IN DIESEM HEFT Das fängt ja gut an!

Liebe Leserin, lieber Leser, sehr zahlreich waren die Antworten auf meine Frage, was Sie von dem geplanten Bau einer Großmoschee in Köln halten. Viele unter Ihnen befürchten eine Ausbreitung des Islams, weil im Namen dieser Religion Terror verübt, Frauen unterdrückt, Menschenrechte wieder und wieder missachtet werden. Die Vorstellung einer Moschee, deren Minarette 55 Meter hoch über die Dächer der Stadt ragen sollen, erfüllt mich mit tiefem Unbehagen, schreibt Ulla Kilian aus Wiesbaden, weil unser Land von Terroristen zu den Feinden des Islams erklärt worden ist. Ich kann diese Befürchtungen nachempfinden. Auch mir gehen Leute, die leichtfertig von Toleranz sprechen, aber sofort wegziehen würden, sollte nebenan eine Moschee gebaut werden, ziemlich auf die Nerven. Und trotzdem bin ich für den Bau der Moschee. Die Religion ist spätestens seit dem 11. September 2001 in den öffentlichen Raum zurückgekehrt. Wir hatten uns daran gewöhnt, Religion als Privatsache zu betrachten vorbei. Wenn für 120000 in Köln lebende Muslime ein großes Gotteshaus gebaut wird, muss einem das nicht gefallen, aber zur Religions- freiheit gehören auch Moscheen. Wer Muslimen dieses Recht einräumt, kann umso deutlicher Pflichten einfordern: Bekennt euch zur Verfassung, beendet die Unterdrückung der Frauen, distanziert euch vom Terror. Und: Wer vertritt eigentlich die Muslime? Das müssen die Muslime beantworten.

Maria Flink-Schütz aus Köln schreibt, dass sie in ihrer 30-jährigen Tätigkeit als Lehrerin viele türkische Familien kennengelernt hat. Sie hat sich immer gewünscht, sie würden ihren Glauben nicht in Hinterzimmern praktizieren, sondern in repräsentativen, zugänglichen Moscheen: Deshalb bin ich für den Bau. Übrigens leben zwar drei Millionen Muslime in Deutschland und 50 Millionen Christen. An diesen Mehrheitsverhältnissen werden selbst weitere Kirchenaustritte nichts ändern können.

HERZLICH

IHR CHRISTOPH AMEND

REDAKTIONSLEITER

PS: Der bekennende Scientologe Tom Cruise wird in einem Film den Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg spielen. Was denken Sie: Ist das okay? Ich bin auf Ihre Meinung gespannt und werde darüber berichten. Sie erreichen mich unter Christoph.Amend@zeit.de oder per Post unter ZEITmagazin LEBEN, Dorotheenstraße 33, 10117 Berlin

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.29 vom 12.07.2007, S.M05
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