TÜRKEI »Ich wünsche es keinem«

Der 17-jährige Deutsche Marco W. ist seit Wochen in der Türkei inhaftiert, weil er eine 13-Jährige missbraucht haben soll. Andrea Rohloff weiß, welche Bedingungen in türkischen Gefängnissen herrschen - sie hat selbst anderthalb Jahre in einem verbracht.

2001 sorgte der Fall einer Berlinerin für Aufsehen: Die damals 18-jährige Andrea Rohloff war in Izmir mit sechs Kilogramm Heroin erwischt worden; die Tasche hatte sie für eine Freundin transportiert, ohne den Inhalt zu kennen. Wir sprachen mit ihr über die Haft in der Türkei.

DIE ZEIT: Was dachten Sie, als Sie vom Fall Marco hörten?

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Andrea Rohloff: Ich hatte Mitleid. Ich wünsche keinem, in einem türkischen Gefängnis zu sitzen, schon gar keinem 17-Jährigen.

ZEIT: Können Sie Ihre Haftbedingungen beschreiben?

Rohloff: In der U-Haft saß ich in einer Großraumzelle mit 40 bis 70 anderen Frauen und Kindern. Die Toiletten waren Löcher im Boden, die Dusche bestand aus einem Eimer heißes Wasser und einem Hahn für das kalte Wasser.

ZEIT: Wie war das Zusammenleben?

Rohloff: Als ich ankam, lernte ich eine Rumänin kennen, die Englisch sprach. Manche konnten auch etwas Deutsch. Sie haben mich schnell eingeweiht: Die da hat ihren Mann umgebracht, die da ist eine Betrügerin. Ich hatte Angst, aber es gab dann auch Freundschaften. Eine junge Frau hat mir Türkisch beigebracht und ich ihr Deutsch.

ZEIT: Sie haben knapp anderthalb Jahre lang in der Türkei gesessen, danach noch ein Dreivierteljahr in Deutschland. Wie war der Kontakt nach Hause während der Zeit in der Türkei?

Leser-Kommentare
    • WIHE
    • 10.07.2007 um 21:50 Uhr

    Vielleicht sollte man es mal mit Lösegeld versuchen.
    Das kann da unten oft Wunder bewirken.

  1. Sie haben es aus dem Interview mit der Frau Rohloff gelesen. Sie wurde nicht gefoltert oder vergewaltigt oder im Käfig geschlafen...diese Dame (auch wenn sie deutsch ist = kein Freifahrtschein für alles) hat 6 Kilogramm hartes Rauschgift im Gepäck gehabt. Hier in Deutschland kriegt man auch keinen 5-Sterne-Hotel-Aufenthalt dafür! Also haben die Gerichte ihr auch keine 20 Jahre dafür gegeben, sondern 2, wovon sie die letzten 3/4 Jahre hier noch abgesessen hat. Verstanden?

  2. Auch die Untersuchungshaftbedingungen vorbildlich - 40 bis 70 Frauen mit Kindern in einer Zelle. Das ist gut fuer die Rehabilitierung. Ausserdem kostenloser Tuerkischunterricht...Oh sanctas simplicitas! 

    • Anonym
    • 14.12.2007 um 17:40 Uhr

    Es geht doch letztendlich um den "Fall Marco". Da geht es nicht um "deutsch" oder "türkisch" sondern um Menschen und Menschenrechte und Gerechtigkeit. Sie sind vermutlich türkischer Staatsangehöriger oder türkischer Abstammung. Wenn Sie das, was bis heute mit diesem Jungendlichen geschehen ist, für gerecht halten, dann tun Sie mir aufrichtig leid.
    Gott sei Dank, hat dieses "Drama" heute erst einmal einen vernüftigen Abschluß gefunden.

    • navy
    • 16.12.2007 um 15:51 Uhr

    Frau Andrea Rohloff ist durch Nichts zu entschuldigen. Die gute Frau, wäre selbst mit extremer Dummheit nicht zu entschuldigen und kam sehr gut weg. In Deutschland wäre sie länger im Gefängnis gesessen.

  3. Frau Rohoff saß in einer Großraumzelle mit 40 bis 70 Frauen. Großraumzellen sind auch in anderen Ländern üblich, wie z.B. in Brasilien, im Bundesstaat Para. Dort war eine 15jährige unter dem Verdacht in Untersuchungshaft, ein Handy gestohlen zu haben. Sie teilte die Zelle mit etwas über 20 anderen Gefangenen - alles Männer (es gibt oder gab 2007 nur ein eiziges reines Frauengefängnis in ganz Para).
    Im Prinzip müssten die Verantwortlichen selbst mindestens für je 5-10 jahre hinter schwedischen Gardinen verschwinden, und zwar wegen Vergewaltigung in mittelbarer Täterschaft. Man kann nicht jemanden in eine Löwengrube werfen und vernunftbegabten Menschen weismachen wollen, man habe nicht vorhergesehen und schon gar nicht gewollt, dass er gefressen wird.
    Das Mädchen jedenfalls wurde 25 Tage lang immer wieder vergewaltigt. Al-Djasira-Reporter Gabriel Alizondo dechkte den Skandal auf.

    Wer Andere neben sich klein macht, ist nie groß.
    Johann Gottfried Seume

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