Dorfjugend

Samstagnacht auf dem Land

Wenn sich die Dorfjugend beim Scheunenfest mit Go-go-Girls und Schaumpartys ins Koma feiert, sichert ein Großaufgebot an Polizei und Sanitätern die Spaßfront ab.

Um 22.26 Uhr ist es so weit. Der erste Chorgesang brüllt auf, wabert wellengleich durch die Halle, bleibt hängen im Dunst aus Schweiß und Rauch. In den Tanzkäfigen ruckeln die Mädels dazu mit den Hüften, schieben das Becken gegen die Gitterstäbe. Weiß der Himmel, wo sie sich solche Posen abschauen. Zum gebrüllten, getanzten Rhythmus hebt die Menge die Plastikbecher, zu Boden schwappen Bier, Cola-Rum, Wodka-Orangensaft, Erdbeer- und Apfelschnaps.

Draußen löst sich der Tag in Nacht auf, leuchten die Werbelichter an den Bierständen auf. Zwei Brauereien tragen heute zum Vergnügen bei, auch eine Korndestillerie und ein Produzent von Kräuterschnaps. Wie um das Revier zu sichern, hängen ihre Wimpel und Fahnen an den Wänden, wehen über die Tresen. Der Abendwind trägt scharfe Gerüche von Gyros und Pommesfett herüber. Der Chor wird zum Lauffeuer, wird, weil es so schön war, wiederholt und wiederholt: »Zicke, zacke, zicke, zacke – hoi, hoi, hoi!«

Samstagnacht in Steinhorst, einem Dorf in Schleswig-Holstein. »Beschaulich« heißt das Wort dafür. So sind die Dörfer hier, zwischen Seen und Kanäle gestreut, zwischen Wiesen und Felder gebettet. Das Licht bricht sich in den Wassern, die Wolken werfen ihre Schatten hinterher. Im Mai blüht der Raps und taucht das Land in strahlendes Gelb, im Sommer wogt das Getreide. Auf langen Landstraßen staut sich der Verkehr zur Erntezeit hinter Mähdreschern und Treckern. Die Sommer sind lang in dieser Gegend, sie legen sich auf Badeanstalten und Liegewiesen, sie riechen nach Grillwürsten und frisch gemähtem Gras.

Wer hier zwischen Seen und Wiesen lebt, der wurde hier geboren. Oder zog her, weil ihm der Rhythmus der großen Städte zu schnell ist. Weil er dafür zu langsam ist – oder sich zu schade dafür. Ja, man kann sein Glück finden in diesem sommerduftenden Utopia von Raum und Ruhe – aber auch seinen Untergang: im falschen Idyll, in den Brüchen darin. Manches Leben vernichtet diese beschauliche Welt, bevor es richtig begann.

»Zicke, zacke, hoi, hoi, hoi!«, das ist der verbindende, soziale und sonstige Unterschiede nivellierende Ruf der Jugend dieser Dörfer, der Party-Schlachtgesang einer Generation zwischen Kuhstall und Cyberworld, zwischen Handy und Heimatgefühl. Wenn in der lauen Samstagnacht die Discjockeys die Menge zu diesem Choral anheizen, wenn deutsche Schlager aus Zeiten erschallen, in denen die Eltern zum Konfirmandenunterricht gingen, wenn brave Landmädchen sich in den Tanzkäfigen räkeln wie Go-go-Girls in der Hafenbar – dann ist Scheunenfetennacht, und das Dorf verwandelt sich in einen der neun Höllenkreise.

Tausende ziehen über Straßen und Feldwege, kommen aus den hintersten Winkeln des Landes, um den Sommer zu feiern, solange er warm ist. Wer in den Häusern um die Großscheunen herum wohnt, findet bis zum Morgen keine Ruhe. Wiesen werden zu Parkplätzen, verwandeln sich unter Schuhsohlen in Matschpfuhle, unter zertretenen Plastikbechern in Müllhalden. Und so mancher Jugendliche erlebt – nach einem nicht endenden Strom von Alkohol – das Morgengrauen wortwörtlich als ein Grauen in seinem Kopf oder findet sich als trauriges Exemplar der Gattung Mensch in seinem Erbrochenen liegend wieder.

Die Organisation der Scheunenfeten obliegt der Landjugend. Die ist seit den fünfziger Jahren eine Säule des Dorflebens, die Kinderstube für den Verein der Landfrauen und den Bauernverband. Einst gegründet, um sich um den Erhalt von Traditionen und landwirtschaftlicher Kultur zu kümmern, geht es der Landjugend heute um Spiel und Partys. Die politische Komponente, der sich der Bundesverband der Landjugend hoch oben an seiner Spitze noch verpflichtet fühlt, etwa durch Einmischung in Jugend-, Weinbau- und Agrarpolitik, erreicht den Ortsverband nicht mehr.

Deutschlandweit hat die Landjugend rund 100.000 Mitglieder zwischen 15 und 35 Jahren, die sich laut Satzung der Gestaltung und dem Erhalt des ländlichen Raumes, der Schaffung von Lebens- und Bleibeperspektiven verpflichtet fühlen. Aus Landwirtsfamilien jedoch kommen in Norddeutschland nur noch wenige Mitglieder, von den gemeinnützigen Zielen weiß kaum jemand. Fragt man nach dem Motiv des Beitritts, dann heißt es: Spaß haben, Leute kennenlernen, auf den Scheunenfeten kostenlos trinken. Die Landjugend scheint sich in eine Art Bespaßungs-Club verwandelt zu haben, um jungen Leuten etwas zu bieten – dort, wo es eine Landjugend im traditionellen Sinne gar nicht mehr gibt.

Stefanie D., genannt Steffi, ist erste Vorsitzende eines Landjugend-Ortsverbandes. Die 22-Jährige ist zierlich und blond, sie trägt Poloshirt und Perlenkette. Wenn sie sitzt, sitzt sie sehr aufrecht, die schmalen Hände liegen sittsam auf dem Tisch. Eine von diesen sauberen, positiven, aufrechten jungen Frauen, die sich in der dörflichen und familiären Geborgenheit den Dreck vom Halse halten konnten, den es hier draußen auch gibt.

Steffi arbeitet als Bankkauffrau in einer Dorffiliale, sie wohnt zu Hause, noch immer im Mädchenzimmer. »Von meinen Freunden ist noch keiner ausgezogen.« Ein dörfliches Phänomen vielleicht. Vielleicht auch eines dieser Generation, die es nicht mehr nötig hat, sich früh von den Eltern abzugrenzen; die die Familie hochhält und die Gemeinschaft als Schutz gegen die verunsichernde, riesig gewordene Welt sieht.

Wenn Steffi D. sich nicht für die Landjugend engagiert und zum Feiern unterwegs ist, spielt sie Klarinette und Saxofon in einer Dorfkapelle. Tritt die offiziell auf oder spielt zu Geburtstagen und Jubiläen, schlüpft Steffi in schwarze Hose, weißes Hemd und die Feuerwehrjacke. Vater und Bruder sind im Schützenverein, der Bruder ist gerade Jungschützenkönig geworden. »Meine Eltern sind darauf sehr stolz.«

Ein Leben in der Stadt? Undenkbar. »Das ist ein einsames Leben. Im Dorf steht jeder für jeden. Es ist ein Geben und Nehmen.« Nach Angst klingt das, aus den zuverlässigen Strukturen eines geregelten Sozialvertrags auszusteigen. So ist es auch. »In der Stadt ist der Ausländeranteil sehr hoch. Dadurch gibt es viel Gewalt, vor allem in den Schulen und bei der Jugend. Das ist auf dem Land nicht so, und ich bin froh, dass ich hier zur Schule gegangen bin.«

Wie aber passen die Scheunenfeste in diese Properheit? Als Schulung von Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und Organisationsfähigkeit, sagt Steffi D. – als Angebot an die Jugend, damit diese nicht in den städtischen Diskotheken versacke. Scheunenfeste gibt es, wie die Landjugend, seit Jahrzehnten. Sie finden rotierend in den Dörfern statt, diese Dörfer markieren den Bewegungskreis der jungen Leute. Dahinter liegt das Unbekannte, liegt die urbane Welt, der man nicht traut, weil sie Regeln folgt, die man hier nicht kennt.

Die Scheunen, geschmückt mit den Werbebannern der Alkoholhersteller und mit Wiesenblumen und Zweigen, mit dem, was die Natur hergibt – sie sind der rustikale Ausdruck dieser Distanzierung von der urbanen Welt. Wer zu Scheunenfesten geht, der kann das in Alltagskluft tun. Nur Städter ziehen sich fein an, wenn sie ausgehen. Auf dem staubigen Tennenboden und vor der Scheune im von vielen Füßen zertretenen Gras ist es ohnehin besser, praktisch gekleidet zu sein. Der von Steffi D. als Gewaltursache ausgemachte Ausländeranteil ist hier nicht zu finden. Das deutsche Dorf bleibt weitgehend unter sich.

Alkohol gehörte stets zu diesen Festen, die Alten sagen, damals noch viel mehr. Geprügelt wurde sich auch immer schon. Heute aber braucht der Spaß ein Aufgebot wie ein kleiner G8-Gipfel. Für jede Veranstaltung wird das Gelände mit Bauzäunen abgeriegelt, werden die Eingänge von professionellen Sicherheitskräften bewacht. Die schwarz gekleideten Muskelmänner haben die Aufgabe, Besucher auf Waffen zu durchsuchen und die Ordnung zu überwachen. Nicht nur untereinander, auch mit der Polizei und den Rettungssanitätern, die ebenfalls zur Standardausrüstung jeder Scheunenfete gehören, sind sie vernetzt und in Dauerkommunikation.

22.15 Uhr. Das erste Opfer von Alkoholüberfluss kippt in den Dreck, wird von zwei Sanitätern wieder hochgehoben und vorsichtig davongeführt. Reste seines Mageninhalts hängen ihm im Gesicht und auf dem T-Shirt. Mit 17 Männern und Frauen ist das Rote Kreuz an diesem Abend angerückt, mit einem Notzelt mit fünf Behandlungs- und weiteren Bedarfsplätzen, einem Rettungswagen, mit einer Ausrüstung, die dem Team von Emergency Room gerecht würde. Ein lazarettmäßiges Setting, das den Eindruck erweckt, man erwarte das Anrücken der Front.

Voriges Jahr gab es neben zahlreichen Alkoholvergiftungen ein Schädel-Hirn-Trauma, etliche Frakturen und eine weinende 13-Jährige, die ihren ersten Geschlechtsverkehr gehabt hatte und danach überfordert um seelischen Beistand bat. Wie eine 13-Jährige auf eine solche Veranstaltung gerät, vorbei an den Landjugendmitgliedern an der Kasse, vorbei an den Sicherheitsmännern, das kann sich der Einsatzleiter auch nicht erklären.

Um 22.37 Uhr intonieren an einem der Bierstände drei junge Männer ihren eigenen Chor. Der Haupttext ist nicht zu verstehen, der Refrain dreht sich um die Behauptung, sexy zu sein. Die Jungen, die ungehemmt ihr Liedlein singen, tragen die Haare wie zu Hahnenkämmen hochgegelt und in die Stirn gezogen. Eine Robbie-Williams-Frisur, die ihre Zeit in den Städten längst hinter sich hat und nun als Mode über das Land schleicht. Pepe, Marco und Simon. Der eine hat ein Silberkettchen um den Hals, der andere den Schriftzug »Hardcore« auf dem T-Shirt, der Dritte einen Gipsarm. »Bin krankgeschrieben. Handwurzelknochenbruch.« Der Feierlust tut das keinen Abbruch.

»Zum Saufen« seien sie hier, »zum Saufen bis zum Umfallen.« Nur Pepe will später auch noch eine »Nummer abziehen«: einmal splitternackt um das Gelände rennen und schauen, ob ihn die Polizei erwischt. Für 100 Euro haben die drei einen Fahrer gemietet, der sie später zurückbringt in ihr Heimatdorf, und noch mal 100 Euro hat jeder in der Tasche für Getränke. Nach den Scheunenfestpreisen wären das 65 Bier oder 8 Flaschen Sekt oder 50 »Mischungen« oder 100 Kurze.

