild jedoch ist Tony Blair.

Als Cherie vor ihm auf den Knien lag und das Klo putzte, machte er ihr seinen Antrag, dann zog er den Schotten Gordon Brown über den Tisch, was Schotten oft übel nehmen, und regierte zehn Jahre lang. Im letzten Moment haute er George W. Bush an, ob der nicht noch einen Job in Nahost für ihn wüsste: »sure.« Das ist männlich, das nennen wir anwesend auf dem dritten Weg. Nicht minder eindruckvoll der Ehrensozialist Nicolas Sarkozy, der derzeit Frankreich penetriert. Die Ära Sarkozy wird uns einen ganz eigenen Möbelstil bescheren, den wir aber jetzt noch nicht erkennen können. Besonders hohe Stühle und besonders komfortable Chaiselongues werden dessen Prunkstücke sein.

Kurt Beck ist auch ein Anwesenheitspolitiker. Doch seine Präsenz verdankt sich dem Umstand, dass alle anderen als SPD-Vorsitzende abwesend sind. Möbeldesigner animiert das leider nicht. Nur mit echten Sozialisten gelingt die Re-Emanzipation des Mannes.

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.28 vom 05.07.2007, S.7
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