Kolumne Das Letzte

Finis über gelöschte Geheimdaten bei der Bundeswehr

Hochverehrter Herr Verteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung! Medienlümmel werfen der Bundeswehr vor, sie habe in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Geheimdaten über Auslandseinsätze gelöscht. Wir beide wissen, dass kein Hahn nach diesen toten Daten gekräht hat. Shit happens, so etwas kommt in den besten Familien vor. Jetzt fehlen eben ein paar Geheimdossiers über Murat Kurnaz, aber was soll hier schon fehlen? Gefehlt hat die Familie Kurnaz. Wenn Vater Kurnaz bei einem familiären Inlandseinsatz seinen Sohn rechtzeitig die starke Hand hätte spüren lassen, dann hätte kein deutscher Soldat im ausländischen Afghanistan ihm die Faust unter die Nase halten müssen. Im Übrigen wächst in unserem Herzen das Verständnis für die Staatsschützer im Bundeswehr-Archiv. Sie hocken auf schlecht belüfteten Speicherplätzen, und nichts passiert. Die japanische Festplatte surrt, und der chinesische Lüfter säuselt vor sich hin. Der deutsche Tag ist lang, und er wird noch täglich länger. Der Frieden ist tödlich. Man ist sich selbst der nächste Feind. In der militanten Leere kampfloser Zeit reift die Sehnsucht wie der Fußpilz im Stiefel des Soldaten. Die Sehnsucht nach Speicherplatz für einen kulturell wertvollen Spielfilm. Für Terminator IV. Für ein hauchzartes Killerspiel. Zugegeben, so eine Löschaktion darf nie wieder vorkommen, oder sagen wir: nicht mehr ans Licht kommen. Das geht übrigens ganz einfach, mit handelsüblicher Software. Zur Installation schalten Sie den Computer ein, indem Sie den Netzschalter in die dafür vorgesehene Steckdose stecken. Drücken Sie nun den natogrünen Netzschalter und warten Sie, bis auf dem Bildschirm der Deutschland-Adler vor dem Bundeswehr-Logo erscheint. Sobald sich der Adler vollständig aufgebaut hat und nicht mehr aussieht wie ein Geier aus dem Hindukusch, gehen Sie mit der tarnfarbenen Maus auf »Alle Programme« und doppelklicken Sie in das Kommandofeld »Nur brisante Daten löschen«. Anschließend drücken Sie auf Neustart und warten, bis der Computer hochfährt und Sie mit dem Deutschlandmarsch freudig begrüßt. Die für Staatsschützer überlebenswichtigen Informationen wie Kantinen-Speiseplan und lustige Manöverspiele sind nun gespeichert und können bei der nächsten angeordneten Löschaktion nicht mehr verloren gehen. Die Einrichtung des Programms ist damit beendet. Gehen Sie nun beruhigt in die Mittagspause. Bitte beachten: Staatsschützer fahren ihr Gerät zum Stromsparen ordentlich herunter. Finis

 
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