Hochschule So machen es die anderen
Wie amerikanische, britische und niederländische Einrichtungen Migranten am Studienabbruch hindern
Als der Amerikaner Nate Easley in Europa Partner für seine Organisation finden wollte, suchte er in Deutschland vergeblich. Easley arbeitet beim Council for Opportunity in Education in Washington, der zwei Ziele verfolgt: Einmal sollen möglichst viele Schüler aus bildungsfernen Bevölkerungsgruppen (Schwarze, Latinos, Indianer) ein Studium beginnen, zum anderen möglichst wenige die Ausbildung abbrechen.
Dafür organisiert der Council ein Dutzend verschiedener Programme. In »Upward Bound« bekommen Highschool-Schüler Nachhilfe in Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften; Studienberater organisieren Campus-Führungen oder kulturelle Fortbildungen. Um die Abbrecherquote zu senken, wiederholen Tutoren mit den Studenten die Inhalte aus Vorlesungen und Seminaren. Andere Berater kümmern sich um Stipendien für ihre Schützlinge. Rund 850000 Schüler und Studenten aus einfachen Verhältnissen erhalten zurzeit eine derartige Unterstützung. Das Geld stammt von der Bundesregierung und wird an die Universitäten erfolgsabhängig verteilt: Je geringer die Abbrecherquoten, desto höher die Zuschüsse.
Auch in Großbritannien und den Niederlanden haben sich Bildungseinrichtungen der »Diversity«, der ethnischen und sozialen Vielfalt, verschrieben. Für britische Universitäten heißt das, möglichst viele Studenten aus der Unterschicht zu rekrutieren. Werbeaktionen an Schulen in sozialen Brennpunkten, Schnupperkurse, Sommerakademien und eine spezielle Studienberatung für diese Zielgruppe gehören zum Standardprogramm der meisten Hochschulen. Bis 2010 will die Regierung so 50 Prozent eines Schülerjahrgangs eine akademische Ausbildung ermöglichen.
An niederländischen Hochschulen haben bereits bis zu 30 Prozent der Studenten ausländische Wurzeln und ähnliche Schwierigkeiten wie ihre deutschen Kommilitonen. Besondere Sorgen machen den Bildungsverantwortlichen die hohen Abbrecherquoten unter den Migrantenstudenten, sagt Mary Tupan, Geschäftsführerin von Echo. Seit 1994 unterstützt die Organisation die Universitäten dabei, Studenten aus Einwandererfamilien ins akademische Leben zu integrieren. Tupan: »Angesichts zurückgehender Bevölkerungszahlen kann das Land es sich nicht leisten, Begabungen zu verschleudern.«
- Datum 04.07.2007 - 07:06 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.07.2007 Nr. 28
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren