Strahlendes Vorbild
Berlin? Die Stadt war doch pleite, die Universitäten waren in der ersten Runde des Exzellenzwettbewerbs bedeutungslos. Nun die Wende.
285 Millionen Euro will Berlin in eine einmalige Einrichtung der Spitzenforschung investieren, die wie eine Brücke die Gräben in der deutschen Wissenschaftslandschaft überwinden soll.
Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner möchte die Spitzenforschung mehrerer Universitäten und Forschungseinrichtungen vernetzen (Chancen, Seite 69).
Wir wären nicht in Deutschland, könnte man Exzellenzbemühungen fordern, ohne Kritiker auf den Plan zu rufen. Noch steht nicht einmal der Name der neuen Institution fest, schon wird sie zerredet. Ein Potemkinsches Dorf werde da errichtet. Das Brennen des Strohfeuers bedrohe den Glanz bestehender Einrichtungen. Eine überbordende Bürokratie fürchten andere, drei Universitäten mit vier Verwaltungen.
Dabei könnte von Berlin aus ein neuer Impuls für die Republik ausgehen. Seit Jahren bemängeln ausländische Experten die Zersplitterung der deutschen Forschungslandschaft: nobelgekrönte Grundlagenforschung in der Max-Planck-Gesellschaft, anwendungsorientierte Wissenschaft in den Fraunhofer-Instituten, die nach neuen Aufgaben suchende Großforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft, der Rest von 83 Forschungsstellen, Museen und Bibliotheken unter dem Namen Leibniz vereint. Und ach ja die unter Ausbildungslast und Finanzmisere ächzenden Universitäten.
Eine engere Zusammenarbeit würde Chancen für alle bieten: für die Hochschulen, denen die Besten nicht mehr davonlaufen müssten, um gute Forschungsbedingungen zu finden. Und für außeruniversitäre Einrichtungen, die endlich richtigen Anschluss an die Lehre fänden.
Denn Forschung allein reicht nicht aus. Deutschland braucht eine Initiative für gute Lehre. Die viel beschworenen wissenschaftlichen Leuchttürme, von denen Berlin nun einen errichten will, sind nicht nur aus Stein gebaut. Es ist ihr kluges Personal, das sie zum Strahlen bringt.
- Datum
- Quelle DIE ZEIT Nr.28 vom 05.07.2007, S.37
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