Archäologie Rätsel der Riesen
Das Berliner Museum für Naturkunde zeigt einen neuen Superlativ: das höchste Saurierskelett der Welt.
Auch Tote können wachsen. 150 Millionen Jahre nach seinem Ableben ist der Brachiosaurus brancai im Berliner Museum für Naturkunde um fast eineinhalb Meter in die Höhe geschossen. Nun hebt er seinen vergleichsweise winzigen Kopf weit unter das neue Glasdach des Lichthofs. Aus 13,24 Meter Höhe wird er die Besucher beäugen, wenn der Sauriersaal am 13. Juli wiedereröffnet wird. Damit ist der Sauropode das weltweit höchste aufgestellte Dinosaurierskelett aus echten Fossilien.
Für den postmortalen Wachstumsschub ist Kristian Remes verantwortlich. Der Paläontologe hat die kanadische Spezialfirma beraten, die den Koloss vor zwei Jahren demontiert, dann gereinigt, konserviert und nun neu aufgestellt hat. »Vorher sah der Brachiosaurus tonnenförmig und ziemlich behäbig aus«, sagt Remes. »Die Vorderbeine waren abgewinkelt, wie im Liegestütz.« Nun streckt der Gigant unter dem verschlankten Körper seine Glieder und setzt den rechten Vorderfuß dynamisch nach vorn. »Die alte Haltung wäre rein mechanisch gar nicht möglich gewesen. Der hätte dauernd Sehnenabrisse gehabt«, meint Remes. Für seine Doktorarbeit hat er die Muskelpartien des Schultergürtels am Computer rekonstruiert. Auch der Hals wurde nach biomechanischen Berechnungen neu justiert, jetzt reckt das Urtier ihn in einem Winkel von 80 statt 60 Grad in die Höhe. So stimmt die Druckverteilung.
Als der Brachiosaurus vor 70 Jahren zum ersten Mal aufgerichtet wurde, gestützt von einem Stahlkorsett, stellte man sich Dinosaurier als lahme Reptilien vor, die sich mühsam durch die Gegend schleppten. Diese Vorstellung ist überholt. Nun trägt der Sauropode seinen Schwanz agil in der Luft, statt ihn auf dem Boden hinter sich herzuschleifen. »Man hat nur Fuß-, keine Schleifspuren gefunden«, erklärt Remes. »Außerdem hätte er sonst nie das Gleichgewicht halten können.« Nach der Richtigstellung wirkt das Urviech sogar recht behände, soweit das für ein Lebewesen mit dem Gewicht eines Schwerlasters vorstellbar ist.
Etwa 40 Tonnen wog der Pflanzenfresser, hat Hanns-Christian Gunga vom Institut für Physiologie der Berliner Charité berechnet. Das ist wesentlich weniger, als man früher schätzte. Der Weltraummediziner beschäftigt sich normalerweise mit den Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf den Körper. Seine Erkenntnisse nutzt er, um die Physiologie der urzeitlichen Schwergewichte zu erforschen. Er nahm das Skelett des Dinosauriers mit dem Laserscanner auf und kalkulierte die Körpermasse, die Größe der Organe und den Energieverbrauch. Allein das Herz, das die 1900 Liter Blut durch den Körper des Kolosses pumpte, wog 200 Kilo. An die 213000 Kalorien verbrauchte der Gigant am Tag – im Ruhezustand.
Warum sind Brachiosaurus und seine Verwandten derart groß geworden, bis zu zehnmal größer als alle anderen Landlebewesen? Wie funktionierten diese Riesen? Und wo liegen die Grenzen des Wachstums? Das versuchen Paläontologen, Zoologen, Ernährungswissenschaftler, Geochemiker und Ingenieure in dem Projekt »Biologie der Sauropoden: Die Evolution des Gigantismus« herauszufinden. Gerade wurde die Finanzierung bis 2010 verlängert. Die Hälfte der Forschungszeit ist nun um, erste Zwischenergebnisse liegen vor.
Martin Sander, der Koordinator des Projekts, stellt die zentrale Frage lieber andersherum. »Warum werden Säugetiere nicht so groß? Warum gibt es keine 50 Tonnen schweren Elefanten?« Denn grundsätzlich gelte: »Größer ist besser, mit wenigen Ausnahmen.« Weniger Feinde, mehr Erfolg bei Jagd und Fortpflanzung, effizientere Körperfunktionen und eine längere Lebensdauer zählten zu den Vorteilen der Größe. »Jede Art reizt ihren Bauplan aus«, erklärt der Paläontologe. Demnach läge das Geheimnis der Größe in der Konstruktion der Sauropoden. Sie waren Meister im Leichtbau, ihre Wirbelkörper hatten Hohlräume, vermutlich gefüllt mit Luftsäcken. Diese stützten gleichzeitig als pneumatisches System den langen Hals der Tiere, sodass Bänder und Muskeln entlastet wurden, nehmen Christian Meyer und Daniela Schwarz vom Naturhistorischen Museum Basel an. So konnte Brachiosaurus seinen ausladenden Hals wie einen Kran manövrieren.
- Datum 09.07.2007 - 06:56 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 05.07.2007 Nr. 28
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Es sollte mittlerweile eigentlich auch bis zur ZEIT vorgedrungen sein, dass Dinosaurier kein Thema der Archäologie sind. Die Archäologie beschäftigt sich ausschließlich mit den Hinterlassenschaften des Menschen und als dieser auf der Erde erschien, waren die Dinosaurier schon lange ausgestorben. Für die Dinosaurier ist die Paläontologie zuständig, die im Schnittpunkt von Geologie und Biologie liegt.
Das ist mein erster Leserkommentar auf ZEITonline, aber da man es als Archäologe einfach leid ist, in Hessen immer auf die Grube Messel angesprochen zu werden, reagiert man auf diese Verwechslung empfindlich.
sitzen "nur Menschen", die manchmal allerdings meinen, etwas mehr zu sein. Danke für Ihre nette Information.
sitzen "nur Menschen", die manchmal allerdings meinen, etwas mehr zu sein. Danke für Ihre nette Information.
sitzen "nur Menschen", die manchmal allerdings meinen, etwas mehr zu sein. Danke für Ihre nette Information.
Eine missverständliche Aussage ist es, im Zusammenhang mit dem Brachiosaurus von Vögeln zu sprechen - denn es handelt sich um Sauropoden, die sich auf vier Beinen fortbewegten.Die Vögel stammen jedoch von einer anderen Abzweigung - den Theropoden ab, zu denen auch "T-Rex" gehörte. Hier gibt es auch die ersten gefiederten Saurier, die aber eher - nunja - Vogelgröße erreichten.....
Noch immer wird gerätselt, warum Dinosaurier so groß waren. Meiner Ansicht nach gibt es dafür eine Erklärung, wenn man bisherige Annahmen auf anderen Wissenschaftsgebieten hinterfragt.
Bisher WIRD ANGENOMMEN, dass der Mond vor 4,5 Mia. Jahren entstanden ist. Weder für den dafür angeblich verantwortlichen Planeten Theia noch für den Zusammenstoß dieses hypothetischen Planeten mit der Erde gibt es WIRKLICHE BEWEISE.
Bisher wird ANGENOMMEN, dass die Halbwertzeiten IMMER konstant sind und eine radiometrische Datierung des Mondes mit 4,5 Mia. Jahre daher korrekt ist. Dass aber gerade bei so einem gigantischen Ereignis wie der Mondentstehung aus der Erde temporär höhere Zerfallsraten auftreten können und so radiometrisch gemessene Jahre nicht mit den tatsächlich vergangenen Jahren übereinstimmen, wurde bisher nicht berücksichtigt.
Dem gegenüber stehen weltweit Überlieferungen zu einer Mondentstehung während der Lebenszeit des Menschen. Es gibt auch Überlieferungen zu einer Tagesverlängerung während der Lebenszeit des Menschen. Beides hängt kausal miteinander zusammen.
Durch die Mondentstehung ist die Rotationsdauer der Erde verlangsamt worden, was eine Tageszeitverlängerung nach sich zog. DADURCH kann es zu einer Änderung des auf der Erde wirkenden Gewichtes von Menschen, Tieren, Pflanzen oder Steinen gekommen sein.
Riesentiere wie Dinosaurier und auch menschliche Riesen - von denen weltweit in Überlieferungen berichtet wird - können so vor der Mondentstehung gelebt haben.
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