Pop Hollywood rettet die Welt

Al Gore lässt ein Konzert auf sieben Kontinenten spielen: Das »Live Earth« kämpft für die Umwelt – mit allen Tricks des Marketings.

Das Filmchen sieht aus wie Werbung, und das wundert nicht, denn es ist ja irgendwie auch eine. Ein Inuit, der dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz auf einer Flöte bläst. Eine Schauspielerin, die dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz mit den Füßen auf den Boden tippt. Ein bellender Wüstenhund. Ein Kinderchor singt: »Dot-Dot-Dot, Slash----Slash----Slash, Dot-Dot-Dot.« Abspann: »It’s time to Save Our Selves«. Was für ein Zufall: Das ergibt das Akronym SOS.

Schnelle Schnitte, coole Bilder, hipper Takt. Der Clip soll die Welt einstimmen – auf den Klimaschutz im Allgemeinen und im Besonderen auf das größte Konzertereignis, das der Globus je gesehen hat: Live Earth, eingefädelt und mit Wucht vermarktet von Al Gore, der für seine Dokumentation An Inconvenient Truth (Eine unbequeme Wahrheit) zuletzt mit einem Oscar geadelt wurde. Am 7. 7. 07 – auch eine schöne Zahlenkombination – soll auf sieben Kontinenten das Konzert der Konzerte stattfinden: 150 Bühnen mit schätzungsweise ein, zwei Millionen Livezusehern und einem Zwei-Milliarden-Publikum vor TV- und Computerschirmen. Der Hauptsponsor Microsoft sorgt für die Übertragungen. Sogar in der Antarktis, auf der britischen Rothera-Forschungsstation, soll es ein Konzert geben. Allerdings nicht von den Red Hot Chili Peppers, Duran Duran, Foo Fighters oder Madonna, sondern von einer Forschercombo. Aber auch wenn die Meteorologen die Töne nicht genau treffen sollten – es geht ja nur um das Symbol: Die Welt schließt sich zusammen, damit aus dem ewigen Eis nicht bald Matsch wird.

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Klimaschutz ist hot, oder, was auch ein schönes Wortspiel ergibt: cool. Das Thema Ökologie, das sehr deutsch und auf engen Bahnen seinen Weg um den Erdball begonnen hat – mit Verbots- und Verzichtsjargon, Gegen-Lifestyle und Technikskepsis –, kommt nun sehr amerikanisch wieder zurück: als breite Entertainmentwelle, mit viel Schick und einem großen Löffel Wohlfühlrhetorik. Statt des übellaunigen »Wir müssen uns bescheiden« jetzt das ermunternde »Wir können es schaffen«. Heute heißt es nicht mehr »Jute statt Plastik«, sondern Hybridauto statt Benzinstinker.

Nachhaltigkeit wird zur höchsten Form der Eleganz. Früher hatte das Weltrettertum etwas Verbiestertes, und wer sich ihm verschreiben wollte, musste die Bereitschaft aufbringen, sich deprimieren zu lassen. Heute hat es etwas Fröhliches: So schön kann es sein, den CO₂-Ausstoß zu verringern und die Energieeffizienz zu erhöhen! Was man früher Haltung nannte, ist jetzt nicht mehr Gegenkultur, sondern einer unter vielen Lifestyles.

Klimaschutz goes Hollywood, und man kann sich natürlich streiten, ob Hollywood auf den Zug aufspringt, weil die Öko-Correctness schick geworden ist, oder ob Umweltschutz schick geworden ist, weil Hollywood aufsprang. Messerscharf lässt sich das sowieso nie trennen. Coolnesspotenzial braucht ein Thema wohl, um in den Gesichtskreis der Bildmaschine zu kommen. Aber es braucht auch die Stars und ihre Vorbildwirkung, damit Massenaufmerksamkeit entsteht und ein politisches Ziel von wenigen in einem Sickerprozess zum Lifestyle vieler wird.

Auch das gute Gewissen kann zu Ware werden, die man kaufen kann

Leser-Kommentare
  1. Spätestens seit Gores letztem Buch weiß jeder, dass es nur eine Person in der Welt gibt, die ihn wirklich echt fasziniert, und sie heißt Al Gore. Die Amerikaner, die ihn abwählten, fanden dies anfangs lustig, besonders als er sich während der Wahlkampagne zu der Behauptung verstieg, er habe das Internet erfunden. Sein eigener Vetter, der linkspolitische Kommentator und Romanautor Gore Vidal verhielt sich allerdings von Anbeginn scharf kritisch, nicht zuletzt weil Al die Milliarden seiner Gattin (Heinz Tomatensuppe) für seine eigenen Zwecke benutzte. Aber es war vielmehr die Assoziation mit dem "dekadenten Hollywood", die er jetzt erneut aufgreift, die ihn wirklich die Wahl kostete. Selbst sein konservativer Heimatstaat Tennessee stimmte deshalb gegen ihn.

  2. Al Gore ist der Hohepriester der neuen Weltreligion der Klimatheisten. Keine Religion wächst derzeit schneller, als diese. Und das Sonderbare daran ist, daß es sich dabei um eine reine Naturreligion handelt, in deren Mittelpunkt die Erde als Gott steht.

    Enes der Beschwörungsrituale dieser Religion ist u.a., die Erde mit Musik gnädig zu stimmen.

  3. Und John Travolta trifft mit seinem privaten Passagierjet Boeing 707 ein, den er selbst fliegt (hunderte von Sitzen bleiben leer). Soviel für Benzinersparnis!!!

    • Anonym
    • 29.07.2007 um 19:55 Uhr

    in Qantas Retro Bemalung,
    ist ein Mega Bizjet ohne "100-en von Sitzen"; sondern 20...
    Ähnlich ist es bei den Megayachten. Sie könnten theoretisch 100 Personen befördern, werden aber nur für 12 eingerichtet mit 25 Köpfiger Crew. Die größten Megayachten besitzen die Scheichs und der Saudiking.
    Übrigens die Islamoil Potentaten fliegen allesamt Jumbos, für sich und ihre Suite von Höflingen, Hofnarren und Sklaven.
    Der Saudikönig fliegt sogar mit 2 Jets. Die ihn begleitende B757-200 ist als fliegender Spital mit Spitzentechnik eingerichtet. Wurde nie bei den Weltkatstrophen eingesetzt.

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