Mörderische Ärzte

»Ich gelobe feierlich, mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen« so heißt es in der ersten Zeile der Genfer Deklaration des Weltärztebundes. Es ist die moderne Version des hippokratischen Eides, doch im jüngsten Kapitel des islamistischen Terrors in Großbritannien wurde dieser Eid gerade in sein Gegenteil verkehrt. Bis Dienstagabend hatte die Polizei sieben Männer und eine Frau wegen des Verdachts geplanter Massenmordanschläge festgenommen. Sieben Ärzte und Medizinstudenten sowie eine Laborassistentin. Alle acht waren Angestellte des britischen Gesundheitssystems (NHS).

Dass es so schnell zu Verhaftungen kam, war ein Glücksfall. Ein Sprecher von Scotland Yard nannte die beiden Autobomben, die die mutmaßlichen Attentäter am Freitagmorgen im Londoner Stadtzentrum zurückgelassen hatten, »Schatzkisten voller Hinweise und Spuren«. Über die Handys, mit denen die beiden mit Gas- und Benzinkanistern beladenen Wagen in die Luft gesprengt werden sollten, führte die Spur direkt zu den Tätern von Glasgow.

Die Tatsache, dass keiner der Verdächtigen einen britischen Pass besitzt und alle für das NHS arbeiteten, legt die Vermutung nahe, dass die acht eine Schläferzelle gegründet haben etwa nach dem Vorbild von al-Qaida und Mohammed Atta, der die Anschläge vom 11. September von Hamburg aus mit vorbereitet hatte. Das Innenministerium wiegelte allerdings gleich ab. Wahrscheinlicher sei es, dass die acht erst nach ihrer Ankunft in Großbritannien radikalisiert worden seien und sich ihre Terrorziele selbst ausgesucht hatten. Wie aber gingen sie bei der Planung vor? Haben sie sich getroffen oder vielleicht nur im Internet miteinander kommuniziert? Die Liste der unbeantworteten Fragen ist noch lang.

Premier Gordon Brown hat derweil angekündigt, einen Nationalen Sicherheitsrat ins Leben zu rufen. Er soll Polizei, Armee und Geheimdienst koordinieren und »die Herzen und Köpfe« der Muslime gewinnen. Wer in diesem Rat sitzen soll, ist bislang jedoch ein Geheimnis.

 
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