Drinnen in der Scheune ist es erneut Zeit für »Zicke, zacke, hoi, hoi, hoi«, diesmal um einen Schwierigkeitsgrad erweitert. »Die Mädchen machen mal ›jau‹«, sagt der Discjockey. Die Mädchen machen »jau«. – »Die Jungen machen mal ›yeah‹«, sagt der Discjockey. Die Jungen machen »yeah«. Die Scheune ist prall gefüllt, nur an den Rändern ist noch Platz für die Goldtanzkurspaare, die sich zu jedem Rhythmus im gepflegten Foxtrott bewegen.

Draußen im Gras steht sich die Polizei die Beine in den Bauch. Noch bedarf es ihres Einschreitens nicht. Die sechs Beamten, die in Uniform erschienen sind – »man muss Präsenz zeigen« –, ertragen das Wummern der Bässe und das Gewaber der Masse um sie her als stoisches Standbild. Keiner der Polizisten ist noch jung. Die hier feiern, könnten ihre Söhne und Töchter sein. Gerade bespricht sich der Einsatzleiter der Polizei mit dem Organisator, da beginnt die erste Schlägerei. Nichts Ernstes, schnell vergessen, das Auftauchen der Uniformen reicht, das Mütchen herunterzukühlen. Die Kontrahenten geben sich die Hand, nix für ungut.

Derweil rüstet sich auch Groß Weeden, zur Gemeinde Rondeshagen gehörend, zur Samstagnacht. Die Häuser hier kann man an zwei Händen zählen, sie stehen aufgereiht an der Dorfstraße, mit schlichten Fassaden. Die Straße heißt Zum Gutshof, als regierte hier noch immer der Herr Baron. Wie ein hässlicher Fleck auf reiner Weste weist ein Schild zur Sondermülldeponie.

Die Zeiten, in denen die Bewohner sich auflehnten gegen diese Deponie, sind lange vorbei, die Munkeleien über Tuberkuloseerkrankungen verstummt. Man hat sich arrangiert mit der giftigen Brühe. Die Deponie drückt die Mietpreise, und wer hierherzieht, der tut es nicht um der individuellen Lebensgestaltung willen, sondern weil er in Groß Weeden für ein Häuschen mit Garten so viel zahlt wie für eine Zwei-Zimmer-Etagenwohnung in der Stadt.

Der namensgebende Gutshof ist ein prächtiges Backsteinherrenhaus, umgeben von Scheunen mit gelb gestrichenem Stein. Der letzte Spross der einheimischen Besitzer hat sich in diesem Haus erhängt, man nahm ihn vom Seil und begrub ihn auf dem Privatfriedhof der Familie im Groß Weedener Mischwald. In einem Kreis aus Steinen, die Toten mit den Füßen zueinander. Angeblich, weil sie sich im Leben feind waren.

Das ist der Stoff, aus denen Dorfgeschichten gestrickt werden, in denen das Schicksal mit seiner Erbarmungslosigkeit und die Abgründe des Menschen eine tragende Rolle spielen. Der Mensch als alleiniger Gestalter seiner Biografie, an solchen Individualismus glaubt man auf dem Dorfe nicht, dazu kennt man zu gut die Tücken der Natur und die dunklen Seiten der Existenz.

Groß Weeden würde versinken in bedeutungsloser Stille, gäbe es dort nicht die Großdiskothek Ziegelei. Für das Leben der Bewohner eine weitere Zumutung, für die Jugend ein laserstrahlendes Licht im ewigen Gleichklang des dörflichen Alltags. Der Ruf dieser Diskothek ist über das Dorf hinausgedrungen, schallt bis nach Hamburg und ins nahe Mecklenburg. Es ist nicht der beste Ruf, den dieses Etablissement in einer alten Fabrikhalle genießt. Geschichten kursieren, über Drogen und Exzesse, Schnapsleichen in den Toiletten, delirierend über den Parkplatz kriechende Kiffer. Ein Ort, an den man seine Kinder nicht gehen lassen würde, wenn man es vermeiden könnte.

Vier Jahre ist es her, da holte die Polizei aus Groß Weeden einen Jungen ab, um ihn nach Hause zu bringen. Robert hieß er, 18 Jahre alt, Gymnasiast, Sportler, Musiker, aus einer, wie man sagt, guten Familie. Keiner, der sich die Hucke vollsoff aus lauter Lebensfrust. In dieser Nacht aber hatte Robert getrunken, mehr, als er vertrug. Ein Notarzt wurde alarmiert, als der Junge bewusstlos auf dem Parkplatz lag, doch dann kam er wieder zu sich und lehnte es ab, ins Krankenhaus gebracht zu werden. Später irrte er durch das Dorf und klingelte bei fremden Leuten, behauptend, dies sei sein Elternhaus. Im T-Shirt stand er vor der Tür, in einer kalten Winternacht. Die Bewohner alarmierten die Polizei, einer der Beamten kam aus dem Nachbardorf, er hat selber sechs Kinder.

Fünf Kilometer weiter, dort, wo der Kreis endet und die Hansestadt Lübeck beginnt, setzten die Beamten Robert an einer lichtlosen, einsamen Landstraße wieder aus. Auf eigenen Wunsch, wie es später vor Gericht hieß, als verhandelt wurde gegen die beiden Beamten. Was in jener Dezembernacht geschah, nachdem sich der Polizeiwagen entfernte und Robert orientierungslos und frierend zurückblieb, weiß niemand. Vielleicht wollte der Junge im Wald Schutz suchen und fiel auf der Straße hin. Vielleicht hatte ihn die Kälteidiotie erfasst, ein Wahnsinnszustand, der eintritt, wenn die Körpertemperatur unter 32 Grad absinkt.

Der nächste Mensch, der Robert sah, aber zu spät, viel zu spät, war die 22-jährige Johanna, die in den frühen Morgenstunden über den auf der Straße hockenden Jungen fuhr. So wurden zwei Leben zerstört. Das eine durch Tod, das zweite zunächst durch Entsetzen. Später starb auch Johanna, aber das ist ein anderer Teil der Geschichte.

Im Schutz der Bushaltestelle von Groß Weeden sitzt an diesem Abend eine Gruppe junger Menschen und »glüht vor«. Eine (Un-)Sitte, um die Zeit bis zum Diskothekenbesuch zu füllen. Vor Mitternacht ist dort nichts los. »Und um Geld zu sparen«, sagen die jungen Menschen in diesem Haltestellenhäuschen, die teuren Getränke in der Ziegelei könnten sie nicht bezahlen.

Die sechs Mädchen und Jungen sind um die 18 Jahre alt, sie haben Piercings in Augenbrauen und Lippen und die Haare schwarz gefärbt, sie sehen aus wie ein Schrecken aller braven Bürger. Doch ihre Art ist höflich und freundlich, bereitwillig antworten sie auf alle Fragen und freuen sich über die Aufmerksamkeit. Vor ihren ausgestreckten Füßen stehen Energydrinks, Wein-, Korn-, Cola- und Wodkaflaschen, der Stoff, aus dem die »Mischungen« gemixt werden.

Gehen sie auch auf die Scheunenfeste? »Da passen wir nicht hin. Wir sind links, die Landjugend ist rechts. Die wollen solche wie uns nicht und wir sie nicht. Die wissen nicht einmal, was der G8-Gipfel ist.«

Fühlen sie sich denn eingeengt hier im Dorf? Sie protestieren lachend und laut. »Das Dorf ist geil.« Wohnen sie noch zu Hause? Ja. Alle!

Auf einem Feldweg des Dorfes, ein paar Stunden früher. Ein Sommergewitter hat die Ähren gebogen, nun duftet der Weizen, und die Vögel singen so laut, als wollten sie das letzte Donnerecho verscheuchen. Philipp steht im Feld, steht still und atmet den Sommerduft ein. Manchmal kommt er mit seiner Gitarre hierher und sitzt unter einem Baum, manchmal geht er hier nur spazieren. Der Feldweg ist seine Zuflucht, der freie Himmel sein Hirte. »Keine zehn Pferde« würden den 20-jährigen Schüler an diesem Abend auf die Scheunenfete bringen und auch nicht in die Ziegelei. »Das ist nicht mehr meine Welt.«

Bis zu sieben Ecstasypillen hat er einst in solchen Disconächten geschluckt, dazu Alkohol, falsche Freunde, falsche Ziele. Herumhängen an Tankstellen, auf Parkplätzen. Das Leben ein Rutschen auf zu glattem Eis. In diesem Dorf, an diesem Feldweg ist Philipp groß geworden, dann zog die Familie nach Lübeck.

»Die Stadt war der Horror. Ich hatte so eine Sehnsucht nach Weite, ich hasste es, dass die Leute nicht grüßten, ich kam mit der ganzen Anonymität nicht zurecht. Auf dem Dorf kennst du jeden, vielleicht magst du nicht jeden, aber du musst mit allen klarkommen, auch wenn es soziale Unterschiede gibt. Wenn dir hier einer etwas verspricht, dann wird es gehalten, wenn du Hilfe brauchst, dann fragst du deinen Nachbarn, und der hilft dir. In der Stadt habe ich mich allein gefühlt.«

Philipp war fünfzehn damals. In dem Alter will man abstreifen, was einen prägte. Mit schlechten Noten und Lustlosigkeit endete die Schule, keine Ausbildungsstelle in Sicht. Das Leben war kein Spiel mehr, die Wirklichkeit rauer als erwartet. Die Wende kam mit dem Rückumzug ins Dorf, mit dem Zivildienst auf der Station für Schwerstverletzte. Mit der Einsicht: Alles ist endlich, die Gesundheit ein kostbares Gut. »Ich hab mir irgendwann einfach Gedanken gemacht.«

Philipp ließ die Pillen, die falschen Freunde und die Ziellosigkeit sein. Erst entdeckte er die Musik, dann die Natur, dann die Geborgenheit der Familie. »Wenn Mama und Papa nicht auch in den schlimmsten Phasen mir vertraut hätten, dann hätte ich die Kurve nicht gekriegt.«

Bald macht Philipp Abitur. Seine Freunde findet er nicht mehr unter der Dorfjugend. »Da ist inzwischen ein großer Unterschied zwischen denen und mir. Die Grenzen des Bewusstseins sind hier eng. Man probiert wenig Neues aus. Wenn gefeiert wird, dann ist die Hauptsache der Bierwagen – und wenn es das Kinderfest ist. Da stehen die Eltern am Wagen und saufen schon am Nachmittag. Dann wundern sie sich, wenn die Kinder später besoffen aus der Disco kommen.«

Im Nachbardorf Kastorf beginnt an diesem Nachmittag das Schützenfest, Hunderte von Besuchern werden erwartet. Im Schützenheim sind die Tische eingedeckt mit Bier, mit Korn. Die Stühle davor sind für die Schützenvereine reserviert, die dürfen umsonst trinken. Für Nichtschützen gibt es einen Tresen, hinter dem minderjährige Mädchen bedienen. Draußen auf der Festwiese tobt das Kindervergnügen, es gibt Rasenspiele und ein Karussell. Aufgebaut sind auch ein Bierstand, ein Fischwagen, ein Imbisswagen, eine Schießbude. Die Kastorfer Jugendfeuerwehr ist ebenfalls erschienen, die meisten der Jungen wollen später auf die Scheunenfete, und auch sie glühen schon mal vor – am Bierstand. Bereits am Nachmittag gibt es die ersten Verletzten. Einige Jungen prügeln sich mit dem Betreiber des Schießstandes, dem sie Betrug vorwerfen. Trotz mehrerer präziser Schüsse blieb die Plastikrose am Gestell, und die Jungen vermuten manipulierte Gewehre. Dass der Betreiber ein Fremder ist, »keiner aus dem Dorf«, macht ihn verdächtig.

Am stillen Ufer des Elbe-Lübeck-Kanals dreht am frühen Samstagabend Kevin H. Würste und Koteletts auf dem Grill. Der Angelverein Esox veranstaltet das jährliche Nachtangeln. Der 17-Jährige wäre heute gerne auf die Scheunenfete gegangen – »man sagt, es gibt keine Entschuldigung, nicht zum Scheunenfest zu gehen« –, aber seine Verpflichtungen in der Anglerjugendgruppe gehen vor.

Die Familie H. lebt ganz bewusst auf dem Dorf. Die Eltern sind Lübecker, den Kindern zuliebe aufs Land gezogen. Und wohl auch, weil sie mit ihren Überzeugungen hier besser hinpassen. »Hier hat man den Überblick darüber, was die Kinder so treiben.« Vater H. ist ein Mann mit Prinzipien. Bis Kevin 16 Jahre alt war, musste er um 22 Uhr zu Hause sein, keine Ausnahmen. Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen, am Wochenende fahren alle auf den Campingplatz. Oder zum Angeln. »Was lernen, soziale Bindungen, Verantwortung«, das sind seine Ideale für Kevin. Dass der Junge eine Ausbildung fand, in der örtlichen Schlosserei, rechnet der Vater seiner konsequenten Erziehung zu.

Seit zwei Jahren ist Kevin in der Jugendfeuerwehr. Viel mehr als diese hat die Gemeinde Rondeshagen ihren Kindern nicht zu bieten, für andere Hobbys muss man in die Nachbardörfer fahren. Als Treffpunkt im Dorf bleibt nur das eigene Zimmer oder die überdachte Bushaltestelle.

Das Feuerwehrhaus besteht aus einem Raum, darin übt Kevin mit den anderen für die Leistungsspange, deren Erhalt Voraussetzung für den Eintritt in die Wehr der Erwachsenen ist. Darin steht auch ein Tresen, an der Wand hängen die Preise für Getränke und eine fotokopierte Karikatur: drei gackernde Hühner, darüber der Sinnspruch eines unverhohlenen Primitivmachismo: »Wir Mösen draußen bleiben. Herrenrunde.«

Der Tresen sei eine private Angelegenheit, sagt der Jugendwart entschuldigend, er habe mit der Feuerwehr nichts zu tun. In Ermangelung einer Dorfkneipe träfen einige Männer sich eben hier.

2 Uhr in der Ziegelei. Das Gespräch muss draußen bleiben – der ohrenbetäubende Technolärm macht es unmöglich. Die Wände und Decken in Chrom und Glas. In den Ecken und dort, wo normales Licht hinfällt, ist es dreckig, schäbig, der ganze Glitzer-Glitter-Glanz eine Täuschung, die sich anfühlt, als sei es Spaß. Hier räkeln sich keine Dorfmädchen in den Käfigen, sondern professionelle Tänzerinnen in großmaschigen Netzstrümpfen, durch die die Muskeln der nackten Hinterbacken quellen. Und junge Männer mit nacktem Oberkörper. Laserstrahlen zielen punktförmig in den Raum, fächern sich auf, drehen sich um eine imaginäre Achse, und mit ihnen verdreht sich das Auge, bis die Welt auf den Kopf gestellt scheint. Im psychedelischen Farben- und Rhythmusrausch flackern Gestalten auf der Tanzfläche, vom splitternden Licht wie in Einzelteile zerlegt und dann falsch wieder zusammengesetzt.

Im Nebenraum ist Schaumpartynacht. Bis zu den Knien, manche bis zum Kopf, stehen Gäste in dem Blasengemisch, der Geruch ist streng chemisch. Als sei es ein Kinderspaßbad, tauchen die Tänzer im Schaum unter, Jungen nehmen ihre Mädchen auf die Hüften und tragen sie durch die Schaumberge wie ein edler Ritter seine Prinzessin durch einen reißenden Bach. Zum Lambada reibt man die beschäumten Becken aneinander und bewirft sich neckisch mit Schaumportiönchen. Heiter ist die Stimmung hier, der Schaum gebiert keine Aggressionen, im blubbernden Geseife reifen nur erotische Gelüste, die der Discjockey bedient: »Mädchen, zieht die Klamotten aus, wir wollen nicht, dass ihr euch erkältet.«

Um 2.30 Uhr werfen die Sicherheitsleute die ersten Randalierer raus. Einer von denen, ein schlaksiger Kerl, kaum der Kinderstube entwachsen, will unbedingt noch seinen Pullover von der Garderobe holen. Keine Chance. Zwei Männer schleppen ihn ganz vom Grundstück. Wie einst Robert steht er nun im T-Shirt auf der Straße von Groß Weeden. Zum Glück ist Sommer.

4 Uhr – die Scheunenfete ist zu Ende. Polizei und Sicherheitskräfte scheuchen die Gäste davon. Die meisten verlassen das Gelände auf eigenen Beinen und fröhlich, einigen wird geholfen, mancher an beiden Armen davongeschleift. Entlang der Dorfstraße von Steinhorst sitzen nun müde Jugendliche auf den Kantsteinen. Viele warten auf ein Taxi, die Zentralen sind vom Ansturm überfordert, die Zahl der Wagen viel zu gering. Einen Transportdienst haben die Veranstalter nicht organisiert. Wer aus der Nähe kommt, eiert wackelig auf seinem Fahrrad davon.

Doch nicht alle sind friedlich und selig. An der großen Eiche in der Dorfmitte eskaliert eine Schlägerei bis zur schweren Körperverletzung, und nun kommt der Krankenwagen zum Einsatz. Am Bierstand vor der Scheune grölen auch noch Pepe, Simon und Marco. Sie haben fleißig gesoffen und halten sich nur mit Mühe auf den Beinen. Aus Alkohol, Adrenalin und Aggression köcheln sie ein paar deftige Pöbeleien.

In einer feminisierten Gesellschaft, in der die Kommunikations- und Konfliktfähigkeit das Maß aller Dinge ist, braucht es wohl Scheunenfeten und Alkohol, um endlich einmal den jungen Kerl heraushängen zu lassen, der man doch schließlich auch ist. Und tatsächlich dauert es nicht lange, da fühlt sich der Erste provoziert, dann der Nächste. Es fliegen Fäuste und Fetzen, es kreischen die Mädchen. Bis die Securitys einschreiten und die drei kurzerhand vom Gelände schmeißen.

Die Vernunft hat sich ohnehin längst davon gemacht. Das überlegene Machtgehabe der Sicherheitsleute reizt die drei betrunkenen Jungen noch mehr. Wie von Sinnen stürzen sie sich auf die ihnen deutlich überlegenen Männer. Auch deren Nacht war lang, eine Reihe von Beleidigungen und Sprüchen mussten sie sich anhören, Alkoholisierte von den Zäunen schleppen, Schläger vom Grundstück werfen. Pepe, Marco und Simon sind der Tropfen, der nun das Fass zum Überlaufen bringt. Erst treiben sie die drei Jungen vor sich her. Die schreien: »Ich bring dich um, du Schwein.«

Nun reißt der Geduldsfaden. Simon und Marco landen im Dreck. Einen Security auf dem Rücken, einen im Genick, das Gesicht in Schlamm und Steine gedrückt. Marco schreit, weil sein gegipster Arm verbogen wird, um ihm Handschellen anzulegen, Simon spuckt Blut und brüllt noch mit dem Mund im Schlamm wie ein Bulle.

Aus nächster Nähe beobachtet der Einsatzleiter der Polizei regungslos die Szene und schreitet erst ein, als die Sicherheitskräfte den ZEIT- Fotografen bedrohen, der von der Szene Bilder schießt. Doch nicht etwa zur Unterstützung greift er ein, sondern nun in Ausübung seiner Pflicht, wie er sie versteht. Die Bilder müssten gelöscht werden, so die polizeiliche Anordnung. Der Fotograf wird mitgeschleppt, die ZEIT- Reporterin von den Sicherheitsleuten daran gehindert, ihm zu folgen, und mit Pöbeleien über die »Scheißpresse« bedacht.

Spätestens jetzt ist klar, dass es auf dem Dorf ein eigenes Recht gibt, bei dessen Ausübung seltsame Allianzen entstehen. Im flauen Licht des Morgens sieht man an den Bauzäunen Erbrochenes. Übermüdet macht sich die Landjugend an die Aufräumarbeiten.

Zwei Stunden bis zum gemeinsamen Frühstück und der Lagebesprechung, dann vier Stunden Schlaf, am Nachmittag weitere Aufräumarbeiten. Draußen auf der Straße ist die Karawane der Nachtschwärmer endgültig davongezogen.

Das Dorf verführt. Zu idyllischen Bildern. Zum Rückzug aus der Welt, aus der Stadt. Was an Bildungsniveau fehlt, macht es durch Lebensqualität wett, durch eigenen Grund und Boden. Die Langeweile wiegt das Dorf mit Geborgenheit auf. Und es verführt seine Jugend. Zum Griff nach irgendetwas, das laut ist und wild und wüst, wenn die Eintönigkeit zu groß wird. Dann wartet alles auf Samstagnacht, wenn endlich der Bär steppt.

Ob Gemeindefest oder dörfliche Feier – ohne Alkohol geht hier nichts ab. Mit seinen Herrenrunden und Tresenwitzen aus den Untiefen der Machoseele verführt das Dorf die Jugend, sich früh zu beteiligen am kollektiven Rausch seiner ländlichen Brüderlichkeit, und es erschrickt nur, wenn einer dieser Jugendlichen die falsche, besoffene Brüderlichkeit mit dem Tod bezahlt.

Einer wie Robert. Wo er starb, steht heute ein Holzkreuz mit seinem Namen. Maschendraht umschließt den Längs- und den Querstab, Rosen und Efeuranken stecken darin, so als könne die Umarmung mit dem Blühenden den Tod mildern. Die Eltern des Jungen mussten ein Klageerhebungsverfahren anstrengen, damit die Polizisten vor Gericht kamen. Dort aber verhandelt man nicht um Moral und Mitleid, sondern nach Paragrafen. Es war den Beamten nicht nachzuweisen, dass sie den desolaten Zustand von Robert erkannt hatten. Dabei hätte es gereicht, zu erkennen, dass ein Junge friert, womöglich erfriert, wenn er in einer Winternacht im T-Shirt auf der Straße steht. Ja, es hätte gereicht, sich wie ein Mensch zu verhalten, und Robert würde noch leben.

Zu erzählen bleibt noch, wie Johanna starb. Bei einem Autounfall. Auf der Bundesstraße, die nach Fehmarn führt, in einer weiten Kurve zwischen der Stadt Heiligenhafen und dem Ort Großenbrode. Todeskurve wird sie im Volksmund genannt, weil ihr weiter Schwung schon viele Opfer forderte. Johanna ist das bislang letzte. Ihr Wagen überschlug sich. Sie hatte keine Schuld, ein anderer war ihr auf ihrer Seite entgegengekommen, sie wich aus und starb noch am Unfallort.

Das war am Vorabend des Prozesses gegen die beiden Beamten, keine zwölf Stunden bevor sie als Zeugin aussagen sollte. Die beiden Polizisten erhielten neun Monate auf Bewährung. Sie tun weiter ihren Dienst in den Dörfern. Auch in Scheunenfestnächten und an Discosamstagen.

Anzeige
Leser-Kommentare

    • 09.07.2007 um 22:25 Uhr
    • boyle

    Ok, erst mal Luft anhalten. Vielleicht sollte ich eher "an mich halten" sagen. Ich finde diesen Artikel schlicht ungerecht, einseitig und schnößelig. Meiner Meinung nach gehört dieser Artikel eher in die Kategorie "wer suchet der findet"! Ja, solche Events gibt es auf dem Land. Wer das schrecklich findet, sollte dem schlicht fernbleiben. Zudem gibt es auch die "andere" Jugend. Die, die sich selbst zu organisieren, zu arrangieren weiß. Die weiß, wo Amerika liegt. Und Auch hier gilt: Wer suchet der findet! Ich bin selbst dem Land entwachsen und genieß die neugewonnene Freiheit. Trotzdem lass ich mich ab und an auf den "Schützenfesten" blicken. Und nein, ich bin nicht rechts. Dem Autor gehört mal ein ordentliches Viertele und ne Schweinshaxen vor die Nase gesetzt. Proscht!

    • 09.07.2007 um 23:22 Uhr
    • henk85

    Da muss ich boyle doch mal unterstützen. Ganz schön einseitig geschriebener Kommentar zur Dorfjugend. Der Verfasser sollte doch mal die Jugend vom Dorf mit der Jugend aus der Stadt vergleichen. Wer ist da denn wohl die bessere? Obwohl ich nichts gegen Städter habe. Soll doch jeder sein Leben leben wie er es für richtig hält!
    Ist es etwa verkehrt auch mit über zwanzig noch zu Hause bei den Eltern zu leben? Ich nenne sowas Bodenständigkeit. Soll man etwa Schulden machen?
    Und geht die Stadtjugend am Wochenende etwa nicht auf die Piste? Das wird man nach einer langen Arbeitswoche wohl machen dürfen, oder? Auch wenn Scheunen-,Volks- und Schützenfeste nicht Jedermanns Sache ist. Meine wohl! Ich bin so gut wie auf jeden Fest in der nähe! Das seid ca. 7 Jahren, bin nun 22. Dabei hatt ich noch nie eine Schlägerei, bin nicht Rechts und wurde noch nie von einem Sanitäter behandelt. Ich hab nur viel Spaß, viele Freunde und Bekannte mit denen ich mich unterhalte, usw.. . In der Landjugend bin ich nicht. Aber wahrscheinlich demnächst. Hab mit denen auch schon einige Male bei einem Fußballtunier mitgemacht und bei einigen guten Aktionen für die Allgemeinheit. (Z.B. Müllsammel an Straßenrädern.) Machen Städter sowas auch? Denke nicht! Nagut, Ausnamen gibt es immer.
    Wirklich eine Frechheit der Kommentar, absolut nicht fair und abwertend.
    Achja: Ich weiß auch wie eine Kuh aussieht!

  1. Danke Frau Jeska neben dem heutigen Wetter haben Sie mir den Tag mit Ihrem "Artikel" der wie auch immer man es nennen soll, endgültig verdorben. So ein Bericht hätte ich in jedem schlechten Boulevard - Magazin erwartet, aber nicht in „Der Zeit“, welches ich mir als BWL-Student auch merken werde und nun bei der Auswahl meiner Lektüre immer Hinterkopf bleiben wird. Ich nehme ausschließlich Bezug über die Berichterstattung zum Scheunenfest Steinhorst.
    Was treibt Sie dazu solch Behauptungen und Thesen auszustellen, Frustration?
    Mit ihrem Artikel tragen Sie dazu bei, dass immer weniger Leute Lust haben sich ehrenamtlich zu betätigen, welches ja der Vorstand einer Landjugend macht. Die Landjugend ist mit ihrem buntgestalteten Programm eine attraktive Freizeitalternative.
    Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit im Schreibfeder schwingen, scheinen Sie auch eine gefragte Person in Sachen Trends zu sein. Das die Platten, zur welche die Dorfjugend tanzt schon mit einer dicken Staubschicht überzogen sein müssen, weil diese ja schon gespielt wurde als unsere Eltern konfirmiert worden sind, aber auch, dass die Frisuren und Trends erst wesentlich später über das Land rollen, zeigt mir ein so enges Denken auf, wie sie es versuchen den Lesern mitzuteilen, welches hier auf dem Land wohl herrsche. Bei uns feiert Jung und Alt auch gerne mal zusammen und deswegen ist auch mal ein Lied für die ältere Generation dabei.
    Außerdem möchte ich sagen, dass man durch die subjektive Betrachtung einzelner Partygäste nicht ein Gesamturteil über die Feier an sich und das Leben auf dem Dorf schließen kann
    Das von ihnen Geschilderte bezüglich der Schlägereien und dem übermäßigen Konsum von Alkohol sind leider Randerscheinungen, welche aber nicht ausschließlich auf dem Land passieren, sondern auch in der Stadt .Erlauben Sie mir am Ende den Hinweis, dass das beim Thema Schlägereien, Alkohol- und Drogenmissbrauch im Vergleich Stadt vs. Land, die Stadt schlechter abschneidet.

    • 13.07.2007 um 21:09 Uhr
    • Nana81

    Eigentlich möchte ich nicht mehr viel zu dem Artikel von Frau Andrea Jeska schreiben, da in den anderen Komentaren schon viel steht. Frau Jeska sollte mal daran denken, wo sie wohnt, wenn unsere Dorfjugend so schlecht ist, kann sie ja in ihrem Dorf anfangen, mehr für die Dorfjugend auf die Beine zu stellen, antstatt alles nur negativ zu betrachten und nur schlecht zu machen. Man sollte sich immer erst an die eigene Nase fassen. Da sie ja die Personen nicht einmal persönlich kennt, über die sie in ihrem Artikel urteilt, sollte sie sich lieber keine Meinung über sie bilden! Man sollte Fakten sprechen lassen und besser reschhaschieren, bevor man einen solchen nicht wahrheitsgemäßen Artikel verfaßt und in eine solch renomierte Zeitung setzt!!!

  2. Schönen guten abend...
    Ich stimme den vorher gehenden Kommentare zu und möchte auch garnicht viel sagen.
    Ich finde es schade das die gesamte "Dorfjugend" so dargestellt wird, nur weil einige aus der reihe gefallen sind. Ich bezweifel allerdings, das alle ca.4500 leute sich ins Koma gesoffen haben oder sich geschlagen haben so wie Sie es darstellen. Dann wären wir wohl alle im Fernsehen gewesen und müssten keine Kommentare unter diesen Artikel, der für mich eine impertinenz ist schreiben.
    Was ich noch sagen wollte, es stehen mehr Artikel (die man auch so bezeichnen kann) in den Zeitungen über Alkohol missbrauch in Städten.

  3. Ist schon komisch, nachdem ich den Artikel gelesen habe, muss ich sagen, waren auch mir zunächst die Punkte "einseitige Berichterstattung" und das Zitat vom Suchen und Finden in den Sinn gekommen. Denn sicher sind die ausgewählten Beispiele kein typisches Bild vom Jugendlichen auf dem Lande. Es finden schließlich nicht jedes Wochenende Scheunenfeten statt, sondern doch eher vereinzelt und eher im Sommer. Und die Landjugend ist nach wie vor einer der wichtigsten Jugendverbände im ländlichen Raum, die aus vielen gesellschaftlichen Bereichen nicht wegzudenken ist und sich auch auf Ortsebene sehr stark politisch und gesellschaftlich engagiert. Ich halte den Artikel in diesen Punkten auch für extrem unpassend für ein Magazin wie die Zeit.

    Allerdings haben mich die bisherigen Kommentare fast noch mehr schockiert, als der Artikle selbst. Denn eines kann man dem Artikel nicht absprechen und das ist die Anregung zur Selbstreflektion. Vor allem die Feindseligkeit und Abgrenzung gegenüber der Stadt und allem Fremden (auch der Presse) ist doch etwas, was der Artikel sehr gut darstellt und woran wir auf dem Land auf jeden Fall arbeiten sollten. Ich bin in der glücklichen Situation auf dem Land (200 m. bis zum nächsten Nachbarn) aber sehr Stadtnah (30 Minuten mit dem Fahrrad bis ins Zentrum Bremens) zu wohnen. Ich halte gerade diesen Austausch zwischen Stadt und Land für sehr wichtig und würde jedem "Landjugendlichen" empfehlen zumindest mal während Ausbildung, Studium oder ähnlichen in die Stadt zu ziehen um über den Tellerrand zu blicken.

    Schaden tut's sicher nicht.

  4. Sehr geehrte Frau Jeska,

    auch ich möchte mich meinen "VorrednerInnen" anschließen. Der Artikel ist doch sehr einseitig. Er haut immer schön auf die schon bestehenden Vorurteile von StädterInnen, welche dem "urbanen Leben" der Stadt standhalten können. Ein bisschen mehr Reflexion und kritisches Hinterfragen hätte dem Artikel nicht geschadet. Nicht alles auf dem Lande läuft super. Aber das ist in der Stadt nicht anders. Idioten, die sich den Verstand weg saufen, gibt es hier und dort. Leute, die im Suff randalieren oder sich gegenseitig auf die "Fresse" hauen, ebenfalls. Nun frag ich mich, was Sie mit dem Artikel grundsätzlich aussagen wollten:
    Die intelligenten Leute wandern in die Städte ab?
    Die Landjugend rennt ewig einer Mode hinterher?
    In der Stadt sind die Jugendlichen glücklicher?
    Feuerwehr, Landjugendorganisationen, Schützenvereine sind überflüssig?
    Wenn es "nur" um die eigenen Gesetze auf dem Land und die Geschichte des betrunkenen Jugendlichen und dem Verhalten der Polizei ging, dann hätte die Hälfte des Textes auch gereicht, ohne jede einzelne sich wiegende Ähre auf den Feldern zu beschreiben.

    Der Artikel ist mir insgesamt zu polemisch und zu blumig. Obwohl der Aufhänger (den ich nur ganz schwer ausmachen konnte)an sich ein interessanter war. Leider ging er in der ganzen Prosa und den Vorurteilen unter.

    • 21.07.2007 um 18:21 Uhr
    • Elfi

    Sehr geehrte Frau Jeska,
    sie haben mit ihrem Artikel über die Feten der Dorfjugend sicherlich provozieren wollen.
    Das ist ja auch die Aufgabe der Medien- Reflektieren, Provozieren, Bewegen.
    Bewegt haben sie in der Tat viel, vor allem Unmut und Widerspruch- zu Recht, wie ich finde.
    Als Studentin genieße ich es am Wochenende nach Hause zu fahren, um Kraft zu tanken. Es kostet Kraft nachts nicht ohne Ohropax schlafen zu können, weil die Stadt nie zur Ruhe kommt.
    Zudem wird man auf dem Land nicht konfrontiert damit, dass einem zwielichtige Gestalten bis an die Tür folgen und klingeln.
    Für soetwas bin ich mir wirklich zu schade.
    Ich kann mich auch nicht anfreunden mit ihrem Urteil, die Landjugend sei ein Party- und Spaßverein. Das Jahresprogramm einer Landjugendgruppe besteht nicht nur aus DER Fete oder des Balls. Auch Touren z. B. nach Hamburg stehen auf dem Plan. Auf´n Kiez? Fehlanzeige!!Besichtigung des Hafens, des Airbuswerkes, des Planetariums, Planten und Bloom-alles schon vorgekommen.
    Dabei ziehen die Jugendlichen nicht nur Nutzen aus der Tour selbst, sondern auch daraus, das alles selbstorganisiert ist.
    Durch die gemeinschaftlichen Unternehmungen und das Engagement der Gruppe im Dorf, lernen die Jugendlichen Kommunukationfähigkeit und Konfliktmanagement und nicht nur Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.
    Fragen sie mal die Personaler in den Firmen nach den gewünschten Softskills.
    Aus meiner Sicht sind dies die bessten Vorraussetzungen,um in der heutigen Schnelllebigkeit zu bestehen- nur dass diese Manager von morgen wissen wo und wie man sich am Besten entspannen kann vom Trubel der Stadt, nämlich auf dem Land.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren
  • Von Andrea Jeska
  • Datum 9.7.2007 - 02:11 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 05.07.2007 Nr. 28
  • Kommentare 23
  • Empfehlen E-Mail verschicken | Bookmarks
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Gesellschaft und soziales Leben | Sozialverhalten | Gewalt
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service