BERUF DER WOCHE Verbraucherberaterin
Am Samstagmorgen klingelte das Telefon bei Helene Schulte-Bories. Es war einer dieser Telefonanbieter, vor dem sie ihre Kunden immer warnt.
Aber in diesem Augenblick war die Verbraucherberaterin selbst das Opfer. Aufgeregt fluchte sie ins Telefon. » Ich bin sehr unprofessionell ausgerastet«, wundert sie sich. » Ich hätte mir Namen, Uhrzeit, Firma notieren und den Anruf melden müssen, ich wusste ja, dass dieser Anbieter bereits abgemahnt wurde.« Natürlich weiß sie das alles, sie erzählt es hundert Mal im Monat ihren Kunden in der Verbraucherzentrale Dortmund. Telefonterror, Internetabzocke, Rückrufaktionen, Hurrikanschäden, Terroranschläge, Haustürgeschäfte die Verbraucherberaterin ist für viele Fragen die erste Anlaufstelle.
Am Beratungstisch von Schulte-Bories treffen sich der ganze Ärger, die geballte Wut, die großen und kleinen Ängste, aber auch das versammelte Elend von Dortmund. Eine alte Frau hat seit Januar kein funktionierendes Telefon mehr, ein Ehepaar weiß nicht, wie es die nächsten Wochen über die Runden kommen soll, hoch verschuldet, beide krebskrank. Ein Mann, der seit Tagen nichts mehr gegessen hat.
Menschen, die DSL-Verträge unterschrieben, ohne überhaupt einen Computer zu besitzen. » Zuhören ist meine erste Pflicht«, sagt Helene Schulte-Bories, obwohl sich die Geschichten oft wiederholen. Wenn es um Lösungswege geht, kommt es aufs Detail an. Schulte-Bories ist Profi im Entwickeln von Ideen, stellt Verbindungen her, greift aufgebracht auch mal selbst zum Hörer, »um die erste Not zu lindern«. » Ich glaube, der Respekt vor uns ist recht groß«, sagt die 50-Jährige. Seit 22 Jahren macht sie den Job, Langeweile kennt sie nicht. » Seine Vielseitigkeit macht den Beruf so spannend.« Vom 9. Juli, dem Deutschen Verbrauchertag, erwartet sie nicht allzu viel: »Ich werde den ganz normalen Wahnsinn eines Montagmorgens erleben.«
Ausbildung: Diplom-Ökotrophologin
EinstiegsGehalt: 2290 Euro (FH-Absolventen)
Arbeitszeit: 39,8 Stunden/Woche
- Datum
- Quelle DIE ZEIT Nr.28 vom 05.07.2007, S.70
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