DIE ZEIT: Welche Erkenntnis hat Sie als Ökonom, der seit Langem über das Glück forscht, am meisten überrascht?

Bruno S. Frey: Dass Arbeitslosigkeit die Lebenszufriedenheit so stark beeinträchtigt – und zwar selbst dann, wenn sich das Einkommen gar nicht ändert. Früher haben Ökonomen gesagt, wenn jemand das gleiche Einkommen hat und nicht arbeiten muss, ist das ja das Paradies. Das war falsch.

ZEIT: Hilft es Arbeitslosen, wenn sie ihr Schicksal mit anderen teilen?

Frey: Ja, wenn viele Menschen arbeitslos sind, dann ist es für den Einzelnen nicht so schlimm. Aber es ist noch lange nicht gut.

ZEIT: Welche Schlüsse sollte man daraus ziehen, dass Arbeitslosigkeit das Glücksgefühl massiv mindert?

Frey: Man muss einer vernünftigen Beschäftigungslage noch mehr Aufmerksamkeit schenken als bisher. Wenn man in bestimmten Situationen abwägen müsste, was wichtiger ist, mehr Beschäftigung oder mehr Wachstum, dann weisen unsere Ergebnisse auf die Beschäftigung.

ZEIT: Heißt das auch, ein schlechter Job ist besser als gar kein Job?

Frey: Mitsprache am Arbeitsplatz, wissen, dass man ernst genommen wird – das spielt eine Rolle. Einfach irgendwelche Jobs zu schaffen, halte ich nicht für sinnvoll.

ZEIT: Zu wenige Jobs kann man ausgleichen, indem man Arbeitslose ehrenamtlich einsetzt und durch ein Grundeinkommen unterstützt. Würde das den Wert von Arbeit am Markt ersetzen?

Frey: Wir wissen, dass ehrenamtliche Tätigkeit die Menschen zufriedener macht – wie auch das Geben für gute Zwecke, was ein erfreuliches Forschungsergebnis ist. Aber meistens sind es gerade nicht die Arbeitslosen, die sich engagieren, sondern Menschen, die auch einen Job haben.