Mitarbeiter als Teilhaber – für den Schreiner Toni Werner ist das nichts Neues. Er hat seine Angestellten schon vor neun Jahren am eigenen Betrieb beteiligt. Seitdem ist Werner nicht nur Handwerksmeister, sondern auch Vorstandsvorsitzender der Werner AG. Die Aktiengesellschaft – oder eben: Tischlerei – hat ihren Sitz in Laufach bei Aschaffenburg und beschäftigt zwölf Mitarbeiter. Zwei Drittel der Belegschaft, also acht Personen, sind gleichzeitig Aktionäre. Sie besitzen sogar die Mehrheit der Anteilsscheine. Es ist ein ungewöhnliches Beteiligungsmodell für einen Handwerksbetrieb. Aber eines, das sich bewährt hat, wie Toni Werner beteuert: »Wir alle, der Betrieb und die Mitarbeiter, profitieren davon.«

Künftig sollen sich noch viel mehr Arbeitnehmer an den Unternehmen, in denen sie beschäftigt sind, beteiligen. Das sehen Konzepte vor, die SPD und Union in der vergangenen Woche präsentiert haben. Bisher bietet nur jeder 50. Betrieb in Deutschland seinen Beschäftigten die Teilhabe an, etwa in Form von Belegschaftsaktien, stillen Beteiligungen oder sogenannten Genussrechten. Diese Instrumente werden viel zu wenig genutzt, meinen die Regierungspartner. Sie haben deshalb Modelle vorgelegt, die sich im Detail unterscheiden, aber in dieselbe Richtung weisen: Der Gegensatz von Arbeit und Kapital soll entschärft, aus Mitarbeitern sollen Mitunternehmer werden.

Auf diese Weise, so die Hoffnung, ließen sich drei Ziele erreichen. Erstens könnten die Arbeitnehmer mehr Vermögen aufbauen, weil sie an den seit Jahren kräftig steigenden Unternehmensgewinnen teilhaben würden und sich nicht nur mit eher mäßigen Lohnzuwächsen bescheiden müssten. Zweitens würden die Betriebe produktiver, weil sich die Beschäftigten mehr mit ihren Firmen identifizieren und sich entsprechend stärker engagieren würden. Und drittens soll das Geld der Arbeiter die Kapitalbasis der Unternehmen verbessern. Um all das zu fördern, muss nach den Vorstellungen der Koalitionspartner der Staat aktiv werden und mehr Geld dazugeben. Die SPD will rund 210 Millionen Euro aufwenden, das Modell der Union würde sogar Kosten von rund einer Milliarde Euro verursachen. Gut angelegtes Geld?

In der Krise droht der Verlust des Jobs – und der Verlust des Ersparten

Glaubt man Toni Werner, dann kann die Verwandlung von Angestellten in Anteilseigner Berge versetzen. »Es wird immer unterschätzt, was für Kräfte, Energien und Freude das freisetzt«, sagt der Tischler. Seine Firma sei seit der Beteiligung der Mitarbeiter von einer kleinen »Pumuckl-Schreinerei« zu einem Unternehmen mit großer Ausstellungsfläche herangewachsen, das eigene Produkte entwickle und sogar Schulungen anbiete. Der Umsatz hat sich verdoppelt. Es ist also eine Erfolgsgeschichte.

Dennoch zeigen sich am Beispiel der Schreinerei auch die Schattenseiten des Modells. Die Mitarbeiter gehen bei einer Kapitalbeteiligung nämlich ein doppeltes Risiko ein: Gerät das Unternehmen in die Krise, verlieren sie unter Umständen nicht nur den Arbeitsplatz, sondern auch ihr Erspartes. Im Fall der Tischlerei geht es dabei um hohe Summen – die Angestellten haben jeweils rund 25000 Euro in die Firma gesteckt.