WIR HABEN EINEN TRAUM Sich Treu bleiben
Ich hoffe, dass wir, auch wenn wir vielleicht irgendwann richtig erfolgreich sind, immer noch gute Musik machen und nicht nur noch über das schöne Leben reden. Es gibt nichts Schlimmeres als Leute, die irgendwann reich sind und Champagner und Nutten um sich haben und ohne Bezug zur Realität leben.
Wir machen harten Berliner Rap. Nicht alle verstehen, dass unsere Texte ironisch und mit Absicht sehr überzogen sind. Ich fühle mich nicht dazu berufen, Zeilen zu rappen wie: Kokain, das ist ganz schlecht. Ich glaube nicht, dass ich mich irgendwann einmal dafür schämen werde, was ich heute mache und denke. Ich will nie sagen: Ach, ich war damals noch jung, jetzt bin ich erwachsen und abgeklärt und habe alle meine Ansichten aufgegeben. Das wäre für mich kein erfülltes Leben.
Maxim, 22, Mitglied der Berliner Rap-Band K.I.Z.
Indonesisch lernen
Es ist ein komisches Gefühl, bei Verwandten zu Besuch zu sein, deren Sprache man nicht spricht. Ich wache morgens auf, nebenan in der Küche höre ich meine Familie reden, aber ich verstehe sie nicht. Mein Vater ist Indonesier, und ein Großteil seiner Familie lebt noch auf Java.
Ich war zweimal dort, einmal mit meinen Eltern und vor einem Jahr mit meiner Schwester Fiona. Wir haben Großtanten und Großonkel, Großcousinen und Großcousins besucht. Mit Menschen dieses Verwandtschaftsgrads hat man in Deutschland meist wenig zu tun, in Indonesien ist das anders: Es ist ganz klar, dass wir, die zwei aus Neunkirchen-Seelscheid, dazugehören, auch wenn wir uns bisher kaum mit unseren Verwandten unterhalten können. Das ist ein schönes Gefühl.
Ich habe meinen Vater mal gefragt, warum wir nicht zweisprachig aufgewachsen sind. Er meinte, er wäre ja dann der einzige Mensch gewesen, der in Deutschland mit uns Indonesisch gesprochen hätte.
Früher habe ich immer gedacht, ich bin genauso wie meine Freundinnen, deren Eltern aus Deutschland stammen. Ich habe geglaubt, dass man die Kultur annimmt, in der man lebt. Aber das ist nicht so, das weiß ich inzwischen. Ich sehe nicht nur anders aus, ich bin auch anders als die anderen: Ich liebe die Ruhe und Gemächlichkeit, ich liebe die Sonne, das Meer. Mein Traum ist es, Indonesisch zu können. Ich will meine zweite Seite richtig kennenlernen.
Ira Indrakusuma, 20, Biologiestudentin in Bonn
Eine WG zu siebt
Mir gefällt es, mich mit meinen Freundinnen zu treffen, wir sind eine Clique aus sieben Mädchen. Wir lachen über dieselben Sachen, reden über Jungs und übers Fernsehen, über unsere Geschwister und über die Lehrer. Leider lästern wir auch häufig, ich versuche, mich da rauszuhalten, aber wenn man so dabeisitzt, gehört man irgendwie ja auch dazu. Ich mag Lästern nicht und wünsche mir, dass das irgendwann aufhört. Wir wollen nach der Schule alle zusammen in eine WG ziehen.
Hoffentlich klappt das.
Leslie Schraut, 12, Schülerin aus Köln
Mehr Respekt
Meine Mutter ist Griechin. Ich bin katholisch. Bevor ich schlafen gehe, bete ich. Eigentlich immer für das Gleiche: für Gesundheit, Liebe und Glück. Mein Kindheitstraum ist wahr geworden. Ich wollte immer Sängerin werden. Was ich mir immer noch erträume, ist mehr Respekt. Von meinen Fans kriege ich total liebe Briefe. Aber es gibt auch viele, die mich nicht mögen. Denen gefällt nicht, wie ich aussehe, was ich anhabe, wie ich tanze. Oder sie nehmen mich nicht ernst, weil ich erst 16 bin. Manchmal ärgere ich mich über die Leute, die mich ausbuhen. Ich wünschte, die würden mal an meiner Stelle stehen und merken, wie sich das anfühlt, wenn man alleine auf der Bühne steht. Von solchen Momenten erhole ich mich in Griechenland.
Meine Verwandten dort kneifen mich in die Wangen und kriegen sich nicht darüber ein, wie groß ich geworden bin.
Die Sängerin Lafee, 16, aus Stolberg im Rheinland wurde mit dem Song Virus bekannt
Ein paar bleiben
Ich wünsche mir vor allem, dass ich meine Ausbildung schaffe und meine Freundin ihr Abitur und dass wir uns dabei gegenseitig unterstützen.
Ich möchte mir ihr zusammen eine gute Zukunft haben. Das heißt auch, dass wir beide im Beruf die gleichen Chancen haben. Es wirkt vielleicht komisch, wenn ich wir sage, obwohl ich noch so jung bin.
Aber ich hoffe sehr, dass es bei diesem wir bleibt. Ich will Kinder haben. Mein Traum ist es, dass ich später trotz eines guten Berufes noch viel Zeit für meine Familie haben werde, denn die Familie ist das Wichtigste überhaupt. Sie steht einem immer bei, sie ist wie eine Höhle, die einen schützt. Mein Vater ist Rechtsanwalt, den sehe ich unter der Woche gar nicht. Ich möchte später mehr Zeit haben und mich nicht kaputt arbeiten. Ich bin mir sicher: Man kann auch ohne viel Geld gut leben.
Felix Große, 17, Azubi aus Berlin
Familie für immer
Vor Kurzem sind meine beiden großen Schwestern ausgezogen. Zwar kommen sie noch oft zu Besuch, aber irgendwie führen sie halt schon ihr eigenes Leben. Wenn man jünger ist, weiß man die Zeit mit der Familie gar nicht so zu schätzen. Heute weiß ich, dass es echt toll war, als alle noch im Haus waren. Wenn es einem schlecht geht, kann man sich eben nur auf seine Familie verlassen. Mein Traum ist es, dass wir immer zusammenhalten und uns niemals aus den Augen verlieren. Man hört ja immer wieder von Geschwistern, die sich irgendwann nur noch einmal im Jahr sehen, zu Weihnachten. So darf das bei uns nie werden.
Ich rappe in einer Band, und bisher läuft das ganz gut. Wäre cool, wenn das irgendwann mal richtig lukrativ würde. Da würde ich direkt meiner Familie alle Träume erfüllen.
Timm Lo, 19, Schüler aus Meschede
In der Ferne leben
Ich gehe bald für ein halbes Jahr nach Neuseeland, besuche dort die Schule und lebe in einer Gastfamilie. Ich habe es mir immer schon ausgemalt, wie es ist, mal für einige Zeit im Ausland zu sein, und nun darf ich schon mit 16 Jahren so weit weg. Das ist ein großes Glück.
Sehr wichtig ist es für mich, später einen Beruf zu haben, den ich wirklich gern mache und nicht nur wegen des Geldes. Was das sein soll, weiß ich noch nicht genau: Journalistin könnte es sein, Schriftstellerin, Schauspielerin oder ein Job im Auswärtigen Amt. Ich kann mir gut vorstellen, ganz woanders zu wohnen: in Brasilien zum Beispiel, wo viele Menschen mit verschiedenen Hautfarben zusammenleben und wo es immer warm ist. Wer weiß? Es ist noch alles offen.
Larissa Turner, 16, Schülerin aus Berlin
Frau und zwei Kinder
Mein Traum ist, dass ich am Ende eines jeden Tages nach Hause komme und dort jemand auf mich wartet, der für mich da ist. Im Moment sind das noch meine Eltern, sie sorgen für mich. Irgendwann, so mit 26 oder 27, will ich eine eigene Familie haben, eine Frau und mindestens zwei Kinder. Ich hoffe, dass ich dann auch so gute Freunde habe wie jetzt, vielleicht sogar noch dieselben. Ich wünsche mir, dass man sich auch in zehn Jahren noch abends auf ein Bier trifft. Musik gehört zu mir, und ich möchte gerne mein Leben lang mit Musik arbeiten, mit den Killerpilzen, aber auch als Songschreiber oder Produzent. Natürlich finde ich es geil, wenn bei Auftritten die Leute unsere Songs mitschreien und ausrasten. Klar! Aber ich sehe eben auch die normale Seite des Lebens: Ich möchte mein Abitur schaffen und hänge mich da echt rein. Ich habe jetzt elf Jahre darauf hingearbeitet, es wäre doch dumm, das hinzuschmeißen.
Johannes Halbig, 17, Leadsänger der Band Killerpilze
- Datum
- Quelle DIE ZEIT Nr.28 vom 05.07.2007, S.M38
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