Kino Die verlorene AugenbraueSeite 3/3

Überhaupt scheint in dieser Prophezeiung der Hund, oder jedenfalls noch so manche Schlange, begraben. In einem etwas verheddert dargebotenen, doch plausiblen Plädoyer gegen den Determinismus hat Dumbledore Harry jüngst erklärt, dass es letztlich die Akteure sind, allen voran Voldemort, die die Prophezeiung erst wahr werden lassen. Das wirft ein interessantes Licht nicht nur auf Tolpatsch Neville – zur selben Zeit geboren wie Harry –, sondern auch auf die Unlogik, die in die Prophezeiung selbst eingelassen ist: »…und der Eine muss von der Hand des Anderen sterben, denn keiner kann leben, während der Andere überlebt…« Dieses »denn« ist natürlich Unfug, weil es eine logische Zwangsläufigkeit suggeriert, die streng genommen nicht existiert: Wenn nur einer von zweien überleben darf, könnte auch ein Dritter einen der beiden töten. Hat die konfuse Trelawney dieses »denn« dazugedichtet – oder hat Joanne K. Rowling den Fehlschluss bloß übersehen?

Kürzlich hat ein der Potter-Welt übel gesinnter Hacker behauptet, sich Zugang zu den Computern des Bloomsbury-Verlags verschafft zu haben. Er wisse nun, wer sterbe und wer wen auf den letzten Seiten in welcher Reihenfolge besiege. Es sind aber gar nicht Namen, sondern vielmehr Fragen, die Potter-Fans am meisten umtreiben: Warum kam es so? Wie konnte sich plötzlich dieser als jener entpuppen, und wieso haben wir einen bestimmten Zusammenhang nicht viel früher erkannt? Weil es – neben dem Charme verlorener Augenbrauen und Dampf pustender Schildkröten – vor allem die stets saubere, aber kunstvoll verschleierte Logik ist, dank der Rowlings Zauber so zuverlässig wirkt.

 
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