Glück Empfindungen im Alltag
Pendeln nervt
Man müsste einen »Hedonimeter« haben, stellte sich der britische Ökonom Francis Ysidoro Edgeworth im 19. Jahrhundert vor. Mit dem Glücksmesser könnte man die Zufriedenheit eines Menschen durchgehend messen, zu jedem Zeitpunkt.
Heute versuchen Glücksforscher genau das. Mehrere Methoden werden ausprobiert. Bei einer erhalten die Testpersonen einen Minicomputer, der zu unterschiedlichen Zeiten des Tages Laut gibt und um Eintragungen bittet. Was haben Sie gerade gemacht? Fühlen Sie sich zufrieden oder unzufrieden?
Leichter ist die sogenannte Tagesrekonstruktion, bei der Menschen täglich den Vortag in einem Tagebuch bewerten. Sie beschreiben die Episoden des Tages und – anhand vorgegebener Kategorien – ihre Gefühle währenddessen. Selbst Marketingberater benutzen die Methode heute, um den verborgenen Bedürfnissen der Kunden auf die Schliche zu kommen.
Aufsehen erregte eine Rekonstruktionsstudie mit 909 berufstätigen Frauen im US-Bundesstaat Texas. Sie zeigte, welche Empfindungen die verschiedenen Phasen des Tages und die verschiedenen Aktivitäten bei den Testpersonen durchschnittlich auslösten – heraus kam eine Rangliste dessen, was sie zufrieden und unzufrieden machte.
Besonders positiv wirkten demnach intime Beziehungen, gefolgt vom gemeinsamen Ausgehen mit Kollegen nach der Arbeit. Das Abendessen und Zeiten der Entspannung standen ebenfalls hoch im Kurs. Als besonders unangenehm erwies sich wie in anderen Studien auch der Weg zum Job – Pendeln gefällt den wenigsten Menschen.
Die Arbeit selbst war auch belastend, im Gegensatz zu den sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz. Bemerkenswert: Negativ schlug auch die Betreuung der eigenen Kinder zu Buche, sie war sogar unangenehmer als Hausarbeit oder das Einkaufen. Lebenszufriedenheit schafft der Nachwuchs trotzdem – durch das allgemeine positive Gefühl, überhaupt Kinder zu haben.
Eine verwandte Studie, wiederum mit Frauen, unterschied zwischen Arm und Reich. Dabei meldeten die Frauen aus den ärmsten Haushalten 32 Prozent der Zeit schlechte Laune, die aus den reichsten 20 Prozent der Zeit. Deutlicher war ein anderer Unterschied: Zwar überschätzten alle Frauen den Anteil der Zeit, den sie in schlechter Laune verbringen – aber die wohlhabenden nicht halb so sehr wie diejenigen, die ein geringes Einkommen hatten. In der allgemeinen Bewertung ihres Lebens konzentrierten sie sich anscheinend zu sehr auf die ökonomischen Bedingungen – und vernachlässigten die schöneren Seiten ihres Lebens. ujh
- Datum 04.07.2007 - 03:44 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.07.2007 Nr. 28
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