Östereich Dr. med. und Waren aller Art

Die Geschäfte des verhinderten Krebsheilers Johannes Huber

Professor DDr. Johannes C. Huber ist ein umtriebiger Mann: hier eine Aufsichtsratsitzung seiner Firma Tagos Handels GmbH, dort ein Fototermin für die Zeitschrift News . Hier eine Grundkapitaleinlage für die Cell Danube AG in der Höhe von 8575 Euro, dort eine Kapitalerhöhung um 30.000 Euro bei der Cell Med Research GmbH, hier ein bisschen Expertise als Vorsitzender der Bioethikkommission des Bundeskanzleramtes, dort ein »Anti-Age-Tipp« für Titania’s Dream – eine Creme aus Eselinnen-Milch, Ginseng und Myrrhe, die nach seiner Idee entwickelt wurde und um die er sich als »wissenschaftlicher Begleiter« verdient macht. Zwischendurch noch Patientinnengespräche in der Privatpraxis für Hormonkosmetik, eine Studie am Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH) mit dem Titel Effects of a red clover extract on endometrium and sex hormones in postmenopausal women, bei der Huber als Letzter seinen Namen in die Autorenzeile hinzufügen durfte. Hier eine finanzielle Beteiligung an einem onkologischen Zentrum namens Mozat, dort eine Investition in der Höhe von 11667 Euro an einer Phytos Handels GmbH, die ursprünglich den poetischen Namen Sonne, Mond und Sterne trug.

Professor Johannes Huber, Mediziner und Theologe, tanzt auf vielen Hochzeiten – auch dann, wenn er sich nicht gerade mit den Protesten seiner Kollegen herumschlagen muss, die meinen, der in den Medien omnipräsente Arzt habe etwas vorschnell und etwas eigennützig eine unausgereifte Zelltherapie in einer Boulevardzeitung als neue »Wunderwaffe« gegen Krebs angepriesen. In diesem Trubel kann es schon passieren, dass der hippokratische Tausendsassa gelegentlich den Überblick verliert und eine der zahlreichen Firmen, an denen er beteiligt ist, finanziell ins Schlingern gerät.

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Für Außenstehende ist es gar nicht einfach, festzustellen, wo der prominente Arzt überall seine Hände im Spiel hat. Wer würde schon vermuten, dass sich hinter der 1992 gegründeten Wiener Firma Tagos Handels GmbH in Wirklichkeit Professor Johannes Huber mit einer Kapitaleinlage von 300.000 Schilling und Frau Huber mit einer Kapitaleinlage von 200.000 Schilling verbergen? Vor allem, wo der Firmenzweck doch eher auf einen Mischkonzern denn auf ein Medizinunternehmen schließen lässt: der »Handel mit Waren aller Art«, das »Gastronomiegewerbe in allen Betriebsformen« und das »Führen landwirtschaftlicher Betriebe und die Beteiligung an anderen Gesellschaften und Unternehmen einschließlich der Geschäftsführung«.

Auch in den USA ist die neue Waffe gegen Krebs noch nicht zugelassen

Weil die Tagos Handels GmbH gelegentlich von einem Bevollmächtigten namens Gerhard Nidetzky vertreten wird, der mit der Firma im Grunde genommen nichts zu tun hat, blieb es Außenstehenden zunächst verborgen, dass sich die Tagos – also Professor Huber – mit 60.000 Euro an einer Kremser Firma namens Cell Med Research GmbH beteiligte, genauso wie sein AKH-Kollege, der Gynäkologe Sepp Leodolter – dieser allerdings ganz unverdeckt. Als Geschäftszweck der von Huber, Leodolter und weiteren Personen im September 2006 gegründeten Firma hieß es im Gesellschaftsvertrag unter anderem: »Die Durchführung zellulärer Therapien und die Entwicklung und Verwertung einer Zellimpfung«.

Ein guter Zweck also. So schien es jedenfalls. Interessierte Patienten konnten sich auf der Homepage der Firma folgende Information herunterladen: »Ich wurde darüber aufgeklärt, dass die Therapie mit dendritischen Zellen (das sind Zellen des Immunsystems, Anm. d. Red.) auf Basis einer individuellen Heilbehandlung durchgeführt wird. Ich wurde darüber aufgeklärt, dass es sich bei der Therapie mit dendritischen Zellen trotz zahlreicher Hinweise in der wissenschaftlichen Fachliteratur zum gegenwärtigen Zeitpunkt um keine etablierte Therapieform meiner Grundkrankheit handelt.«

Professor Huber, sein Kollege Leodolter sowie der Wiener Transfusionsmediziner Professor Markus Dettke traten als »wissenschaftlicher Beirat« auf. Und weil das in Österreich prominente Namen sind, wurden im Verlauf weniger Monate einige Dutzend Patienten individuell zum Preis von je 14.000 Euro behandelt – wenn man einem Bericht der Tageszeitung Presse vom Mai 2007 Glauben schenkt. Das war zu einem Zeitpunkt, als sich die Behandlungsmethode noch nicht zu einem Skandal entwickelt hatte. Die Presse zitierte Huber mit der euphorischen Prognose: »Die Zelltherapie wird neben Operation, Bestrahlung und Chemotherapie der vierte Arm der Krebstherapie.«

Kurz darauf erschien im österreichischen Boulevardmagazin News eine Titelgeschichte, die dasselbe Thema noch weiter aufblähte und eine medizinische Sensation ankündigte. Der Artikel vermittelte den Eindruck, die beiden »Wiener Top-Ärzte« hätten das Problem Krebs beinahe gelöst. Zur Untermauerung der Seriosität verwies Professor Huber darauf, dass in den USA die Firma Dendreon von der Gesundheitsbehörde FDA für eine ähnliche Therapie bereits die vorläufige Zulassung erhalten habe.

Das ist allerdings eine Irreführung. Oder theologisch formuliert: Wer Huber glaubt, wird selig – aber sicher nicht geheilt. Denn einige Wochen zuvor hatte die US-Gesundheitsbehörde ein neu entwickeltes Prostatakrebsmedikament namens Provenge abgelehnt, weil in den vorgelegten Studien mit insgesamt 225 Patienten keine Einschränkung des Krebswachstums nachgewiesen werden konnte. Mit anderen Worten: nicht viel besser als ein Placebo.

Warum hatten Huber und seine Partner die PR-Aktion in News gestartet? Um neue Investoren und Patienten für ihre Firma Cell Med anzulocken? Dieser Verdacht ist nicht von der Hand zu weisen. Beide Mediziner waren nicht nur an der Firma Cell Med beteiligt, sondern seit Längerem auch an einer älteren Firma, die einen zum Verwechseln ähnlichen Namen besitzt, nämlich Cell Danube AG, dieselbe Firmenadresse in Krems aufweist und außerdem einen ähnlichen Firmenzweck verfolgt: ebenfalls »die Durchführung zellulärer Therapien und die Entwicklung und Verwertung einer Zellimpfung«. Gegründet wurde diese Firma im Juli 2003. Sie war mit dem mageren Startkapital von 70000 Euro ausgestattet. Beide Professoren waren lediglich mit je 8575 Euro beteiligt, den finanziellen Löwenanteil hatte das Land Niederösterreich beziehungsweise die Donau-Universität Krems übernommen.

Was von den Firmengründern als Revolution in der Krebsforschung angekündigt worden war, geriet allerdings zu einer Provinzposse. Zunächst stattete die Donau-Universität die Neugründung mit einem Darlehen in der Höhe von 1764300 Euro aus. Doch das Unternehmen begann nicht so richtig zu laufen. In einer Aufsichtsratssitzung der Firma Cell Danube AG, die am 28. April 2006 am Wiener AKH stattfand (anwesend waren sowohl Huber als auch Leodolter sowie der von der Universität Krems entsandte Professor Dieter Falkenhagen), wurde darüber geklagt, dass die »Reinraumanlage«, also das sterile Herz des Labors, über keine adäquate Kühlung verfüge. Die hatte schon 2005 nicht funktioniert und würde voraussichtlich auch bis Mitte des Jahres 2006 nicht funktionieren.

Forschung auf Weltniveau?

Der Druck verschärfte sich, als die Wirtschaftsprüfungskanzlei Deloitte & Touche die wirtschaftliche Situation der Firma am 23. Juni 2006 als »prekär« einstufte. Wieder einmal musste die Donau-Universität Feuerwehr spielen und ein weiteres Darlehen in der Höhe von einer halben Million Euro zuschießen. Die Gesellschafter suchten hektisch nach zusätzlichen Finanzquellen. Schließlich gelang es dem Aufsichtsratsvorsitzenden Falkenhagen, die im Gesundheitsmanagement tätige Wiener SynerMed GmbH an Bord zu locken. Alle Beteiligten einigten sich nun darauf, die Firma Cell Danube AG am 15. September 2006 in eine GmbH umzuwandeln. Diese Gesellschaftsform hatte den Vorteil, dass keine externe Firma mehr mit der Prüfung der Geschäftstätigkeit beauftragt werden musste. Es würde also keine unangenehmen Berichte von Deloitte & Touche mehr geben.

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