Altersvorsorge Nichts zahlen, bitte!
Jeder Arbeitnehmer hat ein Recht auf betriebliche Altersvorsorge. Doch viele kleine Firmen schrecken davor zurück: Sie fürchten die komplizierten Regelungen.
Gut sehen die Zahlen aus – auf den ersten Blick: 1,1 Millionen Neuverträge zur betrieblichen Altersvorsorge seien im Jahr 2006 abgeschlossen worden, meldet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Damit liege der Bestand bei 11,5 Millionen Verträgen, im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von fünf Prozent.
Schnell relativieren sich die Zahlen, werden sie ins Verhältnis zum vorhandenen Potenzial gesetzt. Seit 2002 hat jeder sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch darauf, dass Teile seines Gehalts steuerbegünstigt in Vorsorgebeiträge umgewandelt werden. Insgesamt gilt diese Regelung für mehr als 26 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, und bezogen darauf haben nur 44 Prozent der Arbeitnehmer auch einen konkreten vertraglichen Anspruch auf eine Betriebsrente.
Als trügerisch hat sich die Hoffnung erwiesen, dass Arbeitnehmer auf ihren Rechtsanspruch pochen und von ihren Chefs den Abschluss von Verträgen zur betrieblichen Altersvorsorge einfordern. Fünf Jahre nach Inkrafttreten der Gesetzesnovelle hat sich in Deutschland eine Zweiklassengesellschaft gebildet: Auf der einen Seite sind die großen Mittelständler und Konzerne, die aktiv Vorsorgemodelle anbieten und ihre Arbeitnehmer zur Gehaltsumwandlung ermuntern. Auf der anderen Seite sind die kleinen Unternehmen, die um das Thema am liebsten einen großen Bogen machen. Ängstliche Arbeitgeber, komplizierte Regelungen und rechtliche Unsicherheiten sind schuld daran, dass der Erfolg der betrieblichen Altersvorsorge in der Breite weiter auf sich warten lässt.
»In Kleinunternehmen liegt die Abschlussquote nahe null«
Unternehmer, die schon beim Stichwort »Betriebliche Altersvorsorge« abwinken, Informationsveranstaltungen nach Feierabend in muffigen Kellerräumen und desinteressierte Arbeitnehmer, die nach wenigen Minuten wieder gehen – so schildert ein Vertreter einer großen Versicherungsgesellschaft den harten Alltag beim Tingeln durch die Kleinbetriebe. »In Kleinunternehmen liegt die Abschlussquote nahe null«, so sein ernüchterndes Fazit. Wie weit die Schere schon aufgegangen ist, zeigt eine Studie der Allianz-Versicherung: Während 98 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern ein betriebliches Vorsorgemodell anbieten, liegt die Quote bei Betrieben mit weniger als 20 Mitarbeitern bei mageren 46 Prozent.
Gerade in kleineren Betrieben, bei Arbeitgebern wie Arbeitnehmern, ist die Unwissenheit über die komplizierten Regelungen zur betrieblichen Vorsorge groß. »Oft werden nicht einmal die fundamentalen Unterschiede zwischen der unternehmensfinanzierten Betriebsrente und der Gehaltsumwandlung wahrgenommen«, sagt Frank Wallau, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn. Nur wenige wissen, dass die Gehaltsumwandlung im Gegensatz zur arbeitgeberfinanzierten Betriebsrente der Firma kein zusätzliches Geld kostet oder dass das Unternehmen weniger Bilanzierungsaufwand hat, wenn es statt der Direktzusage die Einzahlung in eine Pensionskasse wählt: Detailwissen über die Feinheiten der zur Wahl stehenden Modelle ist im Kreis der Kleinunternehmer eher selten.
- Datum 06.07.2007 - 10:22 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 05.07.2007 Nr. 28
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Die Wirtschaftsverbände verlangen doch dauernd die Altersvorsorge vom Staat und von Pflichtzahlungen weg zu verlagern in persönliche Verantwortund und Betriebsrenten.
Aber das wollen sie dann auch nicht :-D Vögel
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